Zähneklappern in Brandenburg
Dienstag, 20. Januar - zweiter Tourstopp in Brandenburg
aufgeschrieben von Damian Arikas
Historische Häuser, viel Wasser, idyllische Straßen und Plätze. Der Kohlosaurus fühlt sich sofort wohl in Brandenburg. Er befreit sich schnell aus seiner Höhle, unserem Tourbus, denn das graue Wetter gefällt dem Dino offenbar. Er ist ja auch selber ganz farblos, liebt düstere Kohlendioxid-Wolken und trostlose Tagebaulandschaften...
Kaum aufgebaut und gefüllt mit CO2-Luftballons fängt er an, auf dem Platz hin und her zu laufen, unruhig, weil er seine Nahrung, die Kohlebriketts, nicht sofort finden kann. Er schreit herzzerreißend, einige der etwa 70 Passanten die gekommen sind, kriegen es schon fast mit der Angst zu tun. Als er die Kohle endlich gefunden hat, beißt er sofort gierig hinein, keine Zeit für Besonnenheit. Dafür kassiert der Kohlosaurus seine verdiente Packung: Das dumme Ungeheuer beißt sich einen Zahn aus. Aber die Kohle schmeckt offenbar, denn nach kurzer Zeit reckt es den Hals und bläst eine widerliche CO2-Luftballonwolke aus seinem Innern hervor.
So wie der Kohlosaurus wird sich auch Vattenfall an der Kohle die Zähne ausbeißen. Denn es macht wenig Sinn, den Braunkohleabbau noch weiter voranzutreiben. In internationalen Klimaschutzabkommen sind heute schon Emissionsziele formuliert, die mit der Braunkohleverstromung nicht zu erreichen sind. Der Druck auf die Energiekonzerne wird also steigen - und Kohlendioxid in die Luft zu blasen wird in Zukunft immer teurer. Dafür sorgt auch der Handel mit Emissionsrechten, der ab 2013 in der Europäischen Union eingeführt wird, und bei dem für jede Tonne des Treibhausgases hohe Gebühren fällig werden.
Vattenfalls einziger Lösungsansatz für dieses Problem ist die CCS-Technik, mit der das Kohlendioxid abgespalten, verflüssigt und unter der Erde gelagert werden soll. Aber: die Technik ist frühestens (!) im Jahr 2020 einsatzbereit. Und: Sie verbraucht soviel Energie, dass für die Produktion der gleichen Menge Strom bis zu 40 Prozent mehr Kohle benötigt werden. Und: Wohin mit dem abgeschiedenen Kohlendioxid? Viele offene Fragen: Insgesamt dürfte die Anwendung von CCS also weder finanzierbar noch realisierbar sein.
Komisch, dass sämtliche Verantwortliche in der Landesregierung und bei Vattenfall das nicht zu registrieren scheinen und weiterplanen, als hätte die Braunkohle noch Zukunft. Am Ende zählt wohl jeder Tag an dem man mit Hilfe massiver Lobbyarbeit und Täuschung der Öffentlichkeit noch mehr Kohle abbauen und verdienen kann. Ohne Rücksicht auf die Umwelt und Klima.
Es wird langsam dunkel, nun muss auch der Kohlosaurus wieder zurück in seine Höhle. Wir haben was geschafft heute, morgen geht es weiter nach Eberswalde.
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