Achtung: Sie werden verfolgt!
Der negotiator tracker behält "seine" Unterhändler auf den UN-Klimakonferenzen im Blick
Wenn die deutsche Chef-Unterhändlerin Nicole Wilke auf der UN-Klimakonferenz in die Verhandlungen geht, ist Ole Seidenberg meistens nicht weit. Der 25-jährige Aktivist und Blogger aus Hamburg ist ein "negotiator tracker". Und will seiner Delegation während der Klimakonferenzen auf dem Weg nach Kopenhagen so dicht wie möglich auf den Fersen bleiben.
"Adopt a negotiator" ist ein Projekt der tcktcktck-Kampagne, einem Zusammenschluss aus Glaubensgemeinschaften, NGO's, Handelsorganisationen und Einzelpersonen, die sich für ein starkes internationales Klimaschutzabkommen einsetzen. Hunderte junger Aktivisten aus der ganzen Welt mischten am Rande der Klimakonferenz in Bonn das Geschehen durch Aktionen und Proteste auf. Mit dabei: die "negotiator tracker", die als "Schatten" der Delegationen ihren Unterhändlern auf die Finger schauen wollen.
Kanada und Frankreich werden verfolgt: Von Zoe Caron und Florent Baarsh
Insgesamt elf "tracker" aus acht Nationen folgen derzeit den Delegationen ihrer Heimatländer durch die UN-Verhandlungen. Inmitten von etwa 4.000 Teilnehmern der letzten Konferenz in Bonn scheint das nicht viel. Totzdem sind die "Verfolger" aus den USA, Kanada, Japan, Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Italien oder Indien in ihren roten T-shirts zwischen den typischen dezent-dunklen "Diplomatenuniformen" kaum zu übersehen.
Ole Seidenberg aus Hamburg ist der deutsche "tracker". Wo immer es geht, hängt er der deutschen Delegation an den Fersen. Wie die sich in den Verhandlungen zu Wort meldet, wird durch den tracker über verschiedene Kanäle nach außen getragen. Auf der Seite www.adoptanegotiator.org bloggt die "taskforce" der 11 Verfolger gemeinsam. Wie die anderen tracker hat Seidenberg aber auch noch einen eigenen Blog und einen Twitterfeed. Kurz: Wer wissen will, wie die deutsche Delegation auf dem Weg nach Kopenhagen in Erscheinung tritt, ist beim negotiator tracker an der richtigen Adresse.
Ole Seidenberg will der deutschen Delegation bis nach Kopenhagen nicht von der Seite weichen
"Wenig von dem, was in den Verhandlungen passiert, dringt wirklich nach außen", sagt Seidenberg: Das wollen die "tracker" ändern. Sie sind präsent und zeigen, dass der Prozess von der Öffentlichkeit verfolgt wird. Mit bestimmten Erwartungen versteht sich. "Die Delegierten müssen sich auf ein sicheres und gerechtes Abkommen einigen, das gewährleistet, dass wir alle eine Zukunft haben", sagt Seidenberg. Auf die Blog- und Twittereinträge können Mitverfolger auch selbst mit Anregungen reagieren bringen, in welchen Punkten die "tracker" ihren Delegierten auf den Zahn fühlen sollen.
"Viele Entscheidungen fallen jedoch nicht hier, sondern bereits zuhause", sagt Seidenberg. Deshalb wollen die "tracker" auch zwischen den UN-Verhandlungen die Fortschritte ihrer Regierungen in Sachen Klimapolitik verfolgen. Über die Abwrackprämie will Ole Seidenberg genauso bloggen wie über den G20-Gipfel, um zu zeigen: "Die Komfortzone des Klimawandels müssen wir endgültig hinter uns lassen: Deutschland darf sich nicht länger hinter der Europäischen Union verstecken".
Andrea Cinquina und Eri Aoki haben die italienischen und japanischen Delegierten adoptiert
Die Delegationen lassen sich dabei mehr oder weniger willig von den jungen Aktivisten adoptieren. "Unsere Japan- und Kanada-tracker werden mitunter sogar zu internen Besprechung eingeladen", erzählt Seidenberg. Zu den deutschen Unterhändlern bestehe zwar ein guter Kontakt, viele Türen blieben aber auch weiterhin verschlossen.
Damit das nicht so bleibt, sollen den Delegierten auf dem Weg nach Kopenhagen immer mehr "tracker" auf die Spur gesetzt werden. Damit die geballte Präsenz noch ein paar Türen mehr öffnet. China und Brasilien sollen als nächtes einen "Verfolger" bekommen.
SARAH MESSINA
Verfolgen Sie die Verfolger: Mehr zu Ole Seidenberg und den anderen "negotiator trackern" finden Sie HIER
Mehr zu den "Verfolgten" finden Sie hier, in einem Interview mit Nicole Wilke, Deutschlands Chef-Klimaunterhändlerin
Und mehr zur letzten UN-Klimakonferenz vom 1. bis 12. Juni in Bonn finden sie HIER
FOTOS: MESSINA
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