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"Man sieht bloß Flüchtlinge und Kriege"

Angela Oels ist seit 2002 wissenschaftliche Assistentin am Institut für Politikwissenschaft der Universität Hamburg mit den Forschungsschwerpunkten internationale Umwelt- und Wirtschaftspolitik, Poststrukturalistische Theorien, Partizipation und Nachhaltigkeit. Zurzeit bearbeitet sie ein Habilitationsprojekt zu Klimawandel und Sicherheit. Angela Oels hat Technischen Umweltschutz in Berlin studiert und war u.a. wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). 

INTERVIEW: FELIX WERDERMANN 

angela_oels.jpgwir-klimaretter.de: Frau Oels, immer häufiger wird die Erderwärmung im Zusammenhang mit Sicherheitsfragen diskutiert. Sie hingegen behaupten, der Klimawandel sei nur am Rande ein Thema militärischer Sicherheit. Weshalb? 

Angela Oels: Es ist überhaupt nicht nachgewiesen, dass der Klimawandel zu mehr Gewalt führt. Nachgewiesen ist, dass er zu Konflikten führt. Dadurch kann es zu Gewalt kommen, aber eine Antwort darauf kann auch eine stärkere Kooperation sein. Es gibt zumindest keinen Automatismus, Klimawandel führe zu Gewalt. 

Vielleicht führen die Konflikte nicht direkt zu Kriegen. Aber es ist doch unstrittig, dass die Auswirkungen des Klimawandels zu mehr Migration führen. Und Flüchtlingsströme können zu einem Sicherheitsrisiko werden, oder? 

Auch bei der Migration gibt es keinen Automatismus. Da gibt es zahlreiche Faktoren, die eine Rolle spielen bei der Frage, ob ein Mensch flüchtet oder nicht. Aber mit den Flüchtlingsströmen sprechen Sie bereits einen wichtigen Punkt an. 

Welchen? 

Das sind genau die Bilder, die der Begriff des Sicherheitsrisikos hervorruft. Wenn man Klimawandel unter dem Titel Sicherheitsrisiko diskutiert, dann sieht man bloß die Millionen Flüchtlinge, die nach Europa kommen. Oder man spricht von Kriegen, gegen die man sich aufrüsten muss. Die Message an die Politiker ist dann: Wir müssen unsere Grenzen schützen und brauchen mobile Einsatztruppen. 

Aber vielleicht wird den Politikern zumindest klar, dass sie handeln müssen. 

Das wäre natürlich zu begrüßen. Aber auch hier kann es einen unerwünschten Nebeneffekt geben: Wenn der Klimawandel ein Sicherheitsproblem ist, dann wird auch eher regiert wie in einem Ausnahmezustand. 

Haben wir denn keinen Ausnahmezustand? 

Regieren im Ausnahmezustand bedeutet hartes Durchgreifen des Staates. Ich weiß, dass sich das viele Leute auch wünschen in der Klimapolitik. Ich sehe das aber als eine Gefahr für die Demokratie. 

Wenn man Klimawandel nicht als Sicherheitsrisiko diskutieren sollte, was wären die Alternativen? 

Es geht um Gerechtigkeit. Unter diesem Gesichtspunkt muss man die Klimakrise betrachten. Da kommen dann auch viele ganz andere Bilder ins Blickfeld. Zum Beispiel Fragen wie: Wer ist verantwortlich für die Erderwärmung? Und wer leidet unter den Folgen? 

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