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Atomforum: Geburtstagsfeier unter Protesten

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VON FELIX WERDERMANN (TEXT UND FOTOS)

Ein 50. Geburtstag kann zu heftigen Auseinandersetzungen führen - zumindest, wenn das Deutsche Atomforum feiert. Für Mittwoch abend lädt der Lobby-Verband der deutschen Atomwirtschaft ins Berliner "E-Werk". Doch Atomkraftgegner lassen nicht lange auf sich warten.

Im Atomforum sind Unternehmen, Forschungsinstitutionen und Einzelpersonen zusammengeschlossen, um Werbung für die umstrittene Energieform zu machen. Umweltschützer stören sich schon lange an der einseitigen Darstellung und der dreisten Grünfärberei der Atomlobby.

Jetzt gehen die Atomkraftgegner auf die Straße: Für den Abend ist eine Kundgebung mit mehreren hundert Leute geplant - direkt vor dem E-Werk, der "exklusiven Event Location", in der das Atomforum feiern möchte. Unter den 170 Gästen ist auch Bundeskanzlerin Merkel (CDU), die ein Grußwort halten wird.

Bei Umweltschützern stößt das auf harsche Kritik: "Wenn Frau Merkel mit dem Atomforum feiert, verhöhnt sie die gesundheitlichen Schäden und die tödlichen Risiken, die durch Atomkraft entstehen", sagte Tobias Münchmeyer, Atom-Experte von Greenpeace. Die Umweltorganisation Robin Wood verweist in einer Pressemitteilung darauf, dass Merkel Merkel "der Atomlobby über viele Jahre bei der Durchsetzung ihrer Interessen" geholfen habe. Energie-Experte Dirk Seifert sagte, Merkel zeige sich "immer mehr als Lobby-Vertreterin".

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Der Atomlobbyist zerstört die Solaranlagen - auf der Campact-Aktion

Schon am Mittwoch vormittag haben Atomkraftgegner dem Deutschen Atomforum einen Hausbesuch abgestattet. Vor der Geschäftsstelle zerstörten sie Solarzellen - jedoch als übergröße Atomlobbyisten-Puppe verkleidet. Die Botschaft: Wenn sich die Atomlobbyisten mit ihrer Forderung nach längeren AKW-Laufzeiten durchsetzen, wird damit der Ausbau der erneuerbaren Energien gebremst.

In die gleiche Richtung zielt auch der Appell "Die Zukunft ist erneuerbar!", der im Anschluss an die Aktion vom Online-Netzwerk Campact, der Deutschen Umwelthilfe (DUH) und dem Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) vorgestellt wurde. Darin heißt es: "Bleiben die Atomreaktoren am Netz und werden Kohlekraft und Erneuerbare gleichzeitig ausgebaut, entsteht ein Überangebot auf dem Strommarkt. Dann werden die Energiekonzerne den weiteren Zubau Erneuerbarer Kapazitäten blockieren wo es nur geht". 

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Campact-Aktivisten protestieren vor der Zentrale des Deutschen Atomforums

Der Aufruf  soll von Beschäftigten und Unternehmern der Erneuerbaren-Branche unterzeichnet werden und kurz vor der Bundestagswahl in mehreren Zeitungen erscheinen. Zu den Erstunterzeichnern gehört auch Alfred Ritter, der seine Ritter-Schokolade mit Ökostrom herstellt.

Potentielle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner gibt es genug: Über 280.000 Menschen arbeiteten bereits in der Branche der umweltfreundlichen Energien, über 220.000 neue Arbeitsplätze könnten in den kommenden zehn Jahren geschaffen werden, heißt es in dem Appell.  Rainer Baake, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, sagte bei der Vorstellung, er befürchte, dass "der Jobmotor der erneuerbaren Energien" durch das Festhalten an der Atomenergie "abgewürgt" werde.

Erst vor kurzem hatte eine Studie im Auftrag des Bundesumweltministeriums gezeigt, dass eine AKW-Laufzeitverlängerung die regenerative Stromerzeugung bremsen würde. "Ich glaube, dass die politischen Parteien sich dieses Konfliktes erstmal bewusst werden müssen", sagte Baake.

campact-aktion4-fw.jpgDass Atomkraft und Erneuerbare nicht zusammenpassen, davon will man beim Deutschen Atomforum nichts wissen. Zum 50. Gründungsjubiläum seiner Organisation ließ der Präsident Walter Hohlefelder verlauten: "Angesichts des Klimawandels kann auf keinen CO2-freien Energieträger verzichtet werden. Wir brauchen beide: Erneuerbare und Kernenergie."

Ungewohnt scharfe Kritik an der Lobby-Organisation kam hingegen vom Bundesumweltnisiter. 50 Jahre Atomforum, das bedeute "ein halbes Jahrhundert Lug und Trug", sagte Sigmar Gabriel (SPD). "Die Propagandazentrale der Atomkonzerne steht wie kaum eine andere Institution für das bewusste Verschweigen, Verdrängen und Verharmlosen der Gefahren, die mit der kommerziellen Nutzung der Atomenergie verbunden sind." Sie habe "keinen Propagandatrick und erst recht keine Kosten gescheut, den Deutschen die Atomkraft schmackhaft zu machen" und sei damit gescheitert. Nun gehöre sie "auf den Misthaufen der Geschichte".

Die Umweltorganisation Greenpeace hat zum 50. Geburtstag des Atomforums die Pannen deutscher Atomanlagen in all diesen Jahren zusammengestellt. Ergebnis: 5.700 so genannte meldepflichtige Ereignisse. Für Greenpeace-Mann Tobias Münchmeyer ist klar: "Jede dieser 5.700 Pannen hätte zu einer Atom-Katastrophe führen können."

Damit das nicht passiert, fordert Greenpeace das sofortige Abschalten der sieben ältesten Reaktoren, die anderen sollen bis 2015 folgen. Nach der Bundestagswahl sind jedoch eher längere Laufzeiten zu befürchten. Die Anti-AKW-Bewegung führt deswegen auch Wahlkampf: In den nächsten Tagen sind Blockaden und Kundgebungen an den AKW-Standorten Krümmel und Neckarwestheim geplant. Am Wochenende startet die Deutschland-Tour der Bürgerinitiative Lüchow-Danneberg und in einer Woche fängt die Floß-Tour von Robin Wood an, auf der für den Atomausstieg geworben werden soll. Höhepunkt der Mobilisierung soll eine Großdemo am 5. September in Berlin sein.

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