Mainz: Kohleprojekt verliert Großkunden
Dem in Mainz geplanten neuen Kohlekraftwerk ist ein wichtiger Großkunde abhanden gekommen. Der Energieversorger HSE aus Südhessen hat eine Option über eine Stromabnahmekapazität von 120 Megawatt gekündigt. "Das ist der Anfang vom Ende", kommentierte Carl Christian Müller vom "Bündnis für eine kohlekraftwerksfreie Region".
Bei etlichen der neuen Kohlekraftwerke, die derzeit in Deutschland gebaut und geplant werden, haben sich die Investoren bereits langfristige Abnehmer ins Boot geholt, um das eigene Risiko zu minimieren. Bei dem Projekt auf der Ingelheimer Aue wollen die Stadtwerke Mainz und Wiesbaden für etwa eine Milliarde Euro eine Stromerzeugungskapazität von 800 Megawatt errichten - der 120-Megawatt-Anteil der HSE fällt da also erheblich ins Gewicht. Laut SWR begründete ein HSE-Sprecher die Entscheidung mit strategischen, wirtschaftlichen und ökologischen Überlegungen. "Dabei spielt der Aspekt der Klimaverantwortung eine große Rolle."
Erst vergangene Woche hatte die zuständige Genehmigungsbehörde die Bahn freigemacht für den Baustart. Die örtlichen Bürgerinitiativen erhalten durch den HSE-Ausstieg Rückenwind: Sie warnen schon seit langem vor den Risiken des Projekts für die Stadtwerke und damit die kommunalen Haushalte. Der Bauherr, so BI-Sprecher Müller, "befindet sich nun in akuter Erklärungsnot. Sie wird den Banken kaum begreiflich machen können, wie das Projekt Gewinne abwerfen soll, wenn sich ein solch wichtiger Abnehmer des Kohlestroms aus dem Projekt verabschiedet hat."
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