Vattenfall sucht einen Ort zum Verweilen
Vattenfall will mit dem "kohlendioxidfreien" Kohlekraftwerk die Welt retten: In der Spremberger Pilotanlage im Industriepark Schwarze Pumpe experimentiert der Konzern derzeit die CCS-Technologie zur Abscheidung des klimaschädlichen Treibhausgases. Das mit dem so genannten Oxyfuel-Verfahren abgeschiedene und verflüssigte Kohlendioxid soll, so der Plan, in Salzwedel in Sachsen-Anhalt unterirdisch gespeichert werden.
Dort will man es Vattenfall nun aber doch nicht so einfach machen: Wie die taz berichtete, hat man grundsätzlich zwar nichts gegen die Einlagerung des Kohlendioxidabfalls. Aber nur, wenn für die Leistung entsprechend bezahlt würde. Man nehme schließlich Müll für ein paar Jahrhunderte auf, so das Magdeburger Wirtschaftsministerium.
Im Poker um das mögliche Endlager hat der Konzern unter Umständen keine Alternative zu Salzwedel: Weil das verflüssigte Kohlendioxid aus Schwarze Pumpe leicht verunreinigt ist, komme etwa ein anderes Forschungsgebiet zur Endlagerung in Ketzin erst gar nicht in Frage. Und auch wenn das Verbuddeln des Kohlendioxidmülls laut Vattenfall "völlig risikolos" sei, begründete Bedenken bleiben. Klimaexperte Karsten Smid von Greenpeace zieht gegenüber der taz den Vergleich zum Atommülllager Asse heran: Auch das habe als sicher gegolten und sei jetzt durch die Einsturzgefährdung eine Gefahr für die Anwohner.
Jetzt heißt es "dicht halten" für Konzern Vattenfall, der bislang mit einer kostenlosen Einlagerung in Salzwedel rechnete, wo die Einlagerung in einem Erdgasfeld durch eine Erhöhung des Förderdrucks auch dem Abbau des Erdgases dienlich sein soll. Zusätzlicher Druck kommt offenbar auch von der brandenburgischen Landesregierung: Die Aufschließung neuer Tagebaue soll nur dann genehmigt werden, wenn die CCS-Technologie erfolgreich ist.
Dass selbst Erfolge relativ bleiben, hatten die Kollegen vom dänischen Energiekonzern Dong Energy erst kürzlich in einer verichtenden Bilanz zu ihrer Versuchsanlage "Castor" zugeben müssen. Dort wird die Abscheidung des Kohlendioxids durch die so genannte Post-Combustion-Capture erprobt, bei dem das Rauchgas nach dem Verbrennungsprozess gekühlt und entschwefelt wird, um dann das Kohlendioxid herauszuwaschen. Das Problem: Es rechnet sich nicht. Bis zu 70 Prozent mehr Brennstoffe verschlingt Castor, um die selbe Menge Strom zu produzieren wie ohne aufwendige Abscheidungstechnologie.
Die Abscheidungsverfahren von Dong Energy und Vattenfall seien vergleichbar, sagt Smid, und mit ihnen auch potentielle Schwierigkeiten. Einfach unter den Teppich kehren lässt sich auch diese Problem offenbar nicht.
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