Serie: Das Paradies bittet um politisches Asyl
Rund ein Zehntel der Weltbevölkerung lebt in Küstennähe und weniger als zehn Meter oberhalb des Meeresspiegels. Satellitenmessungen zeigen, dass der Pegel im globalen Durchschnitt derzeit pro Jahr um 3,1 Millimeter klettert. „Der Meeresspiegel steigt schneller als erwartet, und der Anstieg hat sich beschleunigt", warnt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. In einer Serie erkundet das Nachrichtenmagazin wir-klimaretter.de, welche Strategien es dagegen gibt. Heute Teil 4: Inselstaaten im Pazifik
VON NICK REIMER
Im Pazifik gibt es einen bizarren Wettstreit: Es geht darum, wer zuerst als Klimaflüchtling anerkannt wird. Zuerst hatte die Staatsführung von Tuvalu vorm Untergang ihres Landes gewarnt und Australien und Neuseeland um politisches Asyl für seine Bewohner ersucht. Dann richtete das Nachbarland Kiribati einen dramatischen Appell an die beiden größten Pazifikstaaten. „Der Point-of-no-return bei den negativen Folgen der Treibhausgasemissionen ist erreicht", erklärte der kiribatische Präsident Anote Tong: Australien und Neuseeland sollten schon heute seinen 94.000 Landsleuten den Status als Klimaflüchtlinge zuerkennen.
Die Landfläche des aus 33 Atollen in drei Inselgruppen bestehenden Kiribatis, beträgt 800 Quadratkilometer - allerdings verteilt auf mehr als fünf Millionen Quadratkilometer Ozeanfläche. Mit Ausnahme der Insel Banaba, dem ehemaligen Ocean Island, die sich 70 Meter aus dem Ozean erhebt, ragen die anderen Inseln nur maximal drei bis vier Meter aus dem Meer.
"Die Klimaveränderung ist nicht Frage der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern eine Frage des menschlichen Überlebens", so Tong, der an der London School of Economics studiert hat. Und würde den Kiribatern der Status schon heute zuerkannt, könnten sie selbst bestimmem, wann sie die Heimat verlassen. Ihnen stünden dann Aufenthaltsrecht und Arbeitserlaubnis zu. Australien und Neuseeland aber sperren sich, weil sie keinen Präzidenzfall wollen.
Im vergangenen Herbst dann meldeten sich die Salomonen-Inseln. Wegen des steigenden Wasserpegels würden die ersten 30 Familien umgesiedelt, aus der Provinz Malaita ins Nachbarland Papua-Neuguinea, wie der staatliche Rundfunk des Inselstaates berichtete. Und auch von der Carteret-Inselgruppe, aus den Staaten Samoa und Vanuatu wurden erste Umsiedlungsprogramme gemeldet. Scheint so, als ob es sich doch um keinen Wettstreit handelt, sondern um die blanke Not.
(Foto: Brot für die Welt, Reimer)
Bisher erschienen:
Teil 1: Die Malediven - Ein Land plant den Umzug
Teil 2: Singapur verpflichtet holländische Deichbauer
Teil 3: Bangladesch - Überleben im Hochbunker
Teil 4: Pazifik - Das Paradies bittet um Asyl
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