Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

"Viva la Revolución Energética"

laurie-stone-lrg.jpg 

 

 

Von Laurie Guevara-Stone,
Programmdirektorin bei Solar Energy International

 

 

 


Welche Nation ist die nachhaltigste der Welt? Wer jetzt denkt, Schweden oder Dänemark oder vielleicht Norwegen, liegt falsch. Der World Wildlife Fund (WWF) hat Kuba zu dem einzigen Land erklärt, das einen Zustand der nachhaltigen Entwicklung nahezu erreicht. Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist das vor zwei Jahren gestartete Programm zur Energieeffizienz, die "Revolución Energética".

Der WWF Living Planets Report 2006 bewertet nachhaltige Entwicklung auf der Basis des vom UN-Entwicklungsprogramm UNDP aufgestellten Human Development Index (HDI) sowie dem Ökologischen Fußabdruck. Der Index berücksichtigt Lebenserwartung, Alphabetisierung und Bildung sowie Pro-Kopf-BIP. Das UNDP sieht hierbei einen Index von mehr als 0,8 als hohen Entwicklungsstand an.

Nach dem Ökologischen Fußabdruck gilt ein Bioshpärenverbrauch von 1,8 Hektar pro Person oder weniger als nachhaltig. Das einzige Land, das beide Indikatoren erreicht, ist Kuba.

Noch einige Jahre zuvor war Kubas Energiesituation katastrophal. Das
sozialistische Land mit 11 Millionen Einwohnern betrieb 11 große, ineffiziente thermoelektrische Kraftwerke, die die Hälfte der Zeit still standen. Es gab regelmäßige Stromausfälle und hohe Übertragungsverluste. Zu der Krise kamen ineffiziente Haushaltsgeräte, 75 Prozent der Bevölkerung kochten mit Petroleum und die Stromtarife ermutigten nicht zum Sparen.

2004 wurde Kuba von einer Hurrikan-Serie überrollt, die mehr als 10
Millionen Kubaner für mehr als 10 Tage ohne Strom zurückließen. Angesichts eines veralteten Systems, gewaltigen Stürmen, Peak Öl und Klimawandel wurde den Kubanern klar, dass sie der Energiefrage Vorrang gewähren mussten. Daraufhin wurde das Programm "Revolución Energetica" gestartet.

Zwei Jahre später verbrauchte das Land 34 Prozent weniger Petroleum, 37 Prozent weniger Flüssiggas und 80 Prozent  weniger Benzin. Kubas Pro-Kopf-Energieverbrauch beträgt ein Achtel des Verbrauchs in den Vereinigten Staaten, während die Kubaner in der Gesundheitsversorgung, Bildung und Lebenserwartung ein Niveau erreichen, das dem der USA nicht nachsteht.

Vor der Revolution von 1959 hatte etwa die Hälfte des Landes Zugang zu Elektrizität. 1989 war der Anteil auf 95 Prozent  gestiegen. Nach 1991 wurden jedoch Lebensmittel, Öl und Gas aufgrund des Zusammenbruchs der Sowjetunion und der andauernden US-Blockade knapp. Diese Zeit wurde als "Sonderperiode" bekannt, in der die Kubaner lernen mussten, wie sie Lebensmittel, Medizin und Energie lokal und nachhaltiger herstellen konnten.

Kuba startete deshalb Mitte der 1990er-Jahre eine Initiative zum Energiesparen und zur stärkeren Nutzung erneuerbarer Energien. Alle ländlichen Schulen, Krankenhäuser und sozialen Zentren, die bis dahin ohne Strom waren, wurden mit photovoltaischen Anlagen ausgestattet. Dadurch erhielten alle Schüler Zugang zu Licht, Computern und TV-Bildungsprogrammen. Das Programm wurde von den Vereinten Nationen 2001 mit dem Global-500-Preis ausgezeichnet.
Die Krise war allerdings auch nach 10 Jahren "Revolución Energetica" noch nicht ausgestanden. Das Land unternahm daraufhin 2006 weitere drastische Schritte. Kubas Energierevolution hat fünf Hauptaspekte:

- Energieeffizienz und Energiesparen

- Verbesserung der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des nationalen Stromnetzes

- Erhöhung des Anteils an erneuerbaren Energien im nationalen Energiemix

- Steigerung der Erkundung und Förderung von lokalen Öl- und Gasvorkommen und

- internationale Kooperation.

In einer Rede vor den kubanischen Energieversorgern erklärte der damalige Präsident Fidel Castro: "Wir warten nicht, bis Treibstoffe vom Himmel fallen, denn wir haben zum Glück etwas sehr viel Wichtigeres entdeckt: Energieeinsparung - was so viel wert ist wie große neue Vorkommen zu entdecken." Um seinen Energieverbrauch zu senken, begann Kuba zu energieeffizienteren Haushaltsgeräten zu wechseln. Innerhalb von nur zwei Jahren wurden fast zwei Millionen Kühlschränke, über eine Million Ventilatoren, 182.000 Klimaanlagen und 260.000 Wasserpumpen ausgetauscht.

Klein-Neonlampen wurden kostenlos ausgegeben; nach sechs Monaten waren fast alle der neun Millionen konventionellen Lichtquellen ersetzt. Zur selben Zeit wurden die Kubaner aufgerufen, Petroleum zum Kochen zu ersetzen. Über 3,5 Millionen Reiskocher und 3 Millionen Dampfdruckkocher wurden seitdem in den Haushalten angeschafft.

Um das Energiesparen zu fördern, wurden die häuslichen Stromtarife
umgestellt. Haushalte, die weniger als 100 kWh pro Monat verbrauchen, zahlen 0,09 Pesos pro Kilowatt. Für jede weiteren 50 kWh pro Monat steigen die Raten dann sprunghaft. Verbraucher, die über 300 kWh pro Monat verbrauchen, müssen 1,30 Pesos pro Kilowattstunde zahlen.

Kubas nationales Energieprogramm, das 1997 umgesetzt wurde, vermittelt den Kubanern Wissen über Energiesparmaßnahmen und erneuerbaren Energien. "Wenn wir mit der Erziehung zu Energieeffizienz im Vorschulalter anfangen, können wir Änderungen im Lebensstil erreichen", erklärt Teresa Palenzuela vom kubanischen Energieeinsparsprogramm.

Das Programm veranstaltete in den letzten drei Jahren Energie-Festivals, um Tausende im Bereich Energieeffizienz und Energiesparen weiterzubilden. Die Festivals wenden sich an Schüler, die Energieeffizienz in Musik, Literatur und Theaterstücken thematisieren. In jeder kubanischen Schule kommen diejenigen mit den besten Projekten zur Energieeffizienz weiter zu lokalen Wettbewerben. Die Besten gehen weiter zur regionalen und dann zur nationalen Ebene.

Die Bevölkerung besucht die Festivals in großer Zahl. "Diese Wettbewerbe sind für das ganze Land wichtig; sie motivieren Kinder, Schüler und die Öffentlichkeit, Energie auf allen Ebenen einzusparen", sagt die 15-jährige Liliana Rodríguez Peña.

Die Medien tun das Übrige, um die Informationen über Energie zu verbreiten. Dutzende von Plakatwänden, die Energieeinsparungen fördern, sind über das Land verteilt; eine wöchentliche Fernsehshow ist dem Thema Energie gewidmet; Energieeffizienz und -einsparung ist regelmäßig Thema in den Zeitungen. Allein 2007 wurden 8.000 Artikel und Fernsehspots über Energieeffizienz veröffentlicht.

Allerdings waren auch 2005 noch Stromabschaltungen an der Tagesordnung, da das Stromnetz veraltet und ineffizient war. Daraufhin begann Kuba die Energieerzeugung zu dezentralisieren und Elektrizität in kleineren Anlagen bereitzustellen. 2006 installierte Kuba mehr als 1.800 Dieselgeneratoren und ölbefeuerte Mikro-Kraftwerke, die heute 110 Gemeinden mit über 3.000 MW Strom beliefern. Dieser Wechsel machte den Stromabschaltungen praktisch ein Ende. 2004 und 2005 gab es noch mehr als 400 Tage mit Stromabschaltungen über 100 MW für mehr als eine Stunde. 2006 sank die Zahl auf drei, 2007 gab es keine.

Kuba nahm auch einen beeindruckenden Plan zur Erneuerung des alten Stromnetzes in Angriff. Mehr als 120.000 Überlandmasten wurden erneuert, 3.000 Kilometer Kabel verlegt und 500.000 elektrische Zähler installiert.

Das Ergebnis war die Reduzierung der benötigten Ölmenge zur Erzeugung einer Kilowattstunde von 280 Gramm im Jahr 2005 auf 271 Gramm 2007. Es wird geschätzt, dass Kuba durch seine Energiesparmaßnahmen in diesem Zeitraum etwa 827.000 Tonnen Öl eingespart hat. 

Kubas Anstrengungen, mehr erneuerbare Energien in den Energiemix zu integrieren, sind ebenfalls beeindruckend. 100 Windmessstationen und zwei neue Windfarmen brachten die Windenergie auf 7,23 MW. Das Land entwickelt derzeit auch das erste netzgebundene Solarkraftwerk mit 100 kW.

"Wir brauchen eine globale Energierevolution", sagt Mario Alberto Arrastia Avila, Energieexperte bei Cubaenergia, einem Energieinformationszentrum. "Aber dafür brauchen wir auch eine Revolution des Bewusstseins. Kuba hat einen Weg in Richtung eines neuen Energieparadigmas eingeschlagen - mit der Anwendung von Konzepten wie dezentrale Erzeugung, Effizienz, Bildung, Energiesolidarität und schrittweise Umstellung des Landes auf erneuerbare Energien."


Die Autorinist Programmdirektorin bei Solar Energy International, einer Non-Profit-Organisation zur Verbreitung von erneuerbaren Energien in den USA.

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13

Facebook Empfehlungen

klimaretter.info auf Twitter

klimaretter.info Newsletter

klimaretter.info Newsfeed

Hier gehts zu einer Übersicht unserer Newsfeeds


Werbung


Ressorts

Politik


Inselstaaten ziehen vors Gericht

Die pazifischen Inselstaaten wollen das Thema Klimaschutz vor den Internationalen Gerichtshof bringen [mehr...]
Energie


Geothermiekraftwerk Landau vor dem Aus

Dem Geothermiekraftwerk im pfälzischen Landau droht das Betriebsende. Seit durch das Kraftwerk ein Erdbeben ausgelöst wurde, kämpfen die Betreiber mit Schwierigkeiten. Nun droht eine der Firmen - EnergieSüdwest - mit dem Ausstieg.
Aus Freiburg Bernward Janzing
[mehr...]
Wirtschaft


18.000 neue erneuerbare Jobs

Studie: Offshore-Branche werde 2021 mindestens 33.000 Menschen beschäftigen [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen

licht1-nick
Baumärkte schlampen bei den Lampen

Test der Deutschen Umwelthilfe: Nur in 40 Prozent gab es Rücknahme-Behälter für quecksilberhaltigen Energiespar-Leuchten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Noch nicht einmal 50 von 2.000

Der Ausbau der Offshore-Windkraft stockt - trotz üpiger Fördererhöhung durch die Bundesregierung. Schuld sind natürlich die Behörden, klagt RWE. Echt? Lesen Sie mal! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]