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Christen, wo seid ihr?

Mit einem Glaubensfest unter freiem Himmel beginnt heute (Mittwoch) der 32. Deutsche Evangelische Kirchentag in Bremen. Zu der Eröffnung werden bereits 300.00 Besucher erwartet, die  18.00 Uhr zeitgleich mit drei Gottesdiensten auf drei Bühnen -  dem Marktplatz, an der Weser und auf der Bürgerweide - zelebriert wird. Der blasse Noch-Bundespräsident Horst Köhler wird möglicherweise sein letztes Grußwort sprechen (am Wochenende steht er gegen Gesine Schwan zur Wahl). Danach laden die 61 Bremer Gemeinden zum "Abend der Begegnungen" ein, bei dem Maskentänzer, Sambagruppen, Bands und Chöre auf elf Bühnen für Unterhaltung sorgen.

d_64166d1cdd.jpgOb der Kirchentag mehr als Masken-Samba-Unterhaltung wird, daran zweifeln viele kritische Christen. Christen von ROBIN WOOD etwa, appelliert an die TeilnehmerInnen, sich in diesem Jahr endlich verstärkt für den Ausstieg aus der Atomenergie einzusetzen. Mit einem Infostand, Flyern und Gesprächen wird ROBIN WOOD auf das Thema aufmerksam machen und für die große Anti-Atom-Demonstration unter dem Motto „Mal richtig abschalten – Atomkraft? Nein Danke!“ am 5. September in Berlin mobilisieren.

Die Atomwirtschaft will mit den kommenden Bundestagswahlen im September 2009 neue politische Mehrheiten erreichen, um längere Laufzeiten der maroden Atomkraftwerke durchzusetzen und Gorleben zum Endlager für hochradioaktiven Atommüll zu machen. Die Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach und deutlich für den Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, hat diese Position auf der Synode im November 2008 in Bremen bestärkt. Er wandte sich gegen eine Verlängerung der Restlaufzeiten für die Atommeiler und hob hervor, dass die Endlager-Problematik noch immer nicht überzeugend gelöst sei.

„Mensch, wo bist Du, wenn es darum geht, den Ausstieg aus der Atomenergie durchzusetzen?“, fragt Dirk Seifert, Energiereferent von Robin Wood in Anspielung an das diesjährige Kirchentags-Motto. „Die evangelische Kirche will den Atomausstieg. Dies muss besonders jetzt mehr öffentliche Geltung bekommen, um zu verhindern, dass nach der Bundestagswahl im Herbst der Atomausstieg kippt. Deshalb rufen wir alle Christen und Christinnen dazu auf, sich am 5. September an der großen Anti-Atomdemonstration in Berlin zu beteiligen.“

Tatsache ist, dass die evangelische Kirche dringend eine Erleuchtung zum Thema Klimawandel braucht. So glaubte etwa die Landeskirche Berlin, Brandenburg, Schlesien bis vor Wochenfrist,  das "im vorliegenden Konflikt nicht von vornherein klar ist, wer die Schwachen sind", wie die Landessynode feststellte. Vieles sprach nach Ansicht mancher Synodalen dafür, dass arbeitslos werdende Braunkohlekumpel die schwachen sind, wenn das  Brandenburger Volksbegerhren "Keine neuen Tagebaue" erfolgreich ist. Weswegen die Landeskirche auch das Volksbegehren nicht unterstützte und sich so gegen mehrere süd-brandenburgische Kreissynoden stellte.

Das ist aber nun Gott-sei-Dank Geschichte: Die Forderung nach dem Einstieg aus dem Ausstieg aus der Braunkohleverstromung in der Lausitz wurde am dritten Mai-Wochenende anno domini 2009 Wochenende von der Landessynode der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) offiziell beschlossen.

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