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PR-Gag Green IT

Ob downloaden, spielen oder surfen: der Energiebedarf der Informations- Sparte schießt bedrohlich in die Höhe. Bis jetzt ist Klimafreundliche  Computertechnik eine Nische. Politik und Hersteller wollen "Green IT" jetzt aber salonfähig machen. Sogar die Computermesse CeBit, die nächste Woche in Hannover beginnt, will sich dem Thema widmen

 Aus Berlin SUSANNE GÖTZE

Nicht nur in der Industrie und im öffentlichen Leben sind PCs nicht mehr wegzudenken. Auch in fast jedem Privathaushalt gibt mittlerweile einen oder mehrere Rechner. Trotzdem redet beim Klimaschutz so gut wie keiner über Computer und Handys, sondern über den Flugverkehr, das Auto oder die Glühbirne.

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Doch mittlerweile hat der Energie- und Materialverbrauch der Branche unübersehbare Höhen erreicht: Laut dem Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) verbrauchen Geräte der Informations- und Kommunikationstechnologie - ihre Herstellung einmal ausgeblendet - mittlerweile über 10 Prozent des deutschen Stromes. Damit ist die I- und K-Technologie für jährlich 33 Millionen Tonnen Kohlendioxid verantwortlich. Das ist soviel wie der innerdeutsche Flugverkehr. An die 10 Kraftwerke mittlerer Größe müssten allein für Computer und Handys in Deutschland betrieben werden. 

„Der Stromverbrauch wächst auch stetig an, da der Trend zum downloaden – immer und überall – zunimmt, ob mit dem Handy, dem mobilen Laptop oder dem PC“, erklärte Siegfried Behrendt vom IZT am Dienstag auf einer Veranstaltung des Instituts in Berlin zum Thema „Grüner Surfen“. Der steigende Strombedarf durch Rechenleistung würde den Klimaschutz regelrecht konterkarieren. Behrendt geht davon aus, dass der Verbrauch in den nächsten 10 Jahren voraussichtlich noch mal um 20 Prozent ansteigen wird.  Ins Gewicht fällt dabei, dass immer größere Mengen aus dem Netz herunter- oder hochgeladen würden. 

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CeBit-Messe: Halle 8 über Green IT 

Eine Möglichkeit, Energie zu sparen, ist die Rechenvorgänge zu bündeln. Das erklärte Mario Tobias vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM). Mit so genannten „Thin Client“, also dünne Dienstnutzern, könne Hardware und Energie gespart werden. In einem Unternehmen müsse dann eben nicht mehr jeder Angestellte einen eigenen Rechner haben, sondern alles könne in einem Großrechner gebündelt werden, so Tobias. Er verwies auf eine aktuelle Studie des Fraunhofer Instituts , die auf die Kostenvorteile besonders für standardisierte Arbeitsplätze eingeht. 

Effizienzgewinne und Klimaschutz ist aber auch in anderen Bereichen gerade durch die richtige Anwendung von Kommunikationstechnologie möglich, so der BITKOM-Vertreter weiter. So könnten beispielsweise durch den Einsatz modernster Videotechnik längere Dienstreisen vermieden werden: „Mit einer Videokonferenz können sehr schnell Mitarbeiter aus der ganzen Welt zusammen gebracht werden – dann werden lange Anfahrtswege und der hohe Zeitaufwand von Dienstreisen überflüssig“, erklärte Tobias. 

Dass es hier enorme Einsparpotentiale gibt, belegt auch eine jüngere Studie des World Wild Fund For Nature (WWF) und der Vereinigung europäischer Telekommunikationsanbieter (ETNO). Demnach könnten in der EU tatsächlich allein durch eine 20 prozentige Einsparung aller Geschäftsreisen die Kohlendioxid-Emission um 22 Millionen Tonnen pro Jahr reduziert werden. 

BITKOM stellt diese Möglichkeiten der CO2-Einsparung durch und im Kommunikationsbereich zusammen mit dem Bundesumweltministerium auf der CeBit in Halle 8 vor. In einem Vor-ab-Grußwort erklärt Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, dass mit den bereits verfügbaren energieeffizienten Technologien in Deutschland bis 2013 insgesamt 25,8 Terawattstunden beziehungsweise 15,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden könnten. 

Das Umweltministerium schmückt sich damit, bei seiner Beschaffungspolitik schon lange auf Green IT zu setzen. Dadurch sei der Stromverbrauch des Rechenzentrums um rund 60 Prozent reduziert worden. Das entspreche einer Senkung der CO2-Emissionen um rund 44 Tonnen pro Jahr.energy_star_logo.svg.png
Label der EU für energiesparende Bürogeräte 

Doch in der Podiumsdiskussion des IZT gab BITKOM-Vertreter Tobias zu, dass vor allem die privaten Endkunden das Problem seien. Dort sei das Bewusstsein für Green IT noch so gut wie gar nicht vorhanden. Allerdings ist das bei der bisherigen mangelhaften Verbraucherpolitik rund um IT auch kein Wunder. 

Derzeit existiert nur eine unübersichtliche Kennzeichnung von Produkten. Neben dem herkömmlichen Blauen Engel, gibt es noch das Siegel „Energy Star“, eine EU-Norm für besonders energiesparende Bürogeräte. Eine Kennzeichnung des Energieverbrauchs wie etwa bei Kühlgeräten oder Waschmaschinen, gibt es für IT-Geräte bis jetzt noch nicht. 

Auf Nachfrage konnte die Vertreterin des Bundeswirtschaftsministerium, Stephanie Kage, auf der IZT-Veranstaltung auch nur vage Auskünfte geben. Man sitze mit der Industrie und Verbraucherverbänden an einem Tisch und berate über „Mindesteffizienzstandards“, hieß es von ihrer Seite. Wann und ob Standards oder Kennzeichnungen kommen, konnte sie allerdings nicht sagen. 

Umweltschützer fordern dagegen schon seit längerem ein verbindliches Energiespar-Ranking. Greenpeace und der BUND untersuchen schon seit Jahren auf eigene Faust die Umweltverträglichkeit von Computerzubehör. Der BUND-Energieexperte Christian Noll schimpfte erst diese Woche in einem Interview, dass Green IT bis jetzt nicht viel mehr als ein PR-Gag sei. 

Das sieht auch IZT-Geschäftsführer Rolf Kreibich so: „Bei Politik und Industrie hat sich hinsichtlich Green IT lange nichts getan. Die Normung der Geräte und die Einführung verbindlicher Energieeffizienzstandards ist regelrecht verschleppt worden“. Es sei nun an der Zeit der Politik Beine zu machen. Kreibich bemerkte zudem, dass auch im IT-Bereich keine Selbstverpflichtungen greifen würden, sondern allein ordnungspolitische Maßnahmen einen grundlegendes Umdenken herbeiführen könnten. 

Nicht ohne Grund erinnert das Thema auch an die lange Diskussion um das Verbot von Stand-By-Geräten. Nur langsam kommt man auch hier zu der Erkenntnis etwas zu tun - obwohl klar ist, dass diese Funktion Strom von mehreren Großkraftwerke verbraucht. 

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Greenpeace-Ranking für elektronische Geräte
 

Bis zu einer ausführlichen Kennzeichnung von IT-Produkten und neuen ökologischen material- und energiesparenden Angeboten seitens der Hersteller kann der private Nutzer allerdings nicht viel mehr machen, als weiterhin die Steckerleiste komplett auszuschalten und den Rechner nicht nur laufen zu lassen, um sich Musik oder Filme zu ziehen. Letzteres schon im Interesse seiner Stromrechnung.   

Fotos: Wikipedia, Greenpeace, CeBit

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