Die Stromlücke ist nirgendwo in Sicht
Ohne eine Laufzeit- Verlängerung der deutschen Atomkraftwerke würden die Strompreise deutlich steigen - argumentieren die Atomstromfans. Und es wir eine Stromlücke geben. Das dies nicht stimmt illustrierte jetzt der neuerliche Ausfall des Vattenfall-Reaktors Krümmel: die Strombörse reagierte äußerst gelassen.
Aus Freiburg Bernward Janzing
Das ist er, der Pannenreaktor Krümmel (Foto: Vattenfall)
74 Prozent der Bundesbürger glauben nicht, dass die Strompreise durch eine Laufzeitverlängerung deutscher Atomkraftwerke sinken würden. Dies ergab eine Umfrage von TNS Emnid im Auftrag von Greenpeace. Nur 22 Prozent der 1.000 Befragten denken, dass längere Laufzeiten zu günstigeren Strompreisen führen. Das ist ein ungewöhnliches Ergebnis, begründet doch die Union ihre Verlängerungspläne eben mit diesem Argument - Laufzeitverlängerungen führen zu günstigeren Strompreisen. Wer also hat Recht?
Die Strommärkte zeigen sich vom Ausfall des Atomkraftwerks Krümmel ungerührt. Während der jüngste Störfall die Politik noch immer durcheinander wirbelt, haben die Preise an der Leipziger Strombörse EEX auf das Ereignis nicht erkennbar reagiert. Die Terminkontrakte für das laufende und auch das kommende Jahr zeigten sich nach dem Störfall ohne eindeutige Tendenz. Stromlieferungen für das kommende Quartal wurden am ersten Handelstag nach dem Ereignis sogar noch einen Hauch billiger gehandelt als vor dem Störfall.
So belegt derzeit die Börse, dass die Marktteilnehmer keine Verknappung an Strom erwarten, obwohl in Krümmel eine Kraftwerksleistung von mehr als 1300 Megawatt bis weit ins Jahr 2010 hinein ausfallen wird. Das ist umso beachtlicher, als derzeit auch noch eine ganze Reihe weiterer Atommeiler still steht: Biblis A und Biblis B sind ebenso in Revision wie Gundremmingen B und Philippsburg 2. Von 6300 Megawatt installierter Atomkraft waren beim RWE nach dem Störfall nur 2450 verfügbar - das sind gerade 39 Prozent.

Bundesweit ist die Produktion aller Atomkraftwerke nach dem Ausfall in Krümmel zeitweise auf 11.500 Megawatt gesunken, das entspricht gerade 56 Prozent der installierten Leistung. Dennoch war Strom zu keinem Zeitpunkt knapp, eine Stromlücke an den Marktdaten nicht erkennbar: Der Strompreis am Spotmarkt der EEX lag in den letzten Wochen stets zwischen 30 und 50 Euro je Megawattstunde und damit sogar etwas niedriger als im Mittel der letzten beiden Jahre.
Bereits im ersten Quartal 2009 war die Stromerzeugung der deutschen Atomkraftwerke gegenüber dem Vorjahr nach Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen um 7,4 Prozent gesunken . Auch im weiteren Verlauf des Jahres 2009 liegt der Atomstrom deutlich unter dem Vorjahreswert. So deutet sich bereits jetzt an, dass der Anteil der Nuklearenergie am deutschen Strommix im Jahr 2009 auf ein Rekordtief fallen wird. In den letzten beiden Jahren hatte die Atomkraft im Mittel noch zwischen 22 und 23 Prozent des Strombedarfs gedeckt, in diesem Jahr dürfte der Anteil nur noch knapp über 20 Prozent liegen und damit den niedrigsten Wert seit den achtziger Jahren erreichen. Vor zehn Jahren hatte der Atomstromanteil noch bei fast 31 Prozent gelegen.
Die Gründe der sinkenden Stromerzeugung der Reaktoren sind vielfältig. Zum einen verdrängen immer mehr erneuerbare Energien die Atomkraft, zum anderen aber - siehe Krümmel - steigen die Ausfallzeiten der alten Reaktoren.
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