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Intermezzo in Bonn

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VON SARAH MESSINA

In Bonn hat am Montag eine Klimakonferenz begonnen, die es eigentlich gar nicht geben sollte: 2.000 Delegierte aus rund 190 Ländern diskutieren vom 10. bis 14. August erneut über die Vorbereitung eines Abkommens zur Nachfolge des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls. Das dritte Treffen des Jahres in Bonn findet jedoch informell und hinter verschlossenen Türen statt.

Ursprünglich waren die "August Informals" nicht eingeplant. Aus der letzten Klimakonferenz im Juni ebenfalls in Bonn war die Klimadiplomatie jedoch mit einem Textkorpus von nahezu 300 Seiten gegangen. Der Entwurf für das Kopenhagen-Abkommen ist in der Zwischenzeit auf exakt 199 Seiten gestaucht worden. Doch die Zeit ist knapp: Bevor es im September zur nächsten Wegmarke des offiziellen Verhandlungsmarathons nach Bangkok geht, muss der Text weiter komprimiert werden. 

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Während im Vordergrund an Formulierungen gefeilt wird, müssen im Hintergrund noch zahlreiche Fragen geklärt werden. "Ein neues Klimaabkommen braucht ambitionierte Reduktionsziele bis 2020", sagt UN-Klimasekretariatschef Yvo de Boer. Und zwar nicht ohne Grund: Der Weltklimarat spricht in seinem jüngsten Sachstandsbericht von einer notwendigen Treibhausgas-Reduktion von 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990, um die Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur auf zwei Grad zu beschränken.

Die von den Ländern bislang auf den Tisch gebrachten Zahlen ermöglichen nach Berechnung des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung jedoch gerade einmal eine Treibhausgas-Reduktion von rund 10 Prozent bis 2020. Am Montag hat sich auch Neuseeland mit einem Klimaziel von minus 10 bis 20 Prozent bis 2020 in diese Linie eingereiht. Für Umweltorganisationen wie Greenpeace ein Skandal: "Neuseeland unterminiert mit diesem schwachen Ansatz die Chancen auf ein erfolgreiches Ergebnis in Kopenhagen", sagt Greenpeace-Experte Martin Kaiser.

Zwischen Wunsch und Realität: Die Beschränkung auf zwei Grad ist so nicht machbar

Erst im Juli wurde die offizielle "Einigung" auf das zwei Grad Ziel alsgroßer Erfolg des G8-Gipfels und Major Economies Forums im italienischen L'Aquila gefeiert. Grundsätzlich begrüßenswert, sagt die Umweltstiftung WWF. Aber eben nicht genug: "Die gleichen Industrieländer, die den globalen Temperaturanstieg auf 2 Grad Celsius beschränken wollen, schlagen für das eigene Land Reduktionsziele für 2020 vor, die zu einer globalen Temperaturerhöhung um 3 bis 4 Grad Celsius führen könnten", sagt Kathrin Gutmann von der Global Climate Initiative des WWF. Nötig sei eine Reduktion von 40 Prozent bis 2020, gemessen am Niveau der Emissionen von 1990. Mindestens: Für die kleinen Inselstaaten des Pazifiks etwa könnte bereits eine Erwärmung um zwei Grad verheerende Folgen haben. 

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Die mehr als wichtige Frage der Finanzierung von Klimaschutz und Anpassung in den Entwicklungsländern bleibt ebenfalls ungeklärt - und wird aller Voraussicht nach auch in Bonn nicht wesentlich weiter kommen. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen fordern von den Industrieländern jährlich 140 Milliarden Dollar für die Entwicklungsländer zur Verfügung zu stellen. Die Industrieländer haben jedoch offenbar keine Eile Zahlen zu nennen. Auch wenn UN-Klimasekretariatschef de Boer immer wieder betont, die finanzielle Unterstützung sei ein "make or break" Argument. Er forderte erst kürzlich, dem Kopenhagen-Abkommen mit einer ersten Zahlung von 10 Milliarden Dollar und einem starken Signal in Sachen Finanzierung einen "Kickstart" zu geben. Erst für das Treffen der G20 am 24. und 25. September in Pittsburgh hat sich allerdings die Politik "Klarheit" über Finanzierungsfragen vorgenommen. Auch die Europäische Union hat ihre längst ausstehende Entscheidung über konkrete Zahlen auf Oktober vertagt. 

Für die UN-Verhandlungen heißt das: Frühestens auf dem letzten Klimagipfel vor Kopenhagen vom 2. bis 6. November in Barcelona werden wirklich verhandelbare Zahlen auf dem Tisch liegen. Schwellenländer wie Brasilien, Indien oder China, das mittlerweile die USA als weltgrößter Treibhausgas-Emittent überholt haben, haben bereits früh klar gemacht: Sie werden sich nur dann mit eigenen Verpflichtungen an einem Klimaabkommen beteiligen, wenn die Finanzierung für Klimaschutzmaßnahmen von den Hauptverursachern des Klimawandels getragen wird. Und die reichen Länder mit eigenen entsprechenden Reduktionszielen vorangehen.

Die Erwartungen an Bonn sind deshalb gering: "Es wäre bereits ein Fortschritt, wenn sie aus dem mittlerweile 200-Seiten langen Verhandlungstext, die unambitionierten Teile herausstreichen und einen gemeinsamen, starken Entwurf erarbeiten würden", sagt WWF-Expertin Guthmann. 

Bis Kopenhagen sind es noch genau 118 Tage.

 

(Fotos: Messina, Neumann-Cosel)

Einen Zeitplan zu den kommenden Monate auf dem Weg nach Kopenhagen finden Sie HIER

Mehr zu den vorangegangenen Klimakonferenzen in den Dossiers zu Bali (Dezember 2007), Posznan (Dezember 2008) und Bonn (Juni 2009)


 

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