Klimaschutz ab jetzt mit IRENA
Mehr als hundert Staaten gründen am Montag in Bonn die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA). Über 50 Länder werden das Gründungsstatut vor Ort unterschreiben. Damit soll die Branche von einem umweltpolitischen Anhängsel zu einem ernsthaften Wirtschaftsfaktor werden, erklärte Umweltminister Gabriel letzte Woche in Berlin bei der Vorstellung der Agentur. Im In- wie im Ausland müsse die Rolle der Erneuerbaren im Energiemix gestärkt werden. Angesichts des Gasstreits der vergangenen Wochen betonte der Umweltminister, dass nicht Kernkraft, sondern Wind-, Solarenergie und Biomasse die Zukunft der deutschen Energieversorgung seien und für Unabhängigkeit sorgen würden. Denn sein Kollege vom Wirtschaftsministerium, Michael Glos, folgerte vor kurzem aus dem Gasstreit mit der Ukraine, dass man wieder verstärkt auf Kernkraft setzen müsse. Das lehnt der SPD-Minister aber entschieden ab.
Derzeit liegt der Anteil der Erneuerbaren an der deutschen Stromerzeugung bei rund 15 Prozent. Bis 2020 will man diesen Anteil noch einmal verdoppeln. Die neue internationale Agentur könne dabei hierzulande zu einem beschleunigtem Ausbau beitragen, meint der Umweltminister. Dabei gehe es vor allem um das Image des Ökostroms und einem festen Platz der Erneuerbaren im deutschen Energiemix.
Chancen sieht die Bundesregierung beim Export der Erneuerbaren. "Die Agentur soll den Technologietransfer unterstützen, Kontakte herstellen und mit 'best-practice-Beispielen' vorangehen", so Gabriel. Schon heute fließen 625 Millionen Euro des BMZ-Portefolios in den Ausbau regenerativer Energien. Für Entwicklungsländer sind Erneuerbare vor allem eine Chance, kostengünstig eine flächendeckende Energieversorgung aufzubauen. Laut Entwicklungsministerium leben weltweit immer noch 2 Milliarden Menschen ohne einen Stromanschluss. Weil erneuerbare Energieerzeugung dezentral angelegt ist, können so auch abgelegene, ländliche Gebiete mit wenig Aufwand versorgt werden. Kein Wunder also, dass 60 Prozent der Teilnehmer bei der IRENA-Gründungsveranstaltung aus Entwicklungsländern kommen.
Ein Beispiel ist Indien: Das Land hat sich vorgenommen, alle Haushalte in den nächsten elf Jahren elektrisch zu versorgen. Davon könnten dann vor allem deutsche Unternehmen profitieren, die entsprechende Technik exportieren und vor Ort installieren sollen, hofft Gabriel. Da jede Region andere geographische Merkmale aufweist, sollen diese Erfahrungen und das Wissen bei IRENA gebündelt und stetig erweitert werden.

Strom für Deutschland: Solaranlagen in der Sahara?
Das könnte auch für die deutsche Energieversorgung wichtig werden. Angesichts des Gasstreites hatte der Wirtschaftsausschuss der Bundesregierung letzte Woche erklärt, der Bau von Solarkraftwerken in der Wüste Sahara sei langfristig eine Alternative zur Nutzung des Erdgases. Überraschenderweise sprechen sich alle Fraktionen im Bundestag für diese Idee aus. Laut Regierung wird auch in Frankreich und Ägypten schon länger überlegt, in der Sahara in größerem Umfang Solarkraftwerke zu bauen und den Strom nach Europa zu liefern.
Wo die IRENA zu Hause sein wird, ist noch unklar. Im Gespräch ist Bonn als Hauptsitz, da die Agentur ursprünglich eine deutsche Initiative war. Dies wird voraussichtlich auf der ersten Konferenz von IRENA im Juni entscheiden.
KATHARINA STILLWASSER
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 14 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Überraschung der Woche
Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Ich liebe es! Einmal den Uli Hoeneß machen, auf jedes Umweltgewissen pfeifen und beim Burgerbrater um die Ecke so richtig die Ökosau rauslassen - wäre das nicht irgendwie herrlich? Nun ja ... Lesen Sie selbst!
Von Georg Etscheit [mehr...]
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet
Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13








