Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Indien betet für den Monsun

indien5-nick.jpg
Monsun in Delhi: Jeder Regentropfen wird gefeiert

 Aus Agra und Neu Delhi NICK REIMER

Anfang Juli versuchte es die indische Regierung noch mit "Impfungen": Wissenschaftler sollten im Regierungsauftrag mittels Chemikalien den verspäteten und lang ersehnten Monsun aus den Wolken saugen. Weil das nicht funktionierte, rief die Regierung danach die Menschen auf, für das Einsetzen des diesjährigen Monsuns zu beten.

Weil auch das nicht hilft, droht eine Katastrophe: Indien steht vor der schwersten Dürre seit 30 Jahren. Finanzminister Pranab Mukherjee erklärte gerade 161 indische Distrikte zum offiziellen Dürregebiet. Im Distrikt Kishanganj fiel - verglichen zum Vorjahr - bislang 88 Prozent weniger Regen, in den Distrikten Siwan (84 Prozent), Saran (82 Prozent), Viashali (79 Prozent) ist die Lage ähnlich dramatisch. In ganz Indien leiden Menschen, Vieh und Felder unter Temperaturen bis zu 49 Grad Celsius, die mit Dürre, Elektrizitätsausfällen und nicht zuletzt bislang mehr als hundert Hitzetoten einhergehen. Die Monsun-Saison geht im September zu Ende, bereits jetzt steht fest, dass die Verluste nicht mehr aufzuholen sind.

"Starke Wolkenbildung, aber nur wenig Niederschlag", sagt der Wetterdienst etwa dem Bundestaat Uttar Pradesch für die kommende Woche bevor. "So geht das schon seit Wochen", erklärt Khadi, der in Agra nahe des Taj Mahal ein Hotel betreibt. Mit 170 Millionen Einwohnern leben in Uttar Pradesch fast so viele Menschen wie in Brasilien. Die Mehrzahl von ihnen sind Bauern wie Kahdis gesamte Familie - und damit dringend auf den Monsunregen angewiesen. Die bisher schwachen Niederschläge bedrohen die Ernte von Lebensmitteln wie Zucker, Reis und Linsen, was wiederum die Preise treibt.

indien2-nick.jpg
Agra: Die Eisenbahnbrücke über dem ausgetrockneten Fluss

"Wir dürfen keinesfalls erlauben, dass unsere Bürger Hunger leiden müssen", erklärte bereits Premierminister Manmohan Singh auf einer Krisenkonferenz mit den Bundestaaten in der vergangenen Woche.  Das Land stehe vor einer schwierigen Lage. Singhs Wirtschaftsberater Raghuram Rajan warnte dagegen, der schwache Monsun könne das Land bis zu einem Prozentpunkt Wachstum kosten. Grund dafür sei die immense Bedeutung der Landwirtschaft für Indien. Obwohl sie nur knapp ein Fünftel zum Bruttoinlandsprodukt beiträgt, hängt von ihr das Wohlergehen von mehr als 500 Millionen Menschen ab.

Der Agrarsektor war in den vergangenen Jahren eine maßgebliche Stütze des indischen Wirtschaftsbooms. Die Ernten waren gut, der Wohlstand auf dem Land stieg, plötzlich war Geld vorhanden für Konsumgüter wie Mobiltelefone, Motorräder und Fernseher. Doch dieser Wohlstand steht und fällt mit den Launen des Monsuns: Nach offiziellen Angaben lag der Regenertrag zwischen 1. Juli und 5. August um ein Viertel unter dem des langjährigen Durchschnittes.

Das hat zur Folge, dass nicht nur sechs Millionen Hektar Reis-Saat verloren sind - wie Premierminister Manmohan Singh bilanzierte. Indien ist weltweit der zweitgrößte Produzent - wegen des ausbleibenden Regens wird der Ertrag um ein Fünftel zurück gehen. Und auch für das kommende Jahr verschlechtern sich die Aussichten: Ein Großteil des jährlichen Monsuns füllt auch die Staudämme, aus denen in der Trockenzeit die Felder bewässert werden müssen.

indien-nick.jpg
Das Taj Mahal am Fluß Yamuna - respektive seinen Resten. (Alle Fotos: Reimer)

Wolken "impfen", für Regen beten: Lange Zeit hat Indiens Regierung auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. "Wieso wartete die Regierung so lange auf Regen - ohne sich um Anpassungsstrategien zu kümmern?", fragt THE TIMES OF INDIA.

Doch es gibt auch Hoffnung in Uttar Pradesh: Um sich gegen die negativen Folgen des Klimawandels zu wappnen, haben Dorfbewohner mit der Instandsetzung Jahrhunderte alter Wasserspeichersysteme begonnen. Die Launen der Natur sollen von einem traditionsreichen Wasserspeichersystem gemildert werden, das schon von 300 vor bis 200 Jahre nach Christi Geburt in Betrieb war. Das System sorgt dafür, dass Oberflächen- und Untergrundwasser über Kanäle in menschengemachte Speicher fließen und bei "Monsum-Ebbe" wenigstens etwas Hoffnung speist.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

Meinungen: Überraschung der Woche

Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Werbung


Werbung


Ressorts

Politik


China verbietet Airlines Emissionshandel

Fluggesellschaften aus dem Land dürfen sich nicht am europäischen Emissionshandel beteiligen und die Kosten nicht auf ihre Preise umlegen [mehr...]
Energie


Geothermiekraftwerk Landau vor dem Aus

Dem Geothermiekraftwerk im pfälzischen Landau droht das Betriebsende. Seit durch das Kraftwerk ein Erdbeben ausgelöst wurde, kämpfen die Betreiber mit Schwierigkeiten. Nun droht eine der Firmen - EnergieSüdwest - mit dem Ausstieg.
Aus Freiburg Bernward Janzing
[mehr...]
Wirtschaft


18.000 neue erneuerbare Jobs

Studie: Offshore-Branche werde 2021 mindestens 33.000 Menschen beschäftigen [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen

licht1-nick
Baumärkte schlampen bei den Lampen

Test der Deutschen Umwelthilfe: Nur in 40 Prozent gab es Rücknahme-Behälter für quecksilberhaltigen Energiespar-Leuchten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Noch nicht einmal 50 von 2.000

Der Ausbau der Offshore-Windkraft stockt - trotz üpiger Fördererhöhung durch die Bundesregierung. Schuld sind natürlich die Behörden, klagt RWE. Echt? Lesen Sie mal! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]