Deutsche Autos hinken hinterher
aus Berlin JÖRG ZEIPELT
Keine Überraschung auf Platz 1 der VCD-Auto-Umweltliste. Wieder einmal macht Toyota mit dem Prius das Rennen, wenn es darum geht, das umweltfreundlichste Auto auf dem deutschen Markt anzubieten. Die dritte Generation des Japaners mit gekoppeltem Benzin- und Elektromotor stößt nochmals 15 Gramm weniger Kohlendioxid aus als sein Vorgänger. Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bewertete neben dem Kohlendioxid-Ausstoß auch Belastungen durch Lärm und Schadstoffe sowie Auswirkungen auf die Natur, vor allem durch Stickoxide.

Gewinner der Umweltliste 2009: Toyota Prius. (Foto: Jörg Zeipelt)
Die deutschen Produzenten sind beim VCD-Ranking auch in diesem Jahr weit abgeschlagen. Erst auf Platz 7 landet mit dem Smart ein Fahrzeug aus dem Hause Mercedes in der Liste.
Ein Grund mehr für den verkehrspolitischen Sprecher des VCD, Gerd Lottsiepen, die deutschen Hersteller zu rügen: „Zwar hat zum Beispiel Volkswagen mittlerweile eine umfangreiche Palette von Fahrzeugen, die auch ohne Hybrid-Antrieb wenig Kraftstoff verbrauchen“. Doch diese fristen ein Nischendasein. „Stattdessen muss Umwelttechnik wie die Start-Stopp-Automatik oder Leichtlaufreifen Standard bei allen Fahrzeugen werden“, sagt Lottsiepen.
„Seit dem ersten 3-Liter-Auto vor zehn Jahren haben die deutschen Hersteller viel Zeit verschenkt“, meint Lottsiepen. Während die deutschen Ingenieure hervorragend seien, komme es auf die Entscheidungen der Manager an. „Die Politik darf deshalb keine laschen Rahmenbedingungen vorgeben“, blickt der VCD-Sprecher auf eine Entscheidung im vergangenen Jahr zurück.
Damals wurde der Grenzwert für den maximalen CO2-Ausstoß zum einen verwässert und zum anderen auf später verschoben. Statt 120 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ab 2012 wird jetzt erst ab 2015 ein Grenzwert von 137 Gramm eingeführt, der zudem nur für 65 Prozent der Fahrzeuge eines Herstellers gilt. Lottsiepen: „Gerade mit solchen Entscheidungen macht die Bundesregierung das Autofahren für die Menschen teurer, die am Ende mehr für Benzin bezahlen müssen.“
Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der in Deutschland neu zugelassenen Autos ist in diesem Jahr gesunken - auf umgerechnet 155 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer. Das sind zehn Gramm weniger als 2008. Das Familienauto Prius stößt dagegen bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,9 Litern Benzin nur 89 Gramm aus. Deshalb meint Lottsiepen: "Niemand muss heute noch einen Pkw kaufen, der mehr als fünf Liter Sprit oder eine entsprechende Menge Gas verbraucht. Auch dann nicht, wenn die Familie drei Kinder hat, der Papa 1,95 Meter groß und beruflich viel mit drei großen Musterkoffern auf der Autobahn unterwegs ist."
Der VCD fordert schon seit längerem eine Bewertungsskala für Autos ähnlich der Effizienzklassen für Kühlschränke und eine Kfz-Steuer-Reform „die Spritschlucker wirklich belastet.“ Ein Förderprogramm nur für Elektroautos lehnt der Club ab, es „mache nur dann Sinn, wenn zeitgleich konsequent die regenerative Stromerzeugung gefördert und der notwendige Netzausbau angegangen werde.“ Vielmehr soll stattdessen der Kauf energieeffizienter Fahrzeuge insgesamt gefördert werden, der VCD schlägt hierfür eine Obergrenze von 60 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer vor. Elektroautos könnten dann durch die Umrechnung ihres Stromverbrauchs auf den CO2-Ausstoß vergleichbar gemacht werden.
Hier die Top Ten der VCD Auto-Umweltliste 2009/2010:
|
1. |
Toyota Prius Hybrid1 |
7,53 |
|
2. |
Toyota iQ 1.0 VVT-i |
7,36 |
|
3. |
Honda Insight Hybrid2 |
7,13 |
|
4. |
Nissan Pixo |
6,83 |
|
|
Suzuki Alto |
6,83 |
|
6. |
Honda Civic Hybrid3 |
6,66 |
|
7. |
smart fortwo coupé 45 kW |
6,36 |
|
8. |
smart fortwo coupé cdi |
6,35 |
|
9. |
Daihatsu Cuore 1.0 |
6,31 |
|
10. |
Volkswagen Polo 1.6 TDI BlueMotion Tech. |
6,30 |
Die Top-10-Listen der jeweiligen Fahrzeugklassen stellt der VCD unter seiner Website zur Verfügung. Interessenten können dort außerdem gegen eine Gebühr von 2,95€ die komplette Liste mit den über 350 bewerteten Autos als gedruckte Fassung bestellen.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 17 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Ich liebe es! Einmal den Uli Hoeneß machen, auf jedes Umweltgewissen pfeifen und beim Burgerbrater um die Ecke so richtig die Ökosau rauslassen - wäre das nicht irgendwie herrlich? Nun ja ... Lesen Sie selbst!
Von Georg Etscheit [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13








