Greenpeace: Dienstwagen sind Klimaschweine
Der Maybach ist die Super-Luxus-Limousine von Mercedes Benz: etwa sechs Meter lang, knapp drei Tonnen schwer, die Motorenpalette beginnt bei 550 PS - pro gefahrenem Kilometer stößt solch ein Auto 390 Gramm Kohlendioxid aus, im Stadtverkehr gar 585 Gramm. Im vergangenen Jahr wurden davon exakt 29 Stück in Deutschland neu zugelassen, und alle 29 werden vom Staat, also von jedem Steuerzahler subventioniert. Denn, darauf wies Greenpeace-Verkehrsexperte Marc Specowius heute auf einer Pressekonferenz in Berlin hin, alle Maybachs, die im vergangenen Jahr neu auf die Straße kamen, waren Dienstwagen. Und für sie gelten äußerst vorteilhafte steuerliche Sonderregeln.

Die drei meistsubventionierten Dienstwagen laut Greenpeace: Mercedes Benz S 500 (rechts), Audi A 6 (Mitte) und BMW 750i
Foto: Paul Langrock/Zenit/Greenpeace
Seit Jahren weisen Umweltschützer darauf hin, dass der Anteil von Dienstwagen an den Neuzulassungen steigt. Für das vergangene Jahr meldete das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg nur noch 1,1 Millionen neue Privatautos (nach 1,6 Mio im Vorjahr). Bei Firmenwagen war dagegen ein Zuwachs auf 1,9 Mio. zu verzeichnen (Vorjahr: 1,7 Mio). An der Gesamtzahl der Neuzulassungen hatten Firmenwagen 2007 bereits einen Anteil von 61,9 Prozent - und je größer die Wagen, desto höher der Anteil. Audi, BMW und Mercedes verkaufen ihre A8, 7er und die S-Klasse jedenfalls kaum noch an Privatleute. Bei den sogenannten SUV, den monströsen Freizeit-Geländewagen, machen Firmenzulassungen laut Greenpeace etwa 90 Prozent aus - und nur die wenigsten Halter sind etwa Förstereien oder freiberufliche Landvermesser, die dienstlich auf Schlammpisten unterwegs sind.
Die Gründe dafür sind klar: Privatleute halten sich derzeit beim Autokauf zurück, zu unsicher ist die Zukunft der Spritpreise und der Kfz-Steuer. Unternehmen aber können (wie auch Freiberufler) die Kosten ihrer Autos zum großen Teil auf die Allgemeinheit abwälzen: Nicht nur der Kaufpreis ist steuerlich absetzbar, sondern auch Wartung und Spritkosten. Angestellte mit Dienstwagen versteuern pauschal ein Prozent des Wagenpreises als "geldwerten Vorteil" - der reale Nutzen aber ist viel höher, sie können privat besonders billig fahren. Immer mehr Firmen bieten immer mehr Angestellten statt einer Gehaltserhöhung einen Dienstwagen - weil es für sie das billigste ist. Nicht aber fürs Klima. Weil Firmenwagen nämlich nach wenigen Jahren weiterkauft werden, werden diese Neuzulassungen mit ihren hohen CO2-Werten auf viele Jahre den deutschen Fahrzeugpark prägen.
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert deshalb neue Regeln für die steuerliche Behandlung von Dienstwagen. Das Konzept, erarbeitet vom Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS), sieht finanzielle Anreize vor Dienstwagen mit niedrigem Verbrauch, würde klimaschädliche Fahrzeuge dagegen deutlich belasten. Anders als Reformvorschläge etwa vom Verkehrsclub VCD oder von Bündnis 90/Die Grünen will Greenpeace, dass auch Angestellte mit Dienstwagen merken, welche Art von Auto sie fahren: Je klimaschonender es ist, desto geringer ist die Belastung bei der persönlichen Einkommensteuererklärung.
"Wer als Unternehmer oder Dienstwagennutzer nachhaltig und klimabewusst handelt, muss dafür auch belohnt werden", fordert Greenpeace-Mann Specowius. "Es ist ein klimapolitisches Unding, dass durch das aktuelle Steuersystem die größten Spritfresser auf unseren Straßen von der Allgemeinheit subventioniert werden. Jeder Steuerpflichtige zahlt pro Jahr 132 Euro für die schlimmsten Klimaschweine."
Greenpeace und das FÖS haben ihr Modell so gestaltet, dass eigentlich niemand etwas dagegen haben könnte: Es gilt nur für Neuzulassungen, Unternehmen werden also für ihren bestehenden Fuhrpark nicht höher belastet. Die Grenze für den Klima-Bonus bzw. -Malus eines Dienstwagens wird auf Jahre im Voraus festgesetzt und ist damit für alle Einkäufer kalkulierbar. Bei sparsamen Verhalten können Firmen, Freiberufler und Angestellte jede Menge Geld sparen. Auch der Bundesfinanzminister hätte unterm Strich mehr Einnahmen in der Kasse. Gar nicht gefallen dürfte der Vorschlag dagegen den deutschen Autoherstellern: Sie haben sich in den letzten Jahren aufs oberste (und klimaschädlichste) Marktsegment konzentriert, und je teurer ein Auto, desto größer ist in der Regel auch der Gewinn, den sie machen.
Toralf Staud
Details zum Greenpeace/FÖS-Modell mit vielen Zahlen und Tabellen finden Sie hier.
Titelbild: Mercedes-Benz-Dienstwagen im Berliner Regierungsviertel (Foto: Santiago Engelhardt/Greenpeace)
Fotos: Greenpeace, PKZ
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