US-Forscher: Arktis schon in 30 Jahren eisfrei
Der permanente Eisschild am Nordpol droht schon in einer Menschengeneration Geschichte zu sein: Laut einer neuen US-Studie wird die Sommerausdehnung des Arktis-Eises dreimal so schnell schrumpfen, wie bisher gedacht - und bereits in 30 Jahren verschwunden sein.
Wie James Overland (Wissenschaftler der US-Klimabehörde NOAA) und Muyin Wang (Universität des Staates Washington in Seattle) in einem Aufsatz in den Geophysical Research Letters schreiben, sei schon ab 2037 eine "in Septembern nahezu eisfreie Arktis" zu erwarten. Das ergebe sich, wenn man die anerkannten Projektionsmethoden des Weltklimarates IPCC mit den in den vergangenen beiden Jahren gemessenen Daten kombinieren.

Die Zukunft der Arktis im Zeitraffer: Die linken Grafiken zeigen Ausdehnung und Dicke
des Eises im März (oben) und September (unten) mit Stand heute -
rechts ist zu sehen, wie es in dreißig Jahren aussehen könnte
Im September 2007 habe es mit 4,3 Millionen Quadratkilometern die kleinste jemals in der Arktis gemessene Eisfläche gegeben - sie lag um 39 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 1979 bis 2000. Im September 2008 dehnte sich das Arktiseis am Ende des Sommers zwar etwas weiter aus (was Klimaskeptiker sofort nutzten, um von einem Ende des Abschmelz-Trends zu sprechen) - doch mit 4,7 Millionen Quadratkilometern lag sie wiederum weit unter dem langjährigen Mittel.
Gespannt schauen die Forscher nun auf den kommenden Sommer und die nächsten Messwerte für Ausdehnung und Dicke des Eises. Ende Februar war der Höhepunkt der winterlichen Ausdehnung erreicht - laut NOAA erstreckte er sich 2009 auf etwa 15 Millionen Quadratkilometer. Im kommenden Halbjahr schmilzt es nun wieder.
"Die Arktis wandelt sich schneller als gedacht", erklärte Overland . "Es ist eine Mischung aus natürlichen Schwankungen und erhöhten Temperaturen von Luft und Wasser infolge gestiegener Treibhausgas-Konzentrationen."
Schon 2037 könnte laut Overland und Wang der Punkt erreicht sein, wo sich am Ende von arktischen Sommern nur noch in Nordkanada und nördlich von Grönland Eisreste finden werden. Starke Winde drückten dort Schollen in mehreren Schichten übereinander und ließen dicke Presseisrücken entstehen. Bisher war eine eisfreie Arktis erst für das Ende des Jahrhunderts erwartet worden. Einzelne Modelle im Rahmen der neuen Studie kamen nun bereits auf 2020.
"Die Arktis wird auch der 'Kühlschrank der Erde' genannt", so Wang, "denn das Seeeis kühlt den Planeten, indem seine weiße Oberfläche Sonnenstrahlung zurück ins All reflektiert." Weniger Eis bedeute mehr dunkle Wasserfläche und dadurch eine vermehrte Absorption von Sonnenenergie - Wasser und Luft heizen sich auf. Im Klartext: Einmal angestoßen, würde sich der Prozess selbst befeuertn.
Foto: University of Washington/NOAA
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