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Wüstenstrom: Eine Vision mit Realität

"Eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und Wirtschaftsprobleme dieser Zeit": Greenpeace-Studie zeigt, dass 2050 ein Viertel des weltweiten Strombedarfs aus solarthermischen Kraftwerken in den sonnenreichen Wüstenregionen gedeckt werden könnte. Nach einer Anschubförderung könnte der Strom von dort bereits innerhalb von 10 Jahren konkurrenzfähig zu Mittellastkraftwerken sein. Und nicht nur Milliarden Tonnen Kohlendioxid einsparen, sondern auch Millionen Arbeitsplätze schaffen

Aus Berlin SARAH MESSINA

Ein Viertel des weltweiten Strombedarfs könnte künftig aus solarthermischen Kraftwerken gedeckt werden. Das ist das Ergebnis einer Greenpeace-Studie, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Die Vision vom Strom aus der Wüste könnte nicht nur Milliarden Tonnen Kohlendioxid einsparen, sondern auch Millionen neuer Jobs schaffen.

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Das erste kommerziell genutzte solarthermische Kraftwerk im spanischen Sanlucar versorgt 6.000 Haushalte mit Strom

„Die Nutzung des Energiepotentials der Sonne ist eine der klügsten Antworten auf die globalen Umwelt- und Wirtschaftsprobleme dieser Zeit", sagt Greenpeace-Energieexperte Andree Böhling. Der „globale Ausblick auf die Entwicklung solarthermischer Kraftwerke 2009" zeige: Bis 2050 könnten solarthermische Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 1.500 Gigawatt Leistung bis zu 7.800 Terawattstunden Strom produzieren. Zum Vergleich: 2007 haben alle 439 Atomkraftwerke der Welt gemeinsam 2.600 Terawattstunden Strom erzeugt.

In solarthermischen Kraftwerken wird die Wärme der Sonne durch Spiegelflächen gebündelt und an das Transportmedium Öl übertragen. Dieses Öl zirkuliert als Energieträger, erhitzt Wasser zu Wasserdampf, der dann ein klassisches Kondensationskraftwerk antreibt. In Spanien arbeitet so bereits das weltweit größte Solarkraftwerk Andasol, das mit 312 Solarkollektoren auf einer Gesamtlänge von rund 90 Quadrat-Kilometern klimafreundlichen Strom für 200.000 Menschen erzeugt. Flüssiges Salz dient als Speicher der thermischen Energie. So kann auch nach Sonnenuntergang noch Strom erzeugt werden.

Solarthermische Kraftwerke sind naturgemäßg da am sinnvollsten, wo die Sonneneinstrahlung am stärksten ist. Die Wissenschaftlerinitiative Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) setzt sich deshalb bereits seit 2003 für die Übertragung von in Wüstenregionen erzeugten Solarstroms ein.

Das gemeinsam von TREC und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelte DESERTEC-Konzept, sieht vor, im Nahen Osten (Middle East) und Nord-Afrika (MENA) mit Hilfe von Windparks und solarthermischen Kraftwerken Wasserentsalzung und Stromerzeugung voranzutreiben. Energieüberschüsse könnten mittels Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen mit geringen Verlusten nach Europa geleitet werden. Ein Konzept, dass die Mittelmeerunion mit einem Solarplan aufgegriffen hat, der das Potential der Sonnenergie in den Ländern Nordafrikas erschließen soll.

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Das Potential der Wüstensonne: Solarthermische Kraftwerke in der Sahara könnten die ganze Welt mit Strom versorgen

Die Greenpeace-Studie zeigt jedoch nicht nur, dass ein hoher Anteil sauberen Wüstenstroms mit der richtigen politischen Weichenstellung und ehrgeiziger Förderung möglich ist, sondern auch sein Potential als Konjunkturmotor: 15 Milliarden Euro könnten pro Jahr an zusätzlichen Investitionen ausgelöst werden und bis 2050 zwei Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen. Bereits 2020 könnte die Zahl neu geschaffener Arbeitsplätze auf mehr als 200.000 steigen. Deutschland könne vom Wüstenstrom gleich zweifach profitieren, so die Studie: als Importeur sauberer Energie in Ergänzung zur eigenen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und als Exporteur einer Technik, in der deutsche Anlagebauer bereits weltführend sind.

Investitionen in die Technologie würden sich demnach langfristig mehr als bezahlt machen: Derzeit schlägt demnach eine Kilowattstunde Strom aus solarthermischen Kraftwerken laut Studie je nach Sonneneinstrahlung mit 15 bis 23 Cent zu Buche. Bereits innerhalb von zehn Jahren könnte Solarstrom aus der Wüste jedoch konkurrenzfähig zu Mittellastkraftwerken werden, die etwa mit Erdgas betrieben werden. Folgekosten wie für die Endlagerung von Atommüll oder teure Verschmutzungszertifikate für Kohlendioxid-Emissionen fallen nicht an. Umgerechnet auf einen Zeitraum von 40 Jahren lägen zudem die Kosten für den Stromtransport durch ein effizientes Verbundnetz bei lediglich einem Cent pro Kilowattstunde.

Greenpeace fordert von den Regierungen gemeinsam Konzepte für den Bau von Solarkraftwerken in Wüsten und den erforderlichen Stromverbundnetzen zu entwickel. Für die MENA-Region sollen Deutschland und Europa eine „Roadmap" erarbeiten, um die Technologie voranzubringen. Strom aus solarthermischen Kraftwerken müsse aber auch jenseits der Mittelmeerunion auf die Agenda der internationalen Politik rücken und auch in den UN-Klimaverhandlungen und beim nächsten G8-Gipfel eine Rolle spielen. „Um das Potential auszuschöpfen, müssen die nächsten Schritte über Absichtserklärungen deutlich hinausgehen, so Greenpeace-Energieexperte Böhling.

Solarthermische Kraftwerke können demnach nach der Windkraft und der Photovoltaik zum dritten globalen Exportschalger erneuerbarer Energien werden. Und bis 2050 Kohlendioxid-Emissionen von 4,7 Milliarden Tonnen vermeiden - das entspricht dem sechsfachen Volumen des derzeitigen Kohlendioxid-Ausstoßes in Deutschland.

Auf einer Linie mit der Umweltorganisation sieht sich übrigens auch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel in Sachen Sonnenstrom aus der Wüste: „Wir sind uns mit Greenpeace einig: Die Nutzung der erneuerbaren Energien ist konsequenter Klimaschutz und dient den Menschen unmittelbar, durch die Schaffung von Arbeitsplätzen und einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung im Sinne einer ökologischen Industriepolitik".


Die Greenpeace-Studie finden Sie HIER

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