Streit zum Schluss
"Wir bewegen uns auf die Phase der Verhandlungen zu", kommentierte Klimachef Yvo de Boer. Aha. Jetzt zum Schluss?
Aus Poznan Nick Reimer
Bis um drei Uhr in der Frühe mussten am Samstag die Delegierten durchhalten, bis der COP-Präsident endlich die 14. Weltklimakonferenz schloss. Und es gab zu guter Letzt dann doch noch einmal Streit: Die Industriestaaten blockten in der Nacht einen Vorstoß der armen Länder ab, schon jetzt Milliardenbeträge für die Hilfe zur Anpassung an den Klimawandel zu zu sichern. Erwartet werden maximal 300 Millionen Dollar pro Jahr. Umweltschützer beziffern den Bedarf dagegen mittelfristig auf jährlich 50 Milliarden Dollar.
Es geht um den Anpassungsfonds: Der kann zwar ab sofort arbeiten, umfasst bislang aber nur etwa 300 Millionen Euro. Wobei auch diese Summe noch nicht klar ist: Im Fonds sind genau genommen nur Zertifikate, also Aktien, die erst auf dem Markt verkauft werden müssen. Und dort gab es wie an den Börsen zuletzt heftigste Turbulenzen. Die Entwicklungsländer verlangten schon jetzt eine Zusage der reichen Länder, auch auf andere internationale Klimaschutzgeschäfte Abgaben zu erheben, vor allem auf den Emissionshandel.

In der Mitte: Yvo de Boer (Foto: Reimer)
Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) signalisierte dazu grundsätzliche Bereitschaft, setzte sich aber in der EU nicht durch. Vor allem die Osteuropäer und Malta sperrten sich gegen eine Idee, zwei Prozent des europäischen Zertifikatehandels in den Anpassungsfonds zu speisen. Andere Industrieländer wollten mit Zusagen warten, bis in einem Jahr das Gesamtpaket verhandelt wird. Vertreter aus Entwicklungs- und Schwellenländern wie Costa Rica und Indien reagierten empört. UN-Klimachef de Boer räumte ein, es habe "einige Bitterkeit" bei den Gesprächen gegeben.
"Wir bedanken uns bei den Entwicklungsländern" für deren Zustimmung, sagte Gabriel und meinte damit alle anderen Beschlüsse, die auf der Konferenz gefällt wurden. Er räumte ein, dass die Gegenleistung der reichen Länder des Nordens gering war: Weder gab es Festlegung auf konkrete Emissionsziele - das verhinderten Japan, Australien und Russland - noch gab es mehr Geld für den Anpassungsfonds. "Wir bewegen uns auf die Phase der Verhandlungen zu", kommentierte de Boer den teils harschen Umgangston.
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