Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Müllsammler sind Klimaschützer

Was hat der Papierkorb mit steigenden Temperaturen zu tun? Eine Menge. Das haben mehrere Organisationen der sogenannten „waste pickers", also Müllsammler, bei der Konferenz der Klimarahmenkonvention in Bonn erklärt. Müllverbrennungsprojekte zur Energieerzeugung, die mit CDM-Mechanismen gefördert werden, tragen nämlich sowohl zu gesteigertem Rohstoffverbrauch als auch zu hohen Kohlendioxidemissionen bei.

aus Bonn LUISE NEUMANN-COSEL

Müll sammeln, sortieren und recyceln - was bei uns oft nebenbei erledigt wird, ist in Asien und Lateinamerika eine häufige Methode, den Lebensunterhalt zu verdienen. So häufig, dass weltweit etwa ein Prozent der Bevölkerung Abfall sortiert und davon lebt. Die Müllsammler verdienen in asiatischen Ländern meist nicht mehr als vier US-Dollar am Tag, im südamerikanischen Raum sind es zwischen fünf und zwanzig. Oft ist die ganze Familie von diesem Einkommen abhängig. Trotz des relativ geringen Ansehens und Verdienstes haben sich Müllsammler sowohl in Asien als auch in Südamerika in Organisationen zusammengetan. Der Beruf "waste picker" ist mittlerweile in vielen Ländern offiziell anerkannt. Im spanisch sprachigen Raum wird der Beruf oft gar nicht "Müllsammler", sondern "Lebens-Recycler" genannt.

waste.jpg
Recycling von Plastikflaschen in Indien

Der Begriff ist treffend: Man sieht sich in diesem Arbeitsfeld als Kämpfer gegen eine globale Rohstoffkrise. "Und das ist sie doch, die Klimakrise: eine Rohstoffkrise, nichts anderes." Neil Tangri ist Mitglied der Global Alliance for Incinerator Alternatives (GAIA), einem internationalem Netzwerk von Organisationen und Aktivisten gegen Müllverbrennung. GAIA und mehrere andere Organisationen von Müllsammlern, Recyclern und Verbrennungs-Gegnern sprachen in Bonn am Rande der UN-Klimakonferenz vor den Teilnehmern, um sie von der Notwendigkeit des Recycling zu überzeugen.

Der Hintergrund dieses eher ungewöhnlichen Beitrags zur Klimakonferenz sind die viel kritisierten Clean Development Mechanismen (CDM). Weltweit mehr als 300 von Industriestaaten finanzierte Projekte in Entwicklungsländern gibt es, bei denen Energie durch Müllverbrennung erzeugt werden soll. Eigentlich keine so schlechte Idee: Der Abfall, der nicht mehr gebraucht wird, kann so noch als (Energie-)Rohstoff dienen. Die Projekte stoßen aber bei Müllsammlern auf großen Protest, sorgen sie doch dafür, dass diese ihrer Erwerbsgrundlage beraubt werden. Die indische Aktivistin Baida Gakwad klagt an, dass ausgerechnet die ärmsten Arbeiter der Gesellschaft unter diesen Projekten zu leiden hätten.

"Null Müll für null Emissionen"

Nun haben die Müllsammler auch noch ein weiteres Argument vorgebracht, dass die Klima-Verhandler bei der UN überzeugen soll: Müllverbrennung zur Energieerzeugung ist in jeder Hinsicht klimaschädlich. Da sind zunächst die Emissionen bei der Verbrennung: 1355 Gramm Kohlendioxid werden für eine Kilowattstunde Strom emittiert - das sind noch einmal 300 Gramm mehr als der eigentlich größte Klimasünder Braunkohle. Wenn auch in Betracht gezogen wird, dass wertvolle Rohstoffe wie Plastik, Papier und Aluminium verloren gehen, verschlechtert sich die Klimabilanz der Müll-Energie noch zusätzlich. "Wenn Papier zur Stromerzeugung verbrannt wird, muss für das nächste Papier ein neuer Baum gefällt werden, dazu kommt der Energieverbrauch für Herstellung und Transport - das alles ergibt weder aus der Klima- noch aus der Rohstoffperspektive Sinn", erklärt Tangri. Wer das Klima schützen wolle, müsse möglichst wenig Müll produzieren und diesen dann umfassend recyceln, statt viel Abfall zu produzieren und damit verlustreich Energie zu produzieren: "Null Müll für null Emissionen" lautet daher das Credo der Aktivisten.

incineration.jpg
Müllverbrennung zur Energieerzeugung: Noch schlimmer als Braunkohle

Der Rückschluss ist also: "Wir Müllsammler sind hocheffiziente Unternehmer im Kampf gegen den Klimawandel", finden die Anwesenden auf der UN-Konferenz. Nun fordern sie nicht nur, dass ihre Rolle als solche auch wahrgenommen wird, sondern auch einen Stopp der CDM-Projekte, die das Handwerk Müllsammler bedrohen. Stattdessen sollten besser Technologien und Konzepte wie Kompostierungs- und Recyclinganlagen gefördert werden, die laut Informationen von GAIA 25-fach effektiver im Bereich der Emissionsminderung als die Energieerzeugung aus Abfallverbrennung seien.

 

FOTOS: NICOLE MACKENZIE, M. BOECKMANN

Zurück zum Dossier: Weltklimakonferenz in Bonn

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

Meinungen: Überraschung der Woche

Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne

Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Noch nicht einmal 50 von 2.000

Der Ausbau der Offshore-Windkraft stockt - trotz üpiger Fördererhöhung durch die Bundesregierung. Schuld sind natürlich die Behörden, klagt RWE. Echt? Lesen Sie mal! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]