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"CCS: Hier ist was faul im Staate Brandenburg"

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Von Falk Hermenau, Koordinator des gescheiterten Volksbegehrens "Keine neuen Tagebaue" in Brandenburg

 

 

 

 

   

 

Um das "CCS-Märchen" zu erzählen, muss ich etwas länger ausholen: Letzten Dezember beschloss ich - damals noch als viel beschäftigter Koordinator des Volksbegehrens gegen neue Tagebaue in der Lausitz - an einem Rundgang durch die neue CCS-Pilotanlage von Vattenfall zu riskieren. CCS, vielleicht wissen sie das, bedeutet "Carbon Capture and Storage": das Abscheidung und unterirdische Ablagern  von Kohlendioxid.    

Der Konzern hatte damals zu einem „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Doch so offen wie das Unternehmen immer tut, ist es gar nicht. Bereits bei der Anfahrt in Richtung Schwarze Pumpe fiel mir die erhöhte Präsenz der Polizei auf. Beim Erreichen des Besucherparkplatzes wurden alle Autos und Personen nach ihrem Anliegen gefragt – vielleicht fand ich das auch nur so einprägend, da mein Nummernschild auf einer extra geführten Liste vermerkt war. 

Ich fühlte mich etwas an die Filme über die Grenzkontrollen in der DDR erinnert. Getoppt wurde das nur noch von dem privaten Sicherheitsdienst in der Anlage selbst - dieser wurde extra für diesen Tag angeheuert. Solche Menschen kannte ich vorher nur aus der Diskotheken-Türsteher-Szene und von Nazi-Demos. So verwunderlich ist das aber auch nicht, denn die Unternehmenspolitik von Vattenfall arbeitet meiner Ansicht nach auch nicht immer mit "sauberen Methoden" - vor allem wenn es darum geht, Flächen für neue Braunkohletagebaue klarzumachen. 

Nach einer erneuten Kontrolle am Werkstor mit doppelter Polizeiwache und Werksschutz aus dem privaten Sicherheitsgewerbe, wurden die Besucher auf das Gelände gelassen. Im Festzelt angekommen, wurde die Intensiv-Betreuung nicht vernachlässigt.  Wie sich das gehört, waren im Zelt an jeder Ecke Sicherheitsdienstpersonal und Werksschutz. 

Unser Tourführer Herr S. erzählte uns selbstredend, was für eine "sagen"haft tolle Anlage wir nun besichtigen werden und wie wichtig CCS für die Braunkohle in der Region und auf der ganzen Welt sei. Bereits bei der ersten Station fragten wir einen Mitarbeiter, der am LKW für den CO2-Transport stand, wie viele LKW´s denn bereits vom Hof der sogenannten Pilotanlage gerollt seien. Seine Antwort war schlicht: „KEIN EINZIGER!“. Unser Tourguide meinte dazu nur Folgendes: „Die Anlage geht ja erst im Januar richtig in Betrieb, denn sie besteht aus drei Abschnitten und der Abschnitt für die CO2 Abscheidung ist noch nicht geprüft.“ 

Komisch – aus der Medienberichterstattung konnte man aber entnehmen, dass bereits im September 2008 die Anlage feierlich eröffnet wurde und voll in Betrieb gegangen ist. 

In der großen „Traumfabrik“ wurde uns dann an extra für den Tag angeschalteten Lüftern erklärt, wie hoch der Energieaufwand ist, um das CO2 abzuscheiden. Um es klar zu sagen: Der ohnehin schon geringe Wirkungsfaktor eines Braunkohlekraftwerkes wird mit einem eventuellen Einsatz der CO2-Abscheide-Technik noch einmal von 34 Prozet um weitere 8-15 Prozent gesenkt. Das heißt im Umkehrschluss, dass es einen Brennstoffmehrbedarf von bis zu 40 Prozent gibt. Für die Lausitz bedeutet das: Tagebau an Tagebau an Tagebau... 

Der Spannungsbogen des CCS-Märchens wollte gar nicht mehr aufhören: Auf die Nachfrage, wie viele Mitarbeiter denn aktuell in der Anlage arbeiten, bekamen wir zur Antwort: akkurate 4 Personen, die sich im Schichtdienst im Stellwerk aufhalten. Zur Begründung hieß es von einem Mitarbeiter: „Die ganzen Studenten und Wissenschaftler – oder wie auch immer die heißen, die an der Anlage forschen wollen - sind noch nicht da". 

Dazu fielen selbst mir dann kaum noch Fragen ein. Im Gespräch mit dem für PR-Sprecher der Anlage, bekam ich dann auf die während des Rundganges aufgekommen Widersprüche folgende Antwort: „Die Anlage ist im September im vollen Umfang in Betrieb gegangen, es wurden nach kurzer Zeit die Werte erzielt, die erzielt werden müssen und alles läuft nach Plan.“ 

Dieses Märchen wird auch nicht durch die Verleihung des - nun sehr fragwürdigen - Preises: „Ort der Ideen“ realistischer.  Hier ist was faul im Staate Brandenburg und ich kann mich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier der Öffentlichkeit, der Presse und der Politik etwas vorgelogen wird. 

Im letzteren Falle wurde dies sogar von Seiten unserer Landesregierung wissentlich in Kauf genommen, um nur ja keinen großen Spender aus dem Land zu vertreiben. Teile und herrsche  - Brot und Spiele: nach diesen Prinzipien hat es schon immer gut funktioniert. Warum denn auch nicht noch ein weiteres Mal? Nur das damit unsere Zukunft verspielt wird. Denn eines ist klar: Ein weiteres sinnloses Festhalten an der Kohleverstromung führt in eine Sackgasse.  

Statt auf Wissen wird hier wie bei Grimms Märchen an das heilbringende glückliche Ende der CO2-Abscheidung geglaubt, anstatt gleich auf Erneuerbare Energien zu setzen. Nur mit Wind, Sonne und Energieeffizienz können wir endlich mit dem ewigen "Es war einmal..." der Dinosaurier-Technologie ein für alle Mal Schluss machen.

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