Deutschland, der Strom-Export-Meister
Nach Berechnungen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) stieg der Primärenergieverbrauch in Deutschland im Jahr 2008 auf knapp 478 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten oder auf rund 14.000 Petajoule (PJ). Das waren etwa 1 Prozent oder reichlich 5 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten mehr als im Vorjahr. Begründung der Analytiker: Zum Anstieg trug vor allem der kältere Winter Ende 2008 im Vergleich zu 2007 bei, der die Nachfrage nach Wärmenergie anzog.
"Festzustellen ist auch, dass die Nachfrage nach Energieträgern in den Monaten November und Dezember vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krisenerscheinungen insbesondere aus dem industriellen Bereich teilweise kräftig gesunken ist", schreiben die Energetiker. Zu gut deusch: Ohne die kriselnde Wirtschaft wäre der Energiebedarf 2008 deutlich stärker als um 1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen wurde am 26. März 1971 in Essen von sieben Verbänden der deutschen Energiewirtschaft und drei auf dem Gebiet der energiewirtschaftlichen Forschung tätigen Instituten gegründet. Man kann also getrost behaupten, dass die Bilanzierer wirtschaftsnah sind. 2004 erfolgte eine Umgründung in einen Verein, der im September 2005 vom Amtsgericht Berlin Charlottenburg eingetragen wurde.
Das Energiejahr 2008 im Einzelnen: Der Verbrauch an Mineralöl stieg im Jahresdurchschnitt um rund 5 Prozent auf etwa 166 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten. Diese Entwicklung ist insbesondere auf die stark expandierende Nachfrage nach leichtem Heizöl zurückzuführen. 2007 hatten viele Verbraucher beim leichten Heizöl eine starke Kaufzurückhaltung geübt - des gallopierenden Ölpreises wegen. Diesel- und Flugkraftstoff verzeichneten wegen guter Verkehrskonjunktur 2008 einen Bedarfszuwachs von 3,4 sowie 1,4 Prozent. Alles in allem erhöhte sich der Anteil des Mineralöls am gesamten Energieverbrauch um knapp 1 Prozent auf nahezu 35 Prozent. Bedeutet: Mehr als ein Drittel des deutschen Energiebedarfes wird durch Erdöl gedeckt.
Der Erdgasverbrauch ging dagegen 2008 gegenüber dem Vorjahr um rund 1 Prozent auf 105,5 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten zurück. Deutlich - und zwar um rund 8 Prozent - erhöhte sich zwar der Erdgaseinsatz zur Stromerzeugung. Dagegen stagnierte der industrielle Erdgasverbrauch vor dem Hintergrund der konjunkturellen Eintrübung; in den Monaten November und Dezember gab es einen drastischen Nachfrageeinbruch.
Der Verbrauch an Steinkohle fiel im Jahre 2008 um etwas mehr als 7 Prozent auf 62,5 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten. Die Kraftwerke verringerten den Berechnungen zufolge ihren Bedarf um nahezu 9 Prozent. Der Kohlenverbrauch der Stahlindustrie nahm im Zuge der konjunkturellen Abschwächung um gut 4 Prozent ab. Der Wärmemarkt erreichte dagegen annähernd das Vorjahresniveau.
Der Braunkohlenverbrauch lag mit 53 Millionen Tonnen Steinkohleeinheitenum 3,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Die Veränderung ist im Wesentlichen auf die geringere Verfügbarkeit der Kraftwerke zurückzuführen, an die üblicherweise mehr als 90 Prozent der Förderung gehen. Die Stromerzeugung aus Kernkraftwerken erhöhte sich um 5,9 Prozent auf 55,4 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten.

Bei der Stromerzeugung rangiert die Braunkohle mit 23,5 Prozent knapp vor der Kernenergie (23,3 Prozent) an erster Stelle, gefolgt von der Steinkohle (20,1 Prozent) und dem Erdgas (13 Prozent). Der Beitrag der Wasserkraftwerke war niedriger als im Vorjahr (-3,9 Prozent), und der Beitrag der Windkraftanlagen stieg nach einem schwachen Ergebnis in den ersten neun Monaten insgesamt um 1 Prozent. Erneut steigerten den Zahlen zu Folge aber auch die erneuerbaren Energien ihren Beitrag zur Stromerzeugung: Der Anteil aller erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung macht nun 14,6 Prozent (Anteil am Stromverbrauch: 15,1 Prozent) aus; im Vorjahr betrug der Erzeugungsanteil noch 13,8 Prozent.
Im Jahr 2008 gab es mit 22,5 Milliarden Kilowattstunden wiederum einen Stromexportüberschuss, der sogar noch höher als im Vorjahr (rund 19 Milliarden Kilowattstunden) ausfiel. Zum Vergleich: Diese überschüssige Strommenge entspricht etwa dem, was zehn durchschnittliche Kohlekraftwerke pro Jahr erzeugen. Obwohl also immer mal wieder von der Energiewirtschaft versucht wird, eine "Oh-Gott-Deutschland-wird-in-die-Stromlücke-plumpsen"- Diskussion anzuzetteln belegen die nüchternen Zahlen: Deutschland ist Strom-Export-Meister.
Zusammengetragen und fotografiert von NICK REIMER
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