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Wie grün sind die Großen?

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Hier baut RWE ein neues Braunkohle-Kraftwerk - Foto: Henry Fair   


Aus Berlin TORALF STAUD  

Die grünen Werbeannoncen und Fernsehspots der großen Energieversorger kennt mittlerweile jeder: E.on preist Gezeitenkraftwerke an, RWE schmückt sich mit Biomasse-Projekten, Vattenfall stellt sich als Windkraft-König dar, EnBW prahlt mit seinen Wasserkraftwerken. Dass in Wahrheit nicht so sehr viel dran ist an diesem Bild, das konnte man bisher nur schwer mit verlässlichen Zahlen belegen. Greenpeace hat am heutigen Donnerstag eine ausführliche Studie vorgestellt, die erstmals für alle Konzerne vergleichbare Daten präsentiert. Das Ergebnis: Den grünen Worten der Stromriesen folgen kaum Taten. 

Die großen Konzerne, kommentiert Greenpeace- Energieexperte Andree Böhling, "blockieren den Klimaschutz" und "verschleppen den Umbau der Energieversorgung und schaden mit monopolartigen Gewinnen dem Standort Deutschland". Derzeit liegt der Untersuchung zufolge der Anteil erneuerbarer Energien (wenn man die seit vielen Jahrzehnten bestehenden Wasserkraftanlagen herausrechnet) am Strommix der vier großen deutschen Energieversorger bei 0,1 bis 1,7 Prozent. 

So weise EnBW in seinen Berichten einen Anteil von 11,4 Prozent sauberem Strom an der Eigenerzeugung aus. Schon das liegt unter dem Bundesdurchschnitt, doch zudem kommt diese Öko-Energie auch noch fast vollständig aus längst abgeschriebenen alten Wasserkraftwerken, die es im Unternehmensstammland Baden-Württemberg schon immer gab. Rechnet man diese heraus, bleiben magere 0,1 Prozent "neuer" sauberer Strom. Beim Konkurrenten RWE bleiben lediglich 0,4 Prozent "neuer" grüner Kraftwerkspark übrig. Ähnlich ist die Diskrepanz bei Eon - mit "alter" Wasserkraft 9,7 Prozent Ökostrom-Anteil, ohne nur noch 0,5 Prozent (und wegen einer EU-Auflage muss Eon sich von einigen seiner Laufwasser-Kraftwerke trennen).  

thumb_gp_henryfair_jaenschwalde.jpgDer schwedische Staatskonzern Vattenfall ist insgesamt tatsächlich ein großer Erzeuger von Wind- oder Wasserstrom (ausgewiesener Anteil 20,7 Prozent) - doch auch dort schrumpft der grüne Anstrich bei genauem Blick: Aus neuen Anlagen kommen lediglich 1,7 Prozent des selbst erzeugten Stroms. Weil Vattenfalls Windparks vor allem in Skandinavien stehen, fällt die Bilanz für Deutschland mit 1,1 Prozent noch schlechter aus. Seine 1,6 Milliarden Euro Jahresgewinn erwirtschaftet Vattenfall zu drei Vierteln aus der besonders dreckigen Braunkohle (auf dem Foto das Kraftwerk im sächsischen Boxberg).

Bernd Hirschl vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) in Berlin  - Auftragnehmer der Studie -  konnte sich bei Vorstellung der 136-seitigen Arbeit einige Spitzen gegen die Unternehmen nicht verkneifen. Man habe anfangs gedacht, dass das eine "Kurzstudie" werde und ein ziemlich einfacher Auftrag, so Hirschl, denn die Unternehmen würden ja sicherlich gern Zahlen über ihre grünen Aktivitäten herausgeben. Pustekuchen. Am Ende war es eine ziemliche Detektivarbeit. Zahlen seien nicht zu bekommen gewesen oder widersprüchlich, sagt Hirschl, und Widersprüche seien von den Firmen oft nicht aufgeklärt worden. "So richtig befriedigend war das nicht", so das zurückhaltende Fazit  des Wissenschaftlers. Auffällig sei vor allem, dass die Unternehmen für ihre Ankündigungen andere Zeiträume wählen als die Politik und andere Berechnunggrundlagen - als ob die schwere Überprüfbarkeit Absicht sei. 

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Alle großen Energiekonzerne liegen mit ihrem Kraftwerkspark weit unterm Bundesdurchschnitt, was den Anteil an sauberen Strom angeht (wenn man den Anteil alter und uralter Wasserkraftanlagen abzieht)    Quelle: IÖW, Grafik: Greenpeace 

Denn der Blick in die Zukunft ist natürlich das Wichtigste: Wenn die Konzerne in den zurückliegenden Jahren den Einstieg in die Erneuerbaren Energien versäumt haben - vielleicht versuchen sie ja wenigstens, den Rückstand durch massive Investitionen aufzuholen? 

Tun sie aber nicht. Zwar haben alle Unternehmen milliardenschwere Investitionsprogramme (HIER nur ein Beispiel ) angekündigt - aber was in umweltschonende Energieerzeugung fließt, sei "vergleichsweise gering". Laut der Studie steckt Eon weniger als zehn Prozent seiner angekündigten Gelder für den Kraftwerksneubau in klimaschonende Anlagen, bei RWE sind es etwa fünfzehn Prozent. 

In Kohlekraftwerke dagegen, die zwar etwas niedrigere CO2-Werte haben werden als bestehende Altanlagen, aber absolut hohe Kohlendioxid-Emissionen auf Jahrzehnte festschreiben werden, investiert RWE der Studie zufolge fast doppelt soviel Geld wie in wirklich klimaschonende Windparks. Dies deckt sich übrigens mit einer Umfrage der Unternehmensberatung Russell Reynolds unter Strommanagern, über die die Financial Times Deutschland gestern berichtet hatte: Fast 60 Prozent der befragten Unternehmen wollen demnach "in den nächsten  Jahren den größten Teil ihrer Anlageinvestitionen und Forschungsgelder in die Kohleverstromung" stecken. 

Nur Peanuts für Erneuerbare Energien 

Auf der Basis verschiedener Konzernangaben hat das IÖW den voraussichtlichen Strommix der großen Vier für 2020 errechnet: Demzufolge werden dann immer noch zwischen 88 Prozent (RWE) und 67 Prozent (Vattenfall) des konzernweit erzeugten Stroms aus klimakillender Kohle- oder hochriskanter Atomkraft kommen. Der Anteil von Neuanlagen für alternative Energien werde auch dann noch weit unter den Zielen von EU oder Bundesregierung für 2020 und sogar dem heutigen Bundesdurchschnitt liegen: E.on und Vattenfall - je elf Prozent, RWE - zehn Prozent, EnBW - sieben Prozent. 

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Sowas zählt nicht zu den Investitions-Favoriten der "Großen Vier" -  Foto: BWE  

Schon heute, stellte Bernd Hirschl fest, investieren die deutschen Energieriesen eher im Ausland in erneuerbare Energien als hierzulande. Und an eigenen Investitionen in Forschung und Entwicklung wirklich neuer Technologien sei "nichts Signifikantes zu erkennen". Ein bisschen Geld fließe in kleinere Anlagen zur Nutzung der Erdwärme, RWE stecke etwas in die Biomasseforschung. Doch unterm Strich, so Hirschl, sei das eher lächerlich. "Keiner der Konzerne geht größere, strategische Investments ein." 

Beispiel Vattenfall: Im Jahr 2007 flossen dem Gutachten zufolge 0,7 Prozent des Konzernumsatzes in Forschung und Entwicklung ("F&E"), das waren gut hundert Millionen Euro. "Ein Drittel dieser Summe (ca. 35 Mio Euro) wurde für die Erforschung von Möglichkeiten zur Endlagerung atomarer nuklearen Abfalls aufgewendet. Etwa 29 Mio Euro waren für die Entwicklung von Technicken zur Verminderung von CO2-Emissionen vorgesehen." Hierbei handelte es sich vor allem um Investitionen in die umstrittene Abscheidung und unterirdischen Lagerung von Kohlendioxid (CCS). "Knapp 8 Mio Euro wurden in F&E zu erneuerbaren Energien investiert." 

Auch wenn die Studie keine Zahlen zu Vattenfalls Werbebudget enthält: Die Kosten für die grünen Image-Kampagnen dürften im gleichen Zeitraum deutlich über acht Millionen Euro gelegen haben. 

Weitere Grafiken, eine Kurzfassung und die ausführliche Studie gibt es auf der Greenpeace-Website.

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