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AKW Krümmel schon wieder vom Netz

Selbst die CDU geht langsam auf Distanz. Die Wiederinbetriebnahme des Atomkraftwerks Krümmel sei "keine Meisterleistung", gab der energiepolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Kiel, Manfred Ritzek, zu Protokoll. Zwei Jahre lang stand der Skandalreaktor nach dem verheerenden Trafobrand 2007 still. Am 19. Juni gab Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) grünes Licht für seine Wiederinbetriebnahme. Man habe "mit größter Sorgfalt und umfassend die Beseitigung der Mängel überwacht" und dabei "strengste Maßstäbe" angelegt, begründete sie. Zweieinhalb Wochen und drei Störfälle später liegt der Reaktor bis auf Weiteres wieder still.

Das Atomkraftwerk Krümmel vor den Toren Hamburgs zählt zu den pannenanfälligsten im Land. Über 300 meldepflichtige Ereignisse verzeichneten die Behörden – im Schnitt jeden Monat eines. In der Statistik liegt Krümmel damit ganz vorne, in einer Liga mit Uraltreaktoren wie Biblis und Brunsbüttel. Experten verwundert das nicht: Krümmel, obwohl erst Ende 1983 ans Netz gegangen, gehört zur AKW-Baulinie "69", dem ältesten Reaktortyp in Deutschland.

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Der Brand 2007 gibt noch viele Rätsel auf - und Atomkraftgegnern wie Greenpeace gute Argumente. (Foto: Greenpeace)

Nach dem mysteriösen Störfall 2007 hatte das AKW bis Ende Juni 2009 still gestanden. Dann erteilte das schleswig-holsteinische Sozialministeriumdie Zustimmung zum Wiederanfahren - bis zum vollen Leistungbetrieb vergingen mehrere Tage vergehen. Als der erreicht war, ging das AKW wegen Problemen mit der Turbine für einige Zeit vom Netz. Danach läuft das Kraftwerk nur mit halber Kraft. Weitere technische Probleme werden bekannt. Am Samstag den 4. Juli schaltet sich Krümmel schließlich per Schnellabschaltung selbst vom Netz ab - wegen einer Störung in einem der beiden Maschinentransformatoren.

"Wir bedauern außerordentlich, dass es durch den Vorfall erneut zu einer Verunsicherung der Öffentlichkeit gekommen ist", sagte Ernst Michael Züfle, Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH. "Außerdem entschuldige ich mich ausdrücklich für den Fehler in der Erstkommunikation, durch den die Aufsichtsbehörde ihre erste Information nicht durch uns erhalten hat. Wir werden alle Anstrengungen unternehmen, um einen solchen Fehler künftig auszuschließen."

Züfle räumte Versäumnisse im Informationsfluss ein. So war die erste Information über die Reaktorschnellabschaltung nicht durch Vattenfall an die atomrechtliche Aufsichtsbehörde in Kiel gegangen, sondern auf dem Weg über eine andere Behörde. "Die Objektsicherung des Kraftwerks hat die Landespolizei in Geesthacht informiert, und die Polizei hat die Information an das Innenministerium weitergegeben", sagte Züfle. Von dort sei die erste Information des Sozialministeriums erfolgt. Züfle: "Ich sage ganz deutlich, dass dies völlig inakzeptabel ist. Unser Anspruch ist, die Behörde über alle wichtigen Ereignisse in unseren Kraftwerken als Erste zu informieren. Diesem Anspruch sind wir nicht gerecht geworden. Ich möchte mich darum ausdrücklich für diese verzögerte Erstinformation entschuldigen. So etwas darf nicht wieder vorkommen." Züfles Vorgänger Bruno Tomauske musste wegen seiner "Mauertaktik" nach den Vorgängen 2007 seinen Hut nehmen.

Armin Simon, Bremen

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