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Atomstromer wollen Lappland ans Uran

Aus Tervola HANNO BÖCK

Atomkraft wird von der Atomlobby oft fälschlicherweise als einheimische Energiequelle bezeichnet – ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Abbau von Uran, der Rohstoff für den Betrieb der Kernspaltung, bislang kaum im Fokus der öffentlichen Diskussion um die Atomenergie stand.

In Mitteleuropa findet derzeit kein Uranabbau statt, die letzte französische Uranmine wurde 2001 geschlossen. In der DDR fand Uranabbau im Erzgebirge und in der sächsischen Schweiz statt – die Renaturierung der Gebiete dauert bis heute an und es existiert nach wie vor eine Ausnahmeregelung in der deutschen Strahlenschutzverordnung für die Restaurierungsarbeiten – die normalen Strahlenschutzvorschriften wären dort nicht einhaltbar.

Auch im Westen Deutschlands, vor allem im Schwarzwald, existieren abbaubare Uranvorkommen. Jedoch kam es dort nie zu einer Förderung in großem Maßstab. Heute kommt Uran für europäische Atomkraftwerke vor allem aus Kanada, Australien und Niger.

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Protestplakat der lokalen Bewegung gegen Uranabbau. (Foto: uraanivoima.com)

Spätestens seit dem Bau von Olkulioto 3, dem ersten neuen Atomkraftwerk in Europa seit Jahrzehnten, gilt Finnland als sehr atomenergiefreundlich und weckt nun das Interesse von Investoren für die dortigen Uranvorkommen. Dabei gibt es auffällige Parallelen zu anderen Uranabbauprojekten in der Welt – sie sollen vor allem auf dem Gebiet indigener Einwohner, in diesem Fall der Sami, stattfinden.

Die meisten Projekte im dichter besiedelten und reicheren finnischen Süden wurden inzwischen aufgegeben, übrig bleiben Pläne für Uranabbau in Lappland. Die französische Firma Areva, weltweit führender Betreiber von Atomanlagen, führte inzwischen erste Probebohrungen durch. In der lokalen Bevölkerung regt sich bereits erster Widerstand.

Auch Nachbarland Schweden ist, nach der Ankündigung der Regierung wieder neue Atomkraftwerke bauen zu wollen, Ziel der Uranindustrie. Dort ist der Protest jedoch deutlich massiver: Im Dorf Nianfors wurden Probebohrungen der Firma Drillcom durch Blockaden der Bevölkerung gestoppt.

Um auf die Rolle Lapplands für die Zukunft der Atomenergie hinzuweisen, findet im Moment das Nuclear Climate Camp statt. Knapp hundert Menschen, darunter viele internationale Gäste, treffen sich in Tervola, einer der vom Uranabbau bedrohten Regionen.

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Protest vor dem Rathaus von Simo. (Foto: Hanno Böck)

Neben dem Uranabbau plant das Firmenkonsortium Fennovoima in Lappland auch den Bau eines weiteren Atomkraftwerks. Der deutsche Energieversorger E.on ist mit 34 Prozent an Fennovoima beteiligt. Vor allem die lokale Fischerei fühlt sich durch das Kraftwerk bedroht – die Region ist reich an Lachsbeständen, deren Populationen durch die Kühlwasserentnahme gefährdet wären.

Die Rückkehr des Uranabbau nach Europa zeigt deutlich, dass auch Atomkraftwerke einen Brennstoff benötigen, der endlich ist. Die weltweiten Uranreserven werden knapper und es lohnt sich zunehmend, neue Uranminen zu erschließen. Neben den schwedischen und finnischen Plänen ist auch der Schweizer Kanton Wallis Ziel der Uranindustrie.

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Nuclear Climate Camp in Tervola. (Foto: Hanno Böck)

Uranabbau ist der schmutzige Teil der Atomindustrie: Bei dem Abbau einer Tonne Uran entstehen mehrere Tausend Tonnen strahlender Abraum. Dieser wird üblicherweise oberirdisch gelagert und führt für lange Zeit zu radioaktiven Belastungen.

Natururan ist nur zu einem Bruchteil für Atomkraftwerke nutzbar, in Urananreicherungsanlagen-  wie beispielsweise in Gronau an der deutsch-holländischen Grenze - wird das spaltbare vom nicht spaltbaren Uran getrennt. Sogenanntes abgereichertes Uran findet als Abfallprodukt zum Teil militärische Anwendung. Das übrige nicht nutzbare Uran trägt zum weltweit ungelösten Atommüllproblem bei.

Atomenergie sollte treffender Uranenergie heißen. Und auch die Folgen der Urangewinnung sollten präsent sein, wenn Atomkraftwerke mal wieder als Lösungsvorschlag in der Klimadebatte auftauchen.

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