Zahlenspiele auf japanisch

Premiere: De Boer fehlen auf der Klimakonferenz in Bonn die Worte
aus Bonn SARAH MESSINA
Verkauft hat Premierminister Aso seinen Auftritt gut: Diskutiert wurden im Vorfeld Zahlen von vier Prozent Emissionszunahme bis 25 Prozent Reduktion gegenüber 1990 - bis zum Jahr 2020. Am Mittwoch legte also Aso die Entscheidung auf den Tisch: Japan will sich zu einer Treibhausgasreduktion von 14 Prozent bis 2020 bereiterklären. Mit Bezugsjahr 2005.
Ein schlauer Zahlentrick, findet Kimiko Hirata vom Kiko Network in Japan. Gegenüber 1990 entspreche das jedoch lediglich einer Reduktion von sieben bis acht Prozent. Japan rühme sich damit, schon in der Vergangenheit viel für die Reduktion von Treibhausen getan zu haben und Vorreiter in Sachen Energieeffizienz zu sein. "Die Emissionen Japans sind seit 1990 jedoch um etwa neun Prozent gestiegen", sagt Hirata. Selbst vom Kyoto-Ziel, das Nippon eine Reduktion von sechs Prozent bis 2012 vorschreibt - ist Japan damit weit entfernt.
"Absolut frustrierend", nennt Ziaul Hoque Mukta von Oxfam Bangladesh die Ankündigung Asos. Ein schwaches Klimaziel sei rücksichtslos gegenüber Staaten, die bereits heute unter den Folgen des Klimawandels leiden. "Wir erwarten mehr von Japan und den anderen Industrieländern", so Mukta.
Japan zeige sich mit diesem Klimaziel als ein Land, "dass offentlichtlich kein Interesse an der produktiven Mitarbeit an einem internationalen Klimaabkommen hat", sagt Kim Carstensen vom WWF International. Den UN-Verhandlungen werde das Klimaziel Japans kaum helfen: Stattdessen könnte Parteien wie die EU oder Australien bremsen, die die Höhe ihrer Treibhausgasreduktion bis 2020 auch von den Verpflichtungen anderer Staaten abhängig machen.
Allerdings scheint Japan in bester Gesellschaft: Die Gesamtreduktion der Industrieländer liegt mit den derzeit vorgelegten Zahlen bei um die zehn Prozent bis 2020 gegenüber dem Stand von 1990. Zu wenig: 25 bis 40 Prozent sind laut jüngstem Sachstandsbericht des Weltklimarats nötig, um die Erhöhung der Durchschnittstemperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen und die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden.

Japans Premier als neuer Bush: Der Negativpreis "Fossil of the Day" geht an George W. Aso FOTOS: MESSINA
Vom Zahlendreh zu Wortspielereien: Auf die Frage, wie das Klimaziel Japans zu bewerten sei, setzt UN-Klimasekretariatschef Yvo de Boer am Mittwoch auf ein mysteriöses Lächeln: "Dafür finde ich keine Worte". Das will schon etwas heißen, denn die Rhetorik ist nun wirklich kein Problem de Boers. Erst nach wiederholter Nachfrage lässt er sich zur Aussage durchringen: "Wir sind noch weit, weit entfernt von ambitionierten Klimazielen".
Diese Ansage geht nicht nur an Japan, sondern an sämtliche Industrieländer. Im Gegensatz zur Arbeitsgruppe unter der Klimarahmenkonvention, die in den vergangenen Tagen "produktiv" am Verhandlungstext gearbeitet habe, sei die Kyoto-Gruppe kaum vorwärts gekommen, so der Klimasekretariatschef. Und vermied fortan weitere Bemerkungen in Richtung Tokio.
Klare Worte fanden stattdessen die Aktivisten vom Fossil of the Day für das wenig amitionierte Klimaziel Japans: Sie kürten Premier Aso als großen Blockierer kurzerhand zum neuen George W. Bush. Und machten aus dem Land der aufgehenden Sonne das Land des steigenden Meersspiegels.
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