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Schmerztabletten für das Klima

Kohlendioxid kennt keine Eile: Einmal in die Atmosphäre entlassen, verharrt es dort an die tausend Jahre. Neben anderen Treibhausgasen wie Methan, Ozon oder Lachgas ist CO2 zwar der wesentliche, aber eben nur einer von mehreren anheizenden Faktoren des Klimawandels. „Das Problem ist zu groß, um es nur von einer Seite her zu betrachten", sagt Cynthia Ehmes als Vertreterin des Inselstaates auf einem Side Event der UN-Klimakonferenz in Bonn.

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Mikronesien ist eine der kleinen Inselstaaten (AOSIS), die bereits heute von den Folgen des Klimawandels betroffen sind und von zukünftigen Auswirkungen durch den Anstieg des Meeresspiegels hart getroffen werden. Und deshalb umso stärker auf Maßnahmen angewiesen, die die Erwämung nicht mittel- oder langfristig, sondern vor allem schnell stoppen können.

„Die Reduktion und Vermeidung von Kohlendioxid als Hauptfaktor für den Klimawandel muss weiterhin an erster Stelle stehen", sagt Durwood Zaelke vom Washingtoner Institute for Gouvernance and Sustainable Development. Faktoren wie die Reduktion von black carbon würden bislang jedoch unterschätzt: Die mikroskopisch kleinen schwarzen Rußpartikel, die durch die Verbrennung von Kohle, Holz, vor allem aber Dieselkraftstoffen entstehen, speichern die Wärme der Sonne und tragen so zur Erwärmung bei. In der Arktis legen sich die Teilchen als Grauschleier auf die weißen Schneeflächen und heizen dem Verlust des arktischen Eises gehörig ein.

Die Inselstaaten im Pazifik sind die ersten, die vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen sind. "Die heute spürbaren Folgen des Klimawandels sind nichts im Gegensatz zu dem, was auf uns zukommt, wenn wir nicht gegenlenken", sagt Malte Meinershausen vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung PIK. Der Verlust des arktischen Eises ist einer der „tipping points", die Klimawissenschaftler wie Meinershausen fürchten: Sind diese Schwellen einmal überschritten, heizt sich der Klimawandel auch ohne weiteres menschliches Zutun unaufhaltbar weiter an. Die Reduktion von black carbon, das sich im Gegensatz zu Kohlendioxid nur Wochen in der Atmosphäre hält, könnte bereits kurzfristig einen wichtigen Unterschied machen.

Ein anderer Weg, um bereits kurzfristig Ergebnisse zu erzielen, geht über das Montreal Protokoll, über das der Ausstoß des Klimagases Ozon geregelt wird. Mikronesien und Mauritius haben bereits im April einen Vorschlag zur Ausweitung des Abkommens an das UN-Klimasekretariat gesendet und versprechen sich davon eine Emissionsreduktion, die um ein Vielfaches höher liegt, als die unter dem Kyoto-Protokoll.

Diese Ansätze können jedoch allenfalls „Schmerztabletten für das Klima sein", betont Meinershausen: „In tausend Jahren ist das Kohlendioxid, das wir heute emittieren, noch immer in der Atmosphäre". Eine Reduktion von black carbon könne zwar wertvolle Zeit verschaffen - aber auch tödlich sein, wenn darüber das eigentliche Problem vergessen wird.

FOTO: MESSINA

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