Studie: "CDM ist Betrug"
Eine Studie der Umweltorganisation Friends of the Earth, die am Dienstag Rande der UN-Klimaverhandlungen in Bonn vorgestellt wurde, spricht dem sogenannten Clean Development Mechanism (CDM) die Wirksamkeit ab. Der Mechanismus, ein wesentliches Instrument des Kyoto-Protokolls, gibt Industriestaaten die Möglichkeit, Projekte für nachhaltige und saubere Entwicklung in armen Ländern zu finanzieren und diese auf die eigenen Reduktionsziele anzurechnen.
Die größten Nachteile am Clean Development Mechanismus sehen die Autoren der Studie darin, dass Emissionsreduktionen nicht wie von zahlreichen Wissenschaftlern gefordert sowohl in Industrie- als auch in Entwicklungsländern stattfinden, sondern dass Projekte im Süden der Welt mit den Reduktionszielen von Ländern im globalen Norden verrechnet werden können und dadurch die Gesamtmenge der Reduktionen sinkt. Zudem sei nicht garantiert, dass CDM-Projekte in armen Ländern tatsächlich dieselbe Menge an Kohlendioxid sparen, die sie in Industriestaaten gespart hätten. "CDM ist keine Hilfe im Kampf gegen den Klimawandel, sondern eine Entschuldigung für die reichen Länder, um wie bisher weiter zu wirtschaften", so Studienautor Tom Picken.
Das bemängelte Ungleichgewicht zeigt sich unter anderem am Beispiel des deutschen Energiekonzerns RWE: Das Unternehmen will nach eigenen Angaben etwa 36 Millionen Tonnen Kohlendioxid in der Bundesrepublik einsparen, etwa durch Projekte wie effizientere Kraftwerke oder Energieerzeugung mit erneuerbaren Energien. Demgegenüber sollen über Clean Development-Projekte bis zu 90 Millionen Tonnen in Entwicklungsländern eingespart werden. Insgesamt wird erwartet, dass RWE bis zu 50 Prozent seiner benötigten Emissionszertifikate über Clean Development- oder Joint Implementation-Projekte einkaufen muss.
Die Umweltschützer kritisieren die Industriestaaten, die das Instrument CDM in den Verhandlungsprozessen für ein Post-Kyoto-Abkommen fördern wollen, um Reduktionen im eigenen Land zu umgehen. "Statt durch CDM-Projekte zu schummeln, müssen Industriestaaten endlich ihre historische Verantwortung wahrnehmen und ihre eigenen Emissionen verringern", fordert Meena Raman von Friends of the Earth Malaysia. Die Autoren der Studie fordern für die Zukunft ein internationales Klimaschutzabkommen ohne Clean Development Mechanismen.
Die Studie "A dangerous Distraction" finden Sie HIER
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