Glaubensfragen in Stade
18.Oktober 2008 - neunter Tourstopp in Stade
Aufgeschrieben von Nick
Hey, richtig was los im alten Hansestädtchen. Samstag ist es, Herbsttag, Markttag, und der Platz, den die Stadt dem Kumpel Kohlosaurus zugewiesen hat, vieeel zu klein für all die Leute, die gekommen sind.
Zu klein ist auch der Platz für Karsten Behr, einen großen Mann, der als Fraktionsvorsitzender die CDU führt im Stadtrat. Karsten Behr ist nämlich ganz groß in Fahrt: "Wer aus der Atomkraft aussteigen will, der muss eben in Kauf nehmen, dass wir jetzt in die Kohlekraft einsteigen müssen". Und: "Es geht um unseren Industriestandort: Ohne kostengünstigen Strom wird Dow chemical in Deutschland nicht bleiben".
Gekommen ist auch Reinhard Benhöfer von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover, der fordert: "Wir dürfen den Blick nicht nur auf uns richten, Gerechtigkeit bedeutet, dass auch die Menschen in ärmeren Ländern noch ihre Entwicklungschance aus der Armutsfalle haben".
Aber das interessiert Karsten Behr herzlich wenig: "Jede Woche gehen weltweit zwei neue Kohlekraftwerke ans Netz. Das heißt doch: Vom deutschen Wehe hängt die Welt nicht ab".
Die Menge buht und trötet gegen diesen Quatsch an: Alle Welt will leben wie der Deutsche in Stade und wenn in Stade tatsächlich wie geplant drei neue Kohlekraftwerke gebaut werden, dann wir auch die Welt dreimal so viele neue Kohlekraftwerke bauen.
"Ich fürchte, eines der geplanten Kraftwerke werden Sie ertragen müssen", sagt Kirchenmann Reinhard Benhöfer, "aber die anderen müssen Sie verhindern, müssen wir gemeinsam verhindern!" Nicht gerade das, was sich die Menge erhofft. Aber Benhöfer sagt: "Das Glaubensbekenntnis zu beten, bedeutet sich für die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen. Und Kohlekraftwerke zerstört diese eindeutig".

Von links nach rechts: Kai Seefried, Landtagsabgeordneter der CDU, Reinhard Benhöfer, Umweltbeauftragter der nordelbischen Landeskirche, Christoph Bautz von campact, Karsten Behr, CDU-Fraktionschef im Stader Rathhaus und am Mikrofon der Autor dieser Zeilen
Behr und Benhöfer: Beide sind nach Stade gekommen. Beide berufen sich auf Christus. Beide schreiben das C ganz groß. Und dann war da auch noch Kai Seefried, der mit sehr moderaten Tönen um Ausgleich bemüht war. Seefried hält seit acht Monaten das C im niedersächsischen Landtag hoch: "Wir nehmen Ihre Sorgen sehr ernst", sagt er.
Wirklich? Welche? Und: Welche zuerst?
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