Werbung

Votet jetzt!
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Klimaschutz als Ware

Die Wahlprogramme der Bundestagsparteien im Klimaretter-Check. Heute: Die FDP

fdp_programm.jpg

  VON SUSANNE GÖTZE

Die FDP ist stur: Als hätte es weder Finanz- noch Wirtschaftskrise gegeben, tragen die Liberalen ihr gelbes Wappen des grenzenlosen Wettbewerbs und der Allmacht des Marktes vor sich her. Sie sind bei jedem Fahnenappell dabei, wenn es nur dem Profit und dem Wettbewerb dient. Mittlerweile präsentiert sich deshalb auch die FDP als ambitionierter Klimaschützer. Legitimiert wird das neue gelb-grüne Image durch den Verweis auf die FDP-Steinzeit-Ikone Hans-Dietrich Genscher. Habe der Ex-Außenminister nicht schon Anfang der 90er Jahre am Stromeinspeisegesetz zur Förderung der Erneuerbaren mitgearbeitet? Fragt das aktuelle Wahlprogramm unüberhörbar stolz.

In dessen Inhaltsverzeichnis sucht man allerdings die Worte Klimaschutz oder Ökologie zunächst vergeblich. Fündig wird die geneigte Leserin dann unter dem Kapitel „Mehr Wohlstand und Lebensqualität durch Freiheit und Verantwortung“. Liberale Freiheit ist in erster Linie die Freiheit des Unternehmers und Aktienbesitzers. Der Staat soll nur einen dünnen Rahmen setzen und Anreize geben. Alles andere folgt nach (neo)liberaler Logik dann automatisch: vertretbare Preise, Innovation, Wohlstand für alle und letztlich auch der Umweltschutz, jawohl! Das Credo Adam Smith' von der unsichtbaren Hand, die den Markt regele, soll nach der FDP auch beim Klimaschutz den Durchbruch bringen.

Steuern runter! Und weg mit dem "Genehmigungsstau"!

Für die Energie- und Klimapolitik bedeutet dies zunächst: Steuern runter und so wenig ordnungspolitische Verpflichtungen wie möglich. Die größten Probleme sind laut FDP derzeit hohe Steuern und fehlender Wettbewerb, was eine „umweltfreundliche, sichere und bezahlbare“ Energieversorgung bis jetzt verhindert habe. Im Wahlprogramm bekennen sich die Liberalen zum „Industrie- und Energiestandort“ Deutschland und fordern „moderne und umweltschonende Investitionen“ ein – welche genau, das bleibt zunächst undurchsichtig. Dass damit aber nicht unbedingt Investitionen in eine konsequente ökologische Energiewende gemeint sind, wird klar, wenn es ein paar Zeilen weiter heißt, dass der „Genehmigungsstau“ bei Kraftwerken beseitigt werden müsse. Damit sind wohl in erster Linie die von den großen Versorgern geplanten Kohlekraftwerke gemeint, deren Bau in ganz Deutschland auf massiven Widerstand stößt. Die größte Angst der Liberalen ist dabei, dass - sollte nicht schnell genug in einen „modernen Kraftwerkspark“ investiert werden können - der Investor, das scheue Reh, ins Ausland weiterzieht.

fdp_westerwellemitte.jpgWelche Energiequellen angezapft werden, ist für die FDP erst einmal zweitrangig - wenn es nur einen Markt gibt, auf dem man diese handeln kann. Auch mit dem europäischen Nachbarn soll es einen schrankenlosen Wettbewerb im Strombereich geben: Künftig sollen wir also die Freiheit haben, auch billigen, hochsubventionierten Atomstrom aus Frankreich oder aus alten tschechischen Meilern zu beziehen – dem "freien Markt" sei dank.

Atomkraft hält die FDP ohnehin für eine gute Idee: Sie fordert in ihrem Programm eine Verlängerung der Laufzeiten für deutsche AKW. Natürlich nur für jene, die „sicher“ sind. Auch hier scheint es, als habe es einige Dinge einfach nicht gegeben - etwa die Unfälle im AKW Krümmel und hunderte andere Zwischenfälle auch nicht. Dafür, dass die Kraftwerksbetreiber auch noch weitere Jahrzehnte ihre satten Profite einstreichen können, müssen sie nach den Vorstellungen der FDP einen – vom Staat (!) - vorgegeben Obolus entrichten – zur Gründung einer „Deutsche Stiftung für Energieforschung“. In welche Richtung da geforscht werden soll, bleibt im Dunkeln. Und von wem, auch. Aber sicherlich werden Eon, RWE, Vattenfall und EnBW drauf achten, dass auch sie selbst satte Zuschüsse von der Stiftung bekommen.

Ganz ideologiefreie Ideologie

Die FDP bekennt sich auch zur Kohle – mit altbekannten Argumenten: Diese sei aus Gründen der "Versorgungssicherheit" und der „preisgünstigen Grundlastversorgung“ auf absehbare Zeit „erforderlich“. Einen Satz weiter wird allen Ernstes behauptet, dass neue Kohlekraftwerke den CO2-Ausstoß insgesamt gar nicht erhöhen könnten, weil es ja den EU-Emissionshandel gebe, der den CO2-Ausstoß deckelt. Hört, hört, die FDP outet sich als Fan des (staatlich!) gelenkten Emissionshandels.

Nur fragt sich die aufmerksame Leserin: Wenn es wirklich so unrentabel ist, Kohlendioxid in die Luft zu pusten, warum bestehen dann die Kraftwerksbetreiber darauf, neue Dreckschleudern zu bauen? Natürlich erhöht sich der CO2-Ausstoß, wenn es mehr Kohlekraftwerke gibt: Denn erstens weiß man heute nicht, wie sich der CO2-Preis in den nächsten Jahren entwickeln wird, wie hoch die Obergrenzen des erlaubten Ausstoßes sein werden und welche Ausnahmen sich noch ausgedacht werden, um die Kohle vor dem Aus zu bewahren. Zum Zweiten gibt es auch noch Mechanismen wie das CDM, dank derer man sich nach dem Prinzip des Ablasshandels billige CO2-Verschmutzungsrechte aus den Entwicklungsländern kaufen kann. Den CDM will die FDP übrigens – welch Wunder - „konsequent“ nutzbar machen.

fdp_pk_goldtimer_vs.jpgWas die Energiewende betrifft, legen die Liberalen Wert darauf, dass der künftige Energiemix „ideologiefrei“ ist. Im Klartext: keine unnötige Förderung der Erneuerbaren, sollen die sich doch ganz allein am Markt gegen die seit Jahrzehnten subventionierte Kohle- und Atomkraft durchsetzen. Nicht das sture Beharren auf veralteten und lebensgefährlichen Stromerzeugungstechnologien ist demnach "ideologisch", sondern der Einsatz für eine zukunftsfähige Energieversorung. 

Natürlich setzt sich die FDP für ein ambitioniertes Post-Kyoto-Abkommen ein, das im Dezember in Kopenhagen beschlossen werden soll – also zu einer Zeit, wo die Partei schon in einer Regierung mit der CDU an den Verhandlungstisch sitzen könnte. „Vorrangiges Ziel“ von Kyoto II ist aber nicht etwa das „zwei Grad-Ziel“ zu erreichen und die Erderwärmung zu bremsen, sondern ganz im liberalen Sinne ein Markt, der „globale Kohlenstoffmarkt“ nämlich.

Ob Störfälle in Atomkraftwerken, Klimawandel oder Finanzkrise: Die FDP macht Politik nach dem Motto „Augen zu und durch“. Mit dem Glauben an die heilsbringende Kraft des Markt marschiert sie mit neoliberalen Scheuklappen an allen katastrophalen Folgen für Mensch und Umwelt vorbei. Bis auf einige kosmetische Korrekturen scheint die Partei nichts dazugelernt zu haben.  Wenn das keine ideologische Verbohrtheit ist!

Lesen Sie auch die Analyse des SPD-Bundestagswahlprogrammes  

 

Abbildungen: FDP

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Guter Journalismus kostet

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Empfänger
Klimawissen e. V.
Kontonummer
1136852100
Bankleitzahl (BLZ)
430 609 67
 
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN
DE63 4306 0967 1136 8521 00
BIC
GENO DE M 1 GLS
 

Werbung

Werbung

Meinungen: Überraschung der Woche

Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Ich liebe es!

Einmal den Uli Hoeneß machen, auf jedes Umweltgewissen pfeifen und beim Burgerbrater um die Ecke so richtig die Ökosau rauslassen - wäre das nicht irgendwie herrlich? Nun ja ... Lesen Sie selbst!
Von Georg Etscheit
[mehr...]

mehr...

Jahrestag
Das Fukushima-Dossier

11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab.  [mehr]


Aktion des Monats

Europa ohne Atomkraft

Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr]

Zu Ihrem Vorteil

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende

Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende   Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

Klimaretter-Beichtstuhl

Erleichtern Sie sich!

Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...]

Werbung

Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet

Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Energie


RWE nimmt Offshore-Schiff in Betrieb

Die "Victoria Mathias" soll den Windpark "Nordsee Ost" 30 Kilometer vor Helgoland bauen [mehr...]
Protest


Anti-Kohle-Camp in Schottland

Britische Klimaschützer mobilisieren gegen den Kohlebergbau in Douglas Valley [mehr...]
Wirtschaft


Nabucco schrumpft

Statt wie ursprünglich geplant 3.300 Kilometer könnte die Erdgasleitung nur 1.300 Kilometer lang werden [mehr...]
Mobilität


Bahn will mehr Güter auf die Schiene holen

Vorstandsmitglied hält Anteil vom 20 Prozent am Transportmarkt für machbar, zur Zeit sind es 18 Prozent [mehr...]
Forschung


60 heißeste Jahre des Jahrtausends

Die letzten sechs Dekaden sind in der Region Australasien die wärmsten des vergangenen Jahrtausends gewesen, bilanzieren Wissenschaftler [mehr...]
Umwelt


Total: Gasleck ist jetzt dicht

Schon nach zwölf Stunden meldet der französische Konzern den Erfolg seiner Abdichtungsmaßnahmen in der Nordsee [mehr...]
Wohnen


150.000 neue Sonnenkollektoren

Solarwärme wird nun auf über 15 Millionen Quadratmetern in Deutschland gewonnen [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]
Standpunkte


"Wissen ohne Handeln"

Nach dem Bericht des Club of Rome: Michael Müller (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär a. D. und Mitherausgeber von klimaretter.info fordert in seinem Standpunkt 25 Milliarden Euro für ein Sofort-Programm der ökologischen Modernisierung. [mehr...]
Rezension


Die Radio-Aktivisten

Seit über 30 Jahren gab es in Japan keine solchen Demonstrationen: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat auch das politische Bewusstsein der Bevölkerung geändert. Der Dokumentarfilm "Radioactivists" versucht die neue Anti-AKW-Bewegung zu verstehen.
Eine Rezension von Felix Werdermann
[mehr...]
Kolumnen

nick3
930 Euro für Angela Merkel

Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Überraschung der Woche


Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]