Märchenstunde in Hanau
14.Oktober 2008 - siebter Tourstopp in Hanau
Aufgeschrieben von Christoph
Einträchtig wachten die Gebrüder Grimm als Statue über unseren Tourstopp auf dem Marktplatz in Hanau. Kontovers ging es dagegen zu ihren Füßen bei unserer heutigen Diskussionsrunde zu. Schließlich hatte sich erstmals mit E.on-Projektleiter Jens-Uwe Freitag ein Konzernvertreter zu uns getraut. Der Konzern sucht offenbar den Dialog mit der Bevölkerung, um für sein Vorhaben zu werben, ein 1.100 Megawatt-Kraftwerk in Staudinger bei Hanau zu errichten. Schließlich hat Konzernchef Bernotat auf der Hauptversammlung im letzten Mai überraschend die Devise ausgegeben, das Kraftwerk nicht gegen den Willen von Bevölkerung und Politik durchzudrücken.
Nach der heutigen Veranstaltung ist festzuhalten: Da bleibt für E.on noch viel zu tun! Mit Argumenten konnte Freitag heute kaum punkten. Nur mit Kohle sei die Stromversorgung in Hessen sicher und würde der Strom billig, verkündete Freitag. Begründen konnte er dies nicht. Stattdessen übte er sich im Grimms Märchenerzählen, dass das Kraftwerk zu einer Verringerung der Emissionen in der Region führen würde. Das stimmt zwar relativ pro Kilowattstunde, absolut aber steigt der Ausstoß an CO2 und Umweltgiften verglichen mit den bisherigen Kraftwerkspark massiv an, wie Winfried Schwab-Posselt von der Bürgerinitiative „Stoppt Staudinger“ erläuterte.
Zumindest die Politik will E.on-Vertreter Freitag (im Bild links) aber in Hessen für seine Pläne gewinnen. Doch die Vertreter einer möglichen neuen Regierung Ysilanti winkten einhellig ab. Der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Degen versprach, mit dem Regierungsantritt in einem Raumordnungsverfahren den Bau des Kraftwerks zu verhindern. Reiner Bausonville, Vorsitzender der Grünen im Kreistag, versicherte, eine realistische Energipolitik müsse auf neue Kohlekraft gänzlich verzichten. Und auch Janine Wissler, Vizevorsitzende der Linksfraktion im Landtag versprach, dass die hessische Linkspartei klar gegen Kohlekraft stehe – auch wenn Parteichef Lafontaine Kohle unlängst als "wichtigste Energieform" gepriesen hat.
Mit dem möglichen Wechsel zu Rot-Grün könnte das Kraftwerk Staudinger also kippen. Dann werden die Brüder Grimm hoffentlich bald nicht mehr so langweiligen Märchenerzählern lauschen müssen.
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