Verdeckte PR-Arbeit für Agrosprit
Pressemitteilungen, öffentliche Veranstaltungen, Websites: All dies gehört zu professioneller Öffentlichkeits-Arbeit. Wenn das aber nicht als Werbung gekennzeichnet ist, gibt's Probleme. Jetzt hat es den Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VBD) getroffen - die Initiative LobbyControl enthüllte, wie zuvor schon bei der Deutschen Bahn, verdeckte PR-Aktivitäten.
Die Nutzung von Kraftstoffen, die aus Biomasse gewonnen werden, ist in den vergangenen Jahren bei Umweltschützern und Entwicklungsorganisationen in die Kritik geraten: Die Pflanzen könnten nicht mehr zur Nahrungsmittelproduktion verwendet werden - das weltweite Hungerproblem könnte verschärft werden. Außerdem werde häufig die positive Wirkung auf das Klima überschätzt. Die Vorwürfe führten auch zu heftigen Debatten in der Politik, beispielsweise wurde vor kurzem vom Bundestag die so genannte Beimischungsquote gesenkt.
Offenbar haben sich die Branchenlobbyisten auch mit unlauteren Mitteln dagegen zu wehren versucht. Der Dachverband VBD bestätigte, er habe von Anfang bis Mitte des letzten Jahres die Agentur Eppa für Öffentlichkeitsarbeit bezahlt. Vorher hatte die Initiative LobbyControl zweifelhafte Methoden der Einflussnahme auf die Öffentlichkeit aufgedeckt.
Bezahlte Leserbriefe
Laut LobbyControl war neben Eppa auch die "Denkfabrik" Berlinpolis an der Kampagne beteiligt. Mitarbeiter dieses Thinktanks hätten Leserbriefe geschrieben, ohne dabei auf ihre Tätigkeit bei Berlinpolis hinzuweisen. Zeitungen wie Welt, JungeWelt, Märkische Allgemeine Zeitung und tageszeitung hätten die Zuschriften abgedruckt. Auch in den Internetausgaben von Frankfurter Rundschau und Frankfurter Allgemeiner Zeitung waren die Beiträge der PR-Leute laut LobbyControl zu lesen. Außerdem soll die Internetseite www.zukunftmobil.de für PR-Beiträge genutzt worden sein, die nicht als solche zu erkennen waren. Die Seite wurde inzwischen aus dem Netz genommen.

Bei dieser Carrerabahn kann man mit Biospirt tanken - solche Bilder gehören auch zur Öffentlichkeitsarbeit des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie VDB. (Foto: VDB)
Einen ähnlichen Skandal hatte es vor kurzem um die Deutsche Bahn gegeben, die ebenfalls verdeckte PR-Arbeit über Eppa und Berlinpolis finanziert hat. Der deutsche PR-Rat, die Selbstkontrolle der PR-Branche, hat die Werbekampagne für die Bahn vor kurzem öffentlich gerügt. Für LobbyControl sind deutliche Parallelen erkennbar: "Wie im Fall der Bahn wurde hier mit den gleichen Methoden versucht, Öffentlichkeit und Politik dadurch zu beeinflussen, dass vermeintlich unabhängige Dritte im Sinne der Biosprit-Industrie in die öffentliche Debatte eingriffen. Diese Manipulation von Politik und Öffentlichkeit ist absolut inakzeptabel", sagt Heidi Klein von LobbyControl.
Auch der Biosprit-Verband VDB war offenbar nicht ganz einverstanden mit den Methoden der PR-Agentur: Mitte 2008 wurde der Vertrag mit Eppa vorzeitig gekündigt. Gegenüber LobbyControl hat VBD-Präsident Claus Sauter jedoch erklärt, er habe von der verdeckten Einflussnahme nichts gewusst.
Gekennzeichnete Werbung macht der Verband weiterhin, zum Beispiel bei wir-klimaretter.de.
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