Der diesjährige Gastgeber blockt
Sonntag, 7. Dezember, 22 Uhr. „Die Dinge sind auf einem guten Weg“. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy ist voller Optimismus. So wie einst die deutsche Kanzlerin Angela Merkel mit ihrer Klimapolitik auf der internationalen Bühne in die Geschichtsbücher einging, so will auch Sarkozy, der amtierende EU-Ratsvorsitzende, Geschichte schreiben. Die Dinge sind deshalb auf gutem Weg, was natürlich nichts anderes bedeutet als: Es steht ziemlich schlecht.

Fotos: Weihnachtsmärkte in Poznan
Am Wochenende war Sarkozy nach Danzig
gefahren, um mit den osteuropäischen EU-Staaten über deren
starrköpfige Haltung zu den EU-Klimazielen zu diskutieren. Polens
Ministerpräsident Donald Tusk ist derzeit nicht nur Gastgeber der
Weltklimakonferenz, Tusk ist auch Oberbremser was den geplanten
Emissionshandel der EU betrifft. Man muss das verstehen, Polens Strom
stammt zu 95 Prozent aus heimischer Kohle, da ist der Emissionshandel
ein schwerer wirtschaftlicher Hemmschuh. Tusk fordert deshalb, dass
die polnische Stromwirtschaft ihre notwendigen Zertifikate nicht zu
100 Prozent ersteigern muss – sondern geschenkt bekommt.
Was für ein Trugschluss: Ist ja nicht
immer alles gut, was Polen von Deutschland lernen kann. In diesem
Fall aber: Egal ob die Zertifikate ersteigert oder verschenkt werden
– mit dem Emissionshandel steigt der Strompreis in jedem Fall. Die
Frage ist nur: Wer zahlt die Zeche?
Zum Beispiel Deutschland: Seit 2005
brauchen die Stromkonzerne für jede Tonne Kohlendioxid ein
Verschmutzungs-Recht, ein so genanntes Zertifikat. Um den Preis dieses
Zertifikats – es wird an der Börse gehandelt – verteuert sich
der Preis. Die Konzerne bekamen in der 1. Handelsperiode 100 Prozent
aller benötigten Zertifikate geschenkt – und trotzdem preisten sie
den Börsenwert in den Strompreis ein. Auf diese Art machten sie
einer wwf-Untersuchung zu Folge 72 Milliarden Extragewinn. In der
zweiten Handelsperiode waren es noch 90 Prozent der Zertifikate, die
vom Staat den Konzernen verschenkt wurden. Die Zeche zahlte: der
Stromverbraucher.
Um nicht immer nur die Kleinen zu schröpfen, will die EU damit ab 2013 Schluss machen. Wenn die Konzerne den Strom um den Preis der Zertifikate schon verteuern, dann sollen sie gefälligst dafür auch zahlen. Zu 100 Prozent sollen Stromkonzerne in der 3. Handelsperiode die Zertifikate ersteigern.
Allerdings nur, wenn Donald Tusk
mitspielt: Der Klimakonferenzgastgeber hat am Wochenende die
Regierungschefs aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Litauen,
Lettland, Estland, Bulgarien und Rumänien um sich geschart. Und dann
ist da ja auch noch die Klimakanzlerin Angela Merkel: Ihr, so
erklären wissende Skeptiker auf dem Klimakonferenz-Parkett käme
eine Sonderbehandlung kohleintensiver Stromindustrien ganz gelegen –
schließlich gibt es keinen anderen Staat der Welt, der so viel
Braunkohlestrom im Netz hat wie die Bundesrepublik.
Tusks Kanzleichef Slawomir Nowak
erläuterte „den guten weg“, den Frankreichs Präsident Nicolas
Sarkozy gesehen hat: Demnach darf Polen bis Ende 2019 kostenlose
CO2-Zertifikate an seine Energiewirtschaft verteilen. Zudem sollten
reichere EU-Länder den ärmeren Partnern mindestens zehn Prozent
ihrer Verschmutzungsrechte abtreten. Tusk erklärte, dass Klimaziele
der EU „selbstverständlich“ voll mitzutragen. Beginnen sollen
aber bittschön andere.
So ist derzeit das Geschehen auf der Weltklimakonferenz so etwas wie nebensächlich. Wenn sich noch nicht mal die Reichen untereinander einigen können – wie sollen sich dann Arme, Mittelarme mit den Reichen einigen? Ohnehin war heute Wochenende, also Verhandlungspause. Was natürlich nicht bedeutete, dass gar nichts passierte: Der indonesische Umweltminister lud zum empfang, Brasilien erklärte auf einem Seminar, wie Wald als Kohlendioxid-Senke international angerechnet werden könnte, hundert katholische Bischöfe aus 35 Ländern unterzeichneten einen Aufruf zum Kampf gegen die Erderwärmung. Und die Poznaner Weihnachtsmärkte sind auch ein Besuch wert.
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