Kontroverse Debatte in Mannheim
Aufgeschrieben von Christoph
Heiß ging es her auf dem Marktplatz in Mannheim: Der umweltpolitische Sprecher der SPD Ralf Eisenhauer war gekommen, um die Unterstützung des Stadtrats für den Bau des geplanten Kohlekraftwerks zu verteidigen. Ihm gegenüber standen weit über 200 aufgebrachte Bürger/innen, die sich von der Kommunalpolitik übergangen fühlten.
Kein Wunder: Über 16.000 Unterschriften sammelten diesen Sommer Bürger/innen innerhalb von nur vier Wochen gegen die Neubaupläne von EnBW und RWE, die sich in der Bürgerinitiative "Nein zu Block 9" zusammengeschlossen haben. Sie forderten den Stadtrat auf, einen qualifizierten Bebauungsplan zu erstellen und damit das gesamte Vorhaben auf den Prüfstand zu stellen.

Doch der Stadtrat fühlte sich nicht mal bemüßigt, auch nur über die Forderung zu diskutieren, wie BI-Sprecher Gerhard Fontagnier kritisierte. Genauso wenig, wie eine grundlegende energiepolitische Diskussion vor einer Entscheidung für das Kraftwerk zu führen, wie Wolfgang Raufelder, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Mannheim bemängelte.
Eisenhauer indes bestand darauf, dass der Stadtrat sich mit Mehrheit für das Kraftwerk ausgesprochen habe und damit als fein demokratisch vonstatten gegangen sei. Das Kraftwerk sei eine Innovation, schließlich könne es mit einem Wirkungsgrad von 48 Prozent effizienter als bisherige Kraftwerke Strom erzeugen und zudem Heizenergie mit Kraft-Wärme-Kopplung bereitstellen. Einziger Hacken, den Eisenhauer unerwähnt ließ: Schon die bisherigen Großkraftwerke stellen mehr Heizwärme als in der Umgebung benötigt bereit. Für die zusätzliche Wärme gibt es gar keine Verwendung.
Somit bleibt ein Wirkungsgrad von unter 50 Prozent – und das Kohlekraft eben doch eine ineffiziente Dinosaurier-Technologie. Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) brachte es so auf den Punkt: "Jeden Tag werden zwei Schiffe mit Kohle den Rhein für das Kraftwerk hochfahren – eines um mit der Kohle Strom zu erzeugen und eines um mit ihr den Rhein aufzuheizen!
Die Bürger in Mannheim lassen sich indes von der Ignoranz der Stadtoberen nicht entmutigen. Bis kommenden Samstag sammeln sie weiter massenhaft Einwendungen zum jetzt anstehenden Genehmigungsverfahren für den "Block9".
Nach der Diskussion hatte dann unser Kohlosaurus seinen großen Auftritt. Seine gefährlichen "CO2-Ballons" konnte er in Mannheim allerdings nur in kleinen "Happen" entlassen – einen Massenstart hatte die Flugsicherung untersagt. Die Medienvertreter waren trotzdem begeistert von dem ungewöhnlichen Bild. Die größte Tageszeitung, der "Mannheimer Morgen" hatte schon heute ein Bild des Kohlosaurus von seinem Auftritt in Berlin veröffentlicht. Die Mannheimer sollten wissen, was auf sie zukommt – heute auf dem Marktplatz, aber hoffentlich zukünftig nicht als Kraftwerk.
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