Heiße Luft hebelt Emissionshandel aus
Durch eine politische Fehlsteuerung droht der EU-Emissionshandel wirkungslos zu bleiben, warnt die britische Umweltorganisation Sandbag. In der gegenwärtigen Handelsphase, so das Ergebnis einer am Montag in Brüssel vorgestellten Untersuchung, seien viel mehr Verschmutzungszertifikate an die Industrie ausgeteilt worden, als sie tatsächlich benötigt. Eine wesentliche Ursache dafür sei die Wirtschaftskrise, wegen der in vielen Betrieben die Produktion gedrosselt worden sei, weshalb auch weniger Treibhausgase anfallen als ursprünglich projiziert. Diese überschüssigen CO2-Zertifikate bezeichnet Sandbag als "heiße Luft", die das ganze System unbrauchbar zu machen drohten.

Das Flaggschif der Europäischen Union gibt sich zu großzügig, warnt die Organisation Sandbag und funkt S.O.S. (Foto: http://sandbag.org.uk)
Etwa 50 Prozent des emittierten Kohlendioxids Europas werden derzeit durch den Emissionhandel abgedeckt, der sich auf die großen Industriesektoren wie Stromerzeugung, Stahl- oder Zementindustrie erstreckt. Sandbag hat den Handel mit den Verschmutzungsrechten unter die Lupe genommen. Und kommt unter dem Titel "ETS S.O.S" zu dem Schluss, dass die Kalkulationen für die Vergabe der Zertifikate in der 2008 begonnen zweiten Phase des Handelssystems mehr als großzügig gewesen sind.
Bis 2012 gibt es demnach einen Überschüss von Zertifikaten über 400 Millionen Tonnen Kohlendioxid. Weil die nicht verbrauchten Zertifikate auch in der nächsten Phase des Emissionshandels geltend gemacht werden können, können sich Kohlendioxid-Verschmutzer aber auch in der dritten Handelsperiode nach 2012 noch verhältnismäßig bequem zurücklehnen. Das Recht zur Verschmutzung bleibe im Überfluss zu billig, warnt Sandbag. Für die Emittenten gibt es keinen Anreiz zur Einsparung von Kohlendioxid. Die Organisation appelliert an die Firmen, die nicht benötigten Zertifkate (im Werte von Hunderten Millionen Euro) freiwillig zurückzugeben
Das Scheitern des Europäischen Flaggschiffs Emissionshandel könnte sich außerdem negativ auf die UN-Verhandlungen um ein neues Klimaabkommen auswirken, das im Dezember in Kopenhagen beschlossen werden soll, so die Umweltschützer. Die Einführung des Handels mit Emissionszertifikaten wird derzeit etwa auch in den USA, Kanada oder Australien diskutiert. Sandbag fordert, aus dem Überfluss an Zertikaten Konsequenzen zu ziehen, und den Einsatz zu erhöhen: Durch das Anziehen der Kohlendioxid-Obergrenzen und ambitioniertere Klimaziele.
Die Studie "ETS S.O.S: Why the flagship EU Emissions Trading Policy needs rescuing" finden Sie HIER
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