De Boer: Abkommen für 2010 bereits abgehakt
Zwei zusätzliche Treffen sollen den Klimazug auf dem Weg zum nächsten Klimagipfel in Mexiko wieder auf Kurs bringen. Einen genauen Fahrplan gibt es noch nicht - und auch die Rolle des Copenhagen Accords bleibt nach drei Tagen Diskussion ungeklärt
Aus Bonn SARAH MESSINA
"Über Ort und Dauer wird noch diskutiert", sagt UN-Klimachef Yvo de Boer am Sonntag: Fest stehe aber bereits, dass es auf dem Weg nach Cancun zwei zusätzliche Treffen neben der bereits angesetzten Juni-Konferenz in Bonn geben soll - eines im August und eines im September. Der Kopf des UN-Klimasekretariats wird bei diesen zusätzlichen Verhandlungen schon nicht mehr dabei sein: de Boer hatte bereits im Februar seinen Rücktritt zum 1. Juli bekanntgegeben. Seine Nachfolge ist noch offen und ein weiterer unsicherer Ball, mit dem die Klimadiplomatie nach Kopenhagen jonglieren muss.
Auf viel mehr als zusätzliche Verhandlungszeit konnten sich die Delegierten nach drei Tagen Verhandeln nicht einigen. Welches Ziel in Mexiko erreicht werden soll, ist noch immer eine große Leerstelle im "Fahrplan" für 2010. Der Abschluss eines bindenden Klimaabkommens sei in Mexiko kaum möglich, sagte de Boer am Sonntag: "Wir müssen unterscheiden, was wir bis Mexiko schaffen müssen, und was erst einmal liegenbleiben kann".

Das Scherbengericht: Klimaschützer hatten am Freitag den 2.000 Delegierten vor den Tagungsort gekippt, was sie von deren Arbeitsweise halten. (Foto: Germanwatch)
Wichtiger als das Anstreben eines großen bindenden Abkommens sei die Einigung auf eine "grundsätzliche Architektur" und das Arbeiten an Einzelelemten wie der Anpassung, Technologietransfer oder Waldschutz (REDD): "Anders als bei den Reduktionszielen und der Finanzierung sind wir damit in Kopenhagen sehr weit gekommen", sagte der UN-Klimachef - und betonte, zu einem wirksamen Klimaabkommen sei es "ein langer Weg" - auf dem Mexiko und der darauf folgende Klimagipfel 2011 in Südafrika nur kleinen Schritte seien.
Wo der Copenhagen Accord dabei im Verhandlungsgefüge einzuordnen ist, "bleibt weiterhin unklar", sagte de Boer auf seiner Abschluss-Presse-Konferenz in Bonn. Weiterverhandelt wird dem Klimachef zufolge auf der Basis eines Textentwurfs, den die Vorsitzenden der Hauptverhandlungsgruppen bis zum nächsten Treffen im Juni formulieren sollen. Darin sollen "alle Ergebnisse" von Kopenhagen mit einbezogen werden, also sowohl der letzte Stand der offiziellen "drafts" der Arbeitsgruppen als auch der Copenhagen Accord.
"Wir haben seit Bali zwei Jahre lang darauf hin gearbeitet: In Kopenhagen hätten mindestens die wenigsten Punkte eines neuen Klimaabkommens geklärt werden sollen", sagte de Boer: "Leider ist es dazu nicht gekommen". Eines der Probleme von Kopenhagen sei die späte Beteiligung der Staats- und Regierungschefs gewesen, so der Klimachef: Wäre der Copenhagen Accord früher auf den Tisch gekommen, hätte der Entwurf für das Papier als Start- und nicht als Endpunkt der Verhandlungen noch neue Impulse geben können.
In Cancun müsse die Weltgemeinschaft zumindest Teilergebnisse vorlegen, um dann auf der nächsten Weltklimakonferenz 2011 in Südafrika zu einem erfolgreichen Abschluss kommen zu können, sagte de Boer: "Noch einmal zu Scheitern können wir uns nicht mehr leisten".
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