Diskussionsstoff in Cottbus
Dienstag, 27. Januar - siebter Tourstopp in Cottbus
aufgeschrieben von Damian Arikas
Der Kohlosaurus wartet schon gespannt auf seinen Auftritt in Cottbus. Denn hier befinden wir uns im Zentrum der Lausitz, direkt nebenan liegen die Tagebauwüsten.
Pünktlich um 14 Uhr ist der Aufbau geschafft, das Kohlevieh wird langsam munter, auch Bühne und Infostand stehen. Dieter Augustyniak, Einwohner aus Kerkwitz, berichtet den Cottbussern und den zahlreich anwesenden Journalisten seine Eindrücke als Betroffener, schildert wie die Dorfbewohner damit umgehen das ihr Dorf abgebaggert werden soll und ruft dazu auf, die Mittel der Demokratie gegen die Pläne von Vattenfall zu nutzen.
Danach berichtet Hans Josef Fell, MdB und Sprecher für Energie und Technologie der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen von den Potentialen der erneuerbaren Energien und von der Gründung der Internationalen Agentur für erneuerbare Energie in Bonn (IRENA). Er betont die Dringlichkeit, vereinbarte Klimaschutzziele einzuhalten, was mit der Braunkohle nicht möglich sei.
Nach diesen interessanten Beiträgen fängt der Kohlosaurus an, sich zu regen. Er verbeißt sich in die Kohlebriketts und emittiert seine schwarze Kohlendioxid-Luftballonwolke. Kameras klicken und viele Cottbusser sehen zu. Bei zahlreichen Gesprächen mit BürgerInnen stellen wir fest, dass hier in der Region viel konkretere Fragen gestellt werden als anderswo.
Die Themen der Zwangsumsiedlung und der Arbeitsplätze haben hier eine ganz andere Bedeutung. Jeder mit dem man spricht hat eine feste Meinung, auch viele Kohlebefürworter und einige Mitarbeiter von Vattenfall sind gekommen um zu diskutieren. So gibt es eine Menge Diskussionsstoff für uns, über Heimatverlust der einen und die Angst um den Arbeitsplatz bei den anderen.
Die Fronten sind oft festgefahren, viele Menschen scheinen zudem noch nicht überzeugt von den Potentialen der erneuerbaren Energien zu sein. Hier sollte in Zukunft mehr informiert werden, denn es ist ja bewiesen, dass der Mensch seinen Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen decken kann. Schließlich kommt auch die Energie der Kohle ursprünglich von der Sonne.
Vielen Lausitzern ist jedenfalls bewusst, dass auch die Arbeitsplätze in der Braunkohle nicht sicher sind und eine Wende bei der Stromgewinnung nicht zu vermeiden ist. Die Lausitz braucht jetzt neue Perspektiven jenseits der Braunkohle, denn das Geld das der Tagebau einbringt, bleibt nur zu einem sehr geringen Teil in der Region. Der Rest fließt als Gewinn von Vattenfall vor allem an den schwedischen Staat. Doch die Kohleverstromung hier könnte schon bald vorüber sein, wenn Emissionshandelsgesetze und Kohlendioxid-Limits das Geschäft unrentabel machen. Die Menschen in der Region können sich nicht länger darauf verlassen, das alles so bleibt wie es ist, schon in den letzten Jahren hat Vattenfall hunderte von Leuten entlassen, nur noch knapp 5000 Menschen leben von der Kohle des Konzerns.
Währenddessen dreht der Kohlosaurus weiter unbeeindruckt seine Runden. Er kümmert sich nicht um die Menschen und ihre Probleme, nur die Kohle interessiert ihn.
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