Studenten wollen grünen Strom
AUS BERLIN FELIX WERDERMANN
Mit grüner Energie in den neuen Tag – das ist möglich beim Stromwechselpicknick an der Universität Lüneburg. Auf der Wiese vor der Mensa wird Kaffee und Tee ausgeschenkt, Interessierte erfahren dabei gleich, wie sie zu einem Ökostrom-Anbieter wechseln können.
Das Frühstück ist Teil einer bundesweiten Aktionswoche des Netzwerks „Klimagerechte Hochschule“. Der Zusammenschluss besteht seit einem knappen Jahr und umfasst ein dutzend Studenteninitiativen, die den Klimaschutz an die Universitäten bringen möchten. Das Spektrum reicht von grünen Hochschulgruppen bis zu Ökologie-Referaten der Allgemeinen Studierendenvertretungen.

In Marburg haben Studierende ein Transparent über die Lahm gehängt
Nun hat das Netzwerk erstmals zu Aktionstagen aufgerufen: In der vergangenen Woche gab es an mehreren deutschen Universitäten Filmvorführungen, Diskussionen und Infostände. Immer mit dem Hinweis an die Studenten, dass sie doch bitte auf umweltfreundliche Energie umsteigen sollen.
„Oft sind sich Studis nicht bewusst, wie einfach ein Wechsel zu einem guten Ökostromanbieter ist“, sagt Timo Eckhardt vom Asta-Ökologiereferat an der Uni Lüneburg. Wer seine Stromrechnung mitgebracht hat, konnte direkt beim Frühstück umsteigen.
Schwieriger als die Studenten sind jedoch die Hochschulen zum Wechsel zu bewegen. Nach dem Willen der studentischen Klima-Aktivisten sollen nämlich auch die Unis den Kohle- und Atom-Konzernen eine Absage erteilen. Sie hätten „eine besondere Verantwortung in der Gesellschaft“ und müssten daher „im Bereich Umwelt- und Klimaschutz eine Vorreiterrolle einnehmen“, sagt Chris Kunig. Der Marburger Politik-Student kennt aber auch die Probleme: „Es ist schwierig mit den Unis zu sprechen, weil da oft der Preis im Vordergrund steht“ – gerade in Zeiten knapper Kassen.
In Marburg hat es geklappt – ab 2011 will die Uni grünen Strom beziehen. Doch die Zusage ist mit Vorsicht zu genießen: In Berlin beispielsweise hat Vattenfall mit einem fragwürdigen Ökostrom-Angebot die Ausschreibung gewonnen. Bei der Berliner Initiative "Studieren ohne Kohle" hat das für Empörung gesorgt. Der Energieriese Vattenfall nutzte zum Gewinn der Ausschreibung einen einfachen Trick: Der Konzern hat sich sogenannte RECS-Zertifikate gekauft – Öko-Bescheinigungen aus bereits bestehenden Wasserkraftwerken in Norwegen. Solche Zertifikate dürften in Zukunft nicht berücksichtigt werden, fordert Kunig. Außerdem sollten Anbieter bevorzugt werden, die ihren Strom in neuen Anlagen erzeugen.
Viel Überzeugungsarbeit müssen die Klimaschützer also noch leisten. Wie man am besten mit den Unis verhandelt, auch darüber wollen sich die lokalen Gruppen im Klima-Netzwerk austauschen. Die Allgemeinen Studierendenvertretungen behandelten Umweltthemen oft stiefmütterlich, beschwert sich Kunig. „Der Umweltaspekt ist nicht sonderlich ausgeprägt.“ Zudem wechselten dort die Koalitionen. Daher brauche man eine unabhängige Struktur, die sich durchgehend für mehr Klimaschutz an den Unis stark mache.
Manche Grupen an manchen Unis sind dagegen schon einen Schritt weiter: Sie produzieren ihren Ökostrom selbst. Das Netzwerk UniSolar setzt sich dafür ein, universitäre Dächer (Auf dem Foto in Leipzig) zur Stromproduktion zu nutzen.
FOTOS: Netzwerk Klimagerechte Hochschule und UniSolar
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