Startschuss für die Desertec Industrial Initiative
Die Vision ist gewaltig: Innerhalb von Stunden könnte durch die Kraft der Wüstensonne mehr Energie erzeugt werden, als die ganze Welt innerhalb eines Jahres verbraucht. Bereits 2020 soll Strom aus solarthermischen Kraftwerken in Nordafrika auch nach Deutschland fließen. Theoretisch jedenfalls: Am Montag haben in München 12 Unternehmen ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnet und die Desertec Industrial Initiative (DII) auf den Weg gebracht.
Neben der Desertec Foundation und Initiator Münchener Rück sind auch die Deutsche Bank, HSH Nordbank, ABB, Siemens, die Solarunternehmen Schott Solar, Solar Millennium und Abengoa Solar (Spanien), CeVital (Algerien), M+W Zander und die Stromkonzerne Eon und Rwe beteiligt. "Es wird angestrebt, einen Anteil von rund 15 Prozent des Strombedarfs von Europa und einen erheblichen Anteil des Strombedarfs für die Erzeugerländer zu produzieren", heißt es in einer Mitteilung.
Das Desertec-Konzept geht auf die Trans-European Energy Cooperation (TREC), einer Initiative von Wissenschaftlern, Politikern und Experten zurück und sieht vor, in Wüstenregionen des Nahen Ostens und Nordafrikas (Mena-Region) solarthermische Kraftwerke zu bauen. Die sollen zum einen vor Ort Energie liefern und und im Zuge dessen etwa auch zur Trinkwassergewinnung durch Meerwasserentsalzung beitragen. Zum anderen sollen Überschüsse über nahezu verlustfreie moderne Stromnetze bis nach Europa transportiert werden. Die Technologie für die Vision des Wüstenstroms ist bereits erprobt: Solarthermische Kraftwerke arbeiten zum Beispiel bereits im spanischen Andalusien.
Das Projekt ist nicht unumstritten: Wo die einen immense Chancen sehen, warnen andere vor Energieabhängigkeit, Ökokolonialismus und einer Absage an den Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland. Zudem sind die Kosten für das Desertec-Projekt immens: Nach Medienberichten wird mit etwa 400 Milliarden Euro gerechnet. Die Desertec Industrial Initiative hält sich mit konkreten Zahlen und konkreten Zielen dagegen noch zurück.
Über die nötigen Investitionen wird in absehbarer Zeit aber ohnehin allenfalls geredet: Im Oktober soll die Planungsgesellschaft Desertec Industrial Initiative offiziell gegründet werden und zunächst über einen Jahresetat von 1,8 Millionen Euro verfügen. Drei Jahre wollen sich die Konzerne Zeit nehmen, um das Desertec-Konzept zu durchleuchten. Am Ende sollen technische Fragen genauso geklärt sein wie außenpolitische und regulatorische Aspekte. Dann erst will die Initative einen detaillierten Investitionsplan vorlegen.
Die Umweltorganisation Greenpeace sieht in den Entwicklungen rund um das Projekt Wüstenstrom zwar einen Meilenstein, fordert aber auch von den beteiligten Unternehmen, das Projekt mit Entschlossenheit voranzubringen. Und zwar nicht als Ersatz für den Ausbau dezentraler Windkraft- und Photovoltaikkapazitäten in Deutschland, sondern als Alternative zu umweltschädlichem Atom- und Kohlestrom. "Die Vision vom Sonnenstrom aus den Wüsten darf nicht als grünes Feigenblatt verkommen", sagt Greenpeace Energieexperte Andree Böhling.
Das Memorandum of Understanding können Sie HIER nachlesen
Mehr zum Thema:
Ein Viertel des weltweiten Strombedarfs könnte künftig aus solarthermischen Kraftwerken gedeckt werden: Mehr zur Greenpeace-Studie zum Potential des Desertec-Projekts HIER
Und mehr zum Jobmotor Wüstenstrom und einer Studie des Club of Rome und Greenpeace finden Sie HIER
Das Projekt wird unter anderem auch unterstützt von Staatsminister Günter Gloser: wir-klimaretter.de sprach bereits im Februar mit ihm über Solarstrom aus der Sahara für Deutschland
Lesen Sie zum Thema auch Standpunkte von
- Angelika Claußen von der atomkritischen Organisation IPPNW: "400 Milliarden Euro werden in den Sand gesetzt "
- Michael Straub von der Desertec Foundation: "Wüstenstrom + Dezentrale = Ideale Ergänzung"
- Hermann Scheer, SPD-Energiepolitiker, Träger des Alternativen Nobelpreises und Eurosolar-Präsiden: "Die Argumentation ist eine Potentiallüge "
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