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Trickserei mit Klima-Zertifikaten

Europäische Firmen können mit Projekten in Entwicklungsländern ihre Kohlendioxid-Bilanz verbessern. Eine WWF-Studie belegt, dass da geschummelt wird.

Von Malte Kreutzfeld

Bisher entlässt "Djebel Chekir", die zentrale Mülldeponie von Tunis, große Mengen Methan in die Atmosphäre - ein Gas, das bei Gärungsprozessen entsteht und fürs Klima 23-mal schädlicher ist als dieselbe Menge Kohlendioxid. Doch damit soll bald Schluss sein: Künftig soll das Methan aufgefangen und verheizt werden. Die gesparten Klimagase, die 3,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid entsprechen, wird sich das Land von Unternehmen in den Industrieländern bezahlen lassen. Diese müssen dafür selbst weniger Kohlendioxid einsparen - zum Beispiel in ihren Kohlekraftwerken oder Hochöfen.

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Eigentlich ist dieses Prinzip, das unter dem sperrigen Namen Clean Development Mechanism (CDM) im Kyoto-Protokoll vereinbart wurde, eine sinnvolle Idee: Treibhausgase sollen auf diese Weise jeweils dort eingespart werden, wo es am kostengünstigsten möglich ist. An der  praktischen Umsetzung aber gibt es harsche Kritik. So zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie, die das Öko-Institut im Auftrag des WWF gemacht hat, dass eine wichtige Bedingung häufig nicht erfüllt wird: Um anerkannt zu werden, müssen CDM-Projekte "zusätzlich" sein. Tatsächlich seien laut der Studie aber rund 40 Prozent der Projekte und 20 Prozent der Kohlendioxid-Einsparungen auch ohne die CDM-Finanzierung passiert.

"Dies führt letztlich zu einer Steigerung der Emissionen, weil sich die Industriestaaten diese Maßnahmen als Kompensation anrechnen lassen und entsprechend mehr Treibhausgase emittieren", kritisiert WWF-Klimaexpertin Juliette de Grandpré. Darum fordert der WWF, die unabhängige Kontrolle der Projekte zu verschärfen. Noch weiter geht die Fraktion Die Linke im Bundestag: Sie fordert ein Moratorium für alle CDM-Projekte, bis der Missbrauch ausgeschlossen ist, indem Kriterien und Kontrollen verschärft werden.

Auf Kritik stößt zudem, dass die Industrieländer ihre eigenen Emissionen sogar steigern können, wenn sie sich über CDM genügend Emissionszertifikate kaufen. Solche Zertifikate brauchen die großen Unternehmen in der EU seit 2005 für jede Tonne Kohlendioxid, die sie an die Umwelt abgeben. Zwar ist die Menge der Zertifikate, die deutsche Firmen ab 2008 erhalten, auf Druck der EU-Kommission um etwa zehn Prozent gesenkt worden. Da jedes Unternehmen aber bis zu 22 Prozent zusätzliche Emissionszertifikate über CDM erwerben darf, kann der Gesamtausstoß in Deutschland steigen.

Zudem sind die Preise für CDM-Emissionszertifikate mit 7 bis 15 Euro pro Tonne Kohlendioxid deutlich niedriger. Hierzulande wird eine Emissionberechtigung für 2008 derzeit für 23 Euro an der Börse gehandelt. Wirtschaftsunternehmen in Industrieländern könnten sich also kostengünstig von eigenen Reduktionsverpflichtungen freikaufen - warnen Nichtregierungsorganisationen. Die Entwicklungsorganisation Germanwatch meint, CDM nicht dürfe nicht in vollem Umfang auf die Verpflichtungen der Industrieländer angerechnet werden, sondern nur im Verhältnis 2:1. Insgesamt sei das Instrument CDM aber sinnvoll, betont Germanwatch, denn es ermögliche den Tranfer von Technologie und erheblichen finanziellen Mitteln in Entwicklungs- und Schwellenländer. 2006 waren es rund 4,2 Milliarden Euro. Und ein Land wie Pakistan erhält inzwischen mehr Geld über CDM als über staatliche Entwicklungshilfe. 

Foto (Kühltürme eines RWE-Kohlekraftwerkes): WWF/Canon-Andrew Kerr

 

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