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In Berlin: Alte gegen neue Energiewirtschaft

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AUS BERLIN Nick Reimer

Die deutsche Energiewirtschaft hat zu einem neuen Energiebündnis von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft aufgerufen. "Die Energiebranche bekennt sich zu einer klimafreundlichen, sicheren und bezahlbaren Energieversorgung", sagte Hildegard Müller, Vorsitzende des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Um das einzuordnen: Gemeint ist die alte Energiebranche, also jene von RWE, Eon und Co., die aus dem fossilen Zeitalter kommt. Die Energiewirtschaft strebe eine Kohlendioxid-neutrale Stromerzeugung bis zum Jahr 2050 an, so Müller.  "Voraussetzung dafür ist aber, dass es stabile politische Rahmenbedingungen gibt."

In Berlin tagt am heutigen Mittwoch und am Donnerstag ein BDEW-Kongress, zu dem 1.400 Gästen erwartet werden - unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel und der Präsident der EU-Kommission José Manuel Barroso. "Wir müssen ohne ideologische Scheuklappen über die Energiepolitik der Zukunft reden", so Hildegard Müller, die einst im Kanzleramt als rechte Hand Angela Merkels die Fäden als Staatsministerin zusammen hielt.

Gern, werden Vertreter des Bundesverbands Erneuerbare Energie, der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der Verbraucherzentrale gesagt haben. Und das Redeangebot schon mal ihrerseits genutzt: Die Eckpunkte "Zukunftsenergie 2020" - die der BDEW heute auf der Konferenz vorstellen wird - ignorieren vollständig den bevorstehenden Systemwechsel. Das energiepolitische Eckpunktepapier "Zukunftsenergie 2020" sei "phantasielos, strukturkonservativ und weder der Klima- noch der Wirtschaftskrise angemessen".

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DUH-Chef  Rainer Baake: "Wer heute der Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und dem Neubau weiterer Kohlekraftwerke das Wort redet, hat weder die Grundsätzlichkeit des bevorstehenden Systemwechsels verstanden noch die Dramatik des Klimawandels." Der Bau neuer Kohlekraftwerke vergrößert die Klimahypothek statt sie abzutragen. Ein Nebeneinander von Atomkraft und Erneuerbaren Energien sei bei weiterem Zubau großer Wind- und Sonnenenergiekapazitäten auch jenseits der Frage der ungelösten Risiken der Atomenergie nicht möglich.  

Die Richtungsentscheidung der Energiepolitik werde dadurch erschwert, dass der BDEW als "Hauptvertreter der alten Energiewirtschaft" wie gewohnt den künftigen Beitrag von Sonne, Wind, Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie unterschätze, erklärte der Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Björn Klusmann: "Das war schon immer so: Nahezu alle Studien zum Ausbau der Erneuerbaren blieben in der Vergangenheit weit hinter der dann eingetretenen Realität zurück. Tatsächlich können die heimischen Erneuerbaren Energien schon 2020 mit 47 Prozent fast die Hälfte der Stromversorgung decken - vorausgesetzt die Politik entscheide sich für diesen Zukunftspfad und gegen die Konzepte von gestern". Wer jetzt überkommene Strukturen künstlich verlängere, werde später "immer mehr Milliarden für Kohle, Öl und Gas ins Ausland überweisen müssen."

Holger Krawinkel, Energie-Experte des Verbraucherzentrale Bundesverband, erklärt, dass die Energiebereitstellung aus Kohle und Uran von der großen Mehrheit der Menschen "als Teil des Problems und nicht als Teil der Lösung wahrgenommen" werden. Wer versuche sein Geschäftsmodell gegen die Hauptströmung der Gesellschaft durchzusetzen, werde am Ende verlieren, so Krawinkel.

bdew_banner_final2.gifGero Lücking, Mitglied der Geschäftsleitung beim Hamburger Ökoenergieversorger LichtBlick, betonte, die mit der Energiewende verbundene Notwendigkeit einer neuen Energieinfrastruktur sei "mit den Technologien und Konzepten der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts nicht zu bewältigen." Der rasante Ausbau der regenerativen Energien erfordere "effiziente, dezentrale und flexibel steuerbare Lösungen, um Angebotstäler der Erneuerbaren schnell, kostengünstig und umweltfreundlich ausgleichen zu können".

Soviel zum Reden vor der Konferenz. Die aber startet ja erst in diesen Minuten. Allerdings dürfte der Start manchem der 1.400 Gäste nicht so ganz leicht fallen. Wer zur Konferenz will, muss erst an den Klimaschützern der Klima-Allianz vorbei. Und sich deren Argumente anhören.

 FOTOS: Reimer, BDEW

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