Der Kohlosaurus ist wieder los
Montag, 19. Januar - Tourstart in Potsdam
aufgeschrieben von Damian Arikas
Das brandenburger Volksbegehren "Keine neuen Tagebaue" läuft noch bis zum 9. Februar. Mit dem sechs Meter hohen Kohlosaurus als Verstärkung werden wir durch acht Städte in Brandenburg touren um Menschen auf das Volksbegehren aufmerksam machen und Unterschriften zu sammeln. Noch röhrt das Untier: Die "Dinosauriertechnik" der Stromgewinnung aus Braunkohle gehört jedoch längst in Rente.
Wir starten in Potsdam: Blauer Himmel über dem Platz am Brandenburger Tor, Stand und Rednertribüne stehen, es gibt Infofilme, Musik und heißen Tee für die zahlreichen Helfer, die hier seit 6.30 Uhr den Aufbau machen. Über drei Stunden dauert es, bis alles steht und der Kraftwerkssaurier mit vielen hundert Heliumballons gefüllt ist.
In wenigen Tage hat das "Keine neuen
Tagebaue"-Team die gesamte Tour organisiert, Genehmigungen
eingeholt, Helfer und Material besorgt, Autos geliehen, Plakate und
Flyer entworfen und die Presse informiert. In der Nacht ist dann noch
der Transporter mit dem Saurier wegen eines Motorschaden auf der
Autobahn liegen geblieben, doch jetzt, pünktlich um 10 Uhr kann
die Aktion tatsächlich beginnen. Viele Kamerateams und
Journalisten sind gekommen und die Aktiven halten Plakate oder
verteilen Flyer an Passanten.
Hubert Weiger, der Bundesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor den Folgen des Braunkohletagebaus für Umwelt und Klima und fordert alle Brandenburger auf, die verbleibende Zeit zu nutzen und im Meldeamt das Volksbegehren zu unterschreiben: "Klimaschutz ist in Deutschland nur ohne weitere Braunkohleverstromung realisierbar. Neue Tagebaue sind eine Investition in die klimaschädliche Technik von vorgestern. Noch sind drei Wochen Zeit, das Ruder rumzureißen und das Volksbegehren zu unterstützen. Jeder Einzelne kann jetzt einen Beitrag dazu leisten, dass in Brandenburg eine zentrale Entscheidung für den Klimaschutz gefällt wird".
Auch Nick Reimer ist mit dabei, erzählt von seinen Reisen durch Asien und davon, dass die Menschen in den ärmeren Ländern davon träumen, unseren westlichen Lebensstandard zu erreichen. Daher haben wir insbesondere im Umweltschutz die Pflicht mit gutem Beispiel voranzugehen: "Wenn wir bei uns nicht anfangen mit dem Klimaschutz, werden es die ärmeren Länder erst recht nicht tun. Mit dem Volksbegehren haben wir jetzt eine einmalige Gelegenheit aktiv zu werden".
Der Kohlosaurus fängt jetzt an, sich zu bewegen. Er stößt Schreie und Tagebaugeräusche aus und bewegt sich auf das Brandenburger Tor zu. Dort liegen Kohlebriketts herum, er verbeißt sich in Ihnen. Ähnlich verbissen wie er hält die Brandenburger Landesregierung an der Braunkohle fest. Dabei ist längst klar, dass sämtliche Klimaziele nur ohne diesen klimaschädlichsten aller Energieträger eingehalten werden können. Als der Saurier mit seinem großen Maul die Kohle frisst erklingt der Song "Spiel mir das Lied vom Tod" und kurz darauf quellen hunderte von CO2-Luftballons aus dem schwarzen Körper des Dinos in den Potsdamer Himmel. Die Kameras klicken und für eine kurze Zeit verdunkelt sich die Sonne.
In den folgenden Tagen werden wir mit dem Kohlosaurus in acht weiteren Brandenburger Städten zu Gast sein. Hoffentlich motiviert er noch viele tausend Brandenburger das Volksbegehren zu unterschreiben. Klar, das Meldeamt liegt oft nicht gerade auf dem Weg. Doch in den meisten Ämtern muss man nicht einmal warten, um zu unterschreiben. Und schließlich geht es um die Zukunft: Denkt man an die Folgen des Klimawandels, ist es schon wesentlich einfacher sich zur Teilnahme zu motivieren.
Das Volksbegehren ist für lange Zeit unsere einzige Chance als Bürger aktiv zu werden und wirklich etwas zu ändern. Das sollten wir nutzen!
Noch sind 21 Tage Zeit.
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