Klima-Gutachter nehmen es nicht genau genug
Die Arbeit der Gutachter zur Einschätzung von Klimaprojekten aus Industrieländern in Entwicklungsländern (Clean Development Mechanism - CDM) ist allenfalls mittelmäßig bis schlecht. Das ist das Ergebnis einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag des WWF. Die Gutachterorganisationen erfüllen die Erwartungen des CDM-Exekutivrates demnach kaum oder gar nicht.
CDM-Projekte ermöglichen es Industrieländern, Teile ihrer Emissionsverminderungen in Entwicklungsländern zu erfüllen, zum Beispiel über Investitionen in Projekte wie den Bau von Windparks oder die Errichtung von Biomassekraftwerken. Für jede in einem solchen Projekt eingesparte Tonne Kohlendioxid erhalten die Investoren ein Zertifikat, das sie zur Erfüllung ihrer Reduktionsverpflichtung anrechnen dürfen.
Die Studie hat untersucht, in welchem Umfang die Gutachterorganisationen (engl. Designed Operational Entities, kurz DOEs) die Ansprüche des CDM-Exekutivrates erfüllen. Dafür wertete das Öko-Institut mehr als 900 Projekte aus. Das Ergebnis ist enttäuschend: Auf einer Skala von A (Bester) bis F (Schlechtester), erfüllte kein Gutachter die gestellten Anforderungen der ersten drei Plätze. TÜV-Süd und TÜV-Nord führen etwa gerade einmal mit einer D-Platzierung die Liste an.
"Viele Gutachter reichen bei der UN Projektanträge ein, die gravierende Mängel aufweisen", sagt Regine Günther, Leiterin Energie und Klima beim WWF Deutschland. Mit dem Versagen der Prüforganisationen stehe auch die Qualität der Klimaprojekte in Entwicklungsländern in Frage. Die UN-Klimaverhandlungen in Bonn müssten deshalb auch dafür genutzt werden, den gesamten CDM-Prozess zu verbessern.
Dass CDM-Projekte zum Teil von zweifelhafter Qualität sind und statt zur Emissionsminderung sogar zu Emissionssteigerungen führen können, hatte der WWF bereits zuvor kritisiert. "Wollen wir den gefährlichen Anstieg der Treibhausgase begrenzen, dürfen Industrieländer nicht länger in zweifelhafte Ausgleichprojekte investieren", so Günther. Die Beurteilungen der CDM-Projekte sei deshalb eine zentrale Voraussetzung für die Wirksamkeit des Clean Development Mechanism.
Die vollständige Studie finden Sie HIER
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