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Rotorblätter gegen Kohlekraft

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 VON JÖRG ZEIPELT

„Das geplante Kohlekraftwerk und die von uns geplante Produktionsstätte für Windräder in Haren passen einfach nicht zusammen.“ Aloys Wobben, Chef von Enercon, hat diese Bombe bei einer Bürgerversammlung im Emsland in der vergangenen Woche platzen lassen. Anschließend hat er angekündigt, das geplante Rotorblattwerk nicht mehr bauen zu wollen, wenn das Kohlekraftwerk in Dörpen realisiert wird. Dieses Junktim, zwei völlig verschiedene Projekte voneinander abhängig zu machen, spaltet das Emsland mehr als je zuvor.

Während CDU-Lokalpolitiker Günter Wigbers findet, dass sich Wobben "unlauterer Mittel bedient, um die politische Meinungsbildung demokratisch legitimierter Gremien zu beeinflussen", freut sich die Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen, die schon seit zwei Jahren gegen das neue Kohlekraftwerk kämpft. Sprecher Jan Deters-Meissner findet diese Art von Erpressung legitim: "Wenn ein Unternehmen eine Standortentscheidung an finanzielle Unterstützung knüpft, dann ist das gesellschaftlich auch akzeptiert. Eine umweltpolitische Forderung zu stellen, ist im Vergleich dazu doch harmlos."

"Erneuerbare und Kohlekraft schließen sich aus."

"Der Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Bau von neuen Kohlekraftwerken schließen sich aus", sagt Rainer Baake von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). So sind Kohlekraftwerke in ihrer Stromproduktion schlecht an die unsteten Erneuerbaren Energien anpassbar. Diesen Fakt verknüpft Wobben jetzt mit einer einfachen politischen Entscheidung, die Baake auf diesen Punkt bringt: "Will die Gemeinde tausend zukunftssichere Arbeitsplätze oder will sie darauf verzichten?"

Im Gegensatz zu diesen tausend Arbeitsplätzen in der Windradfabrik, würde das Kohlekraftwerk in Dörpen nur maximal 100 Arbeitsplätze bieten. Die 20 Kilometer zwischen den beiden Städten seien als Arbeitsweg zu verkraften und schon heute arbeiten viele Dörpener in Haren, meint Deters-Meissner. Die Bevölkerung Dörpens ist sowieso gegen das geplante Kraftwerk, ist er überzeugt. Zumindest will die Mehrheit darüber abstimmen.

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Das weiß er, da mehr als die Hälfte der Dörpener Wahlberechtigten genau diesen Wunsch mit einer Unterschrift bestätigt haben. Der Gemeinderat will eine Bürgerbefragung zu dem Thema trotzdem nicht zulassen. Seit einer Woche hat sich ein Bündnis aus Umweltorganisation mit der Aktion "Fragt uns!" in den Streit eingeschaltet, um mit den Dörpenern für eine Bürgerbefragung zu kämpfen.

8.200 Einwendungen - Gemeinde verschiebt Beschluss zum Kohlekraftwerk

Ganz ohne die Bevölkerung zu fragen, wollte der Dörpener Gemeinderat nämlich ursprünglich am 11. August den Bebauungsplan für den Kraftwerksbau beschließen. Doch schon einen Tag vor dem aufsehenerregenden Auftritt Wobbens ruderte der Gemeinderat zurück. Der geplante Termin konnte dem stellvertretenden Gemeindedirektor Andreas Hövelmann zufolge nicht eingehalten werden, da die Einwendungen zum Kraftwerksbau in der kurzen Zeit nicht abgearbeitet werden konnten - 8.200 sind eingegangen. Und das bei nur knapp 5.000 Einwohnern in Dörpen. Ein neuer Termin wurde bisher nicht bekanntgegeben.

Mit dem Aufschub beim Bebauungsplan und dem Vorpreschen Wobbens haben die Kraftwerksgegner in der vergangenen Woche gleich zwei Schritte nach vorn in Richtung Kohlekraft-freies Dörpen getan. Doch hängen sie jetzt dank Enercon auch etwas in der Luft. Womöglich ist Wobben zu schnell vorgeprescht. Zumindest mag sich sein Unternehmen bis dato überhaupt nicht zu dem Thema äußern. Inge Stemmer von der Bürgerinitiative Saubere Energie Dörpen zeigt sich trotzdem zuversichtlich: "Wer Aloys Wobben kennt, weiß, dass der Mann zu seinem Wort steht." Die Bürgerinitiative hat die Verlautbarung Wobbens gleich genutzt, um aktiv zu werden und weitere Anhänger zu rekrutieren - seit Mittwochabend gibt es auch in Haren eine Ortsgruppe der Kraftwerksgegner.

(Foto: Enercon)

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