Der Sozialismus siegt! Auch gegen das Klima?
Teil 11 - Hue in Zentralvietnam, nach etwa 9.300 Zug- und etwa 3.300 Bus-Kilometern

Hunderte Freiwillige schaufeln Schlamm am Ufer des Huong-Flusses. Hue, die alte Kaiserstadt in Vietnams Mitte, ist gerade Opfer einer schweren Flut geworden. Auch wenn sich der stinkende Schlick meterdick auf den Wegen wälzt, die Leute lachen schon wieder. "Ist ja bloß Schlamm", sagt eine junge Frau, "die Menschen weiter unten an der Küste hat es sehr viel schlimmer getroffen."

Tatsächlich hatten die heftigen Regenfälle "weiter unten" Städte mehrere Meter überflutet. Über 200 Menschen ertranken. "Ich kann keine offizielle Stellungnahme abgeben", sagt Nga, die in Hanoi beim WWF Vietnam arbeitet. Natürlich sei die Umweltstiftung WWF auch hier eine vom Staat unabhängige Organisation. Ihren vollen Namen will sie aber lieber nicht nennen. Vielleicht aber soviel – als ganz private Meinung, sagt Nga: "Fluten und Taifune, das hat es schon immer in Vietnam gegeben. Aber wir regisitrieren, dass sie häufiger und vor allem heftiger werden."
Im Kaiserpalast von Hue Während die Menschen in Zentralvietnam noch Schlamm schaufeln, bereitet sich Südvietnam auf den Taifun Hagibis vor. Das Fernsehen zeigt Bilder: Fenster werden vernagelt, Trinkwasser gekauft, die Bezirksverwaltung ordnet Evakuierungen an. Und dann droht auch noch Taifun Mitag, der gerade mit einer Windgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern die Nordspitze der Phillippinen passiert. "Das schlimmste", sagt der staatliche Wetterdienst, wäre, wenn sich beide Taifune über Vietnam vereinen.
Der Weltklimarat IPCC hatte vor wenigen Wochen seinen jüngsten Zustandsbericht veröffentlicht. Eine Kernaussage: Der Meeresspiegel drastisch steigen, wenn nicht schnellstens mehr Klimaschutz betrieben wird.
Straßenhändlerin aus dem Roten-Fluß-Delta
"Für Vietnam bedeutet diese Prognose: Ein Sechstel der Landesfläche wird im Meer versinken", sagt die WWF-Frau Nga. Bedroht ist beispielsweise das Mekong-Delta, die mit Abstand ertragreichste Landwirtschafts-Region Vietnams. 90 Prozent des Ernteüberschusses werden hier produziert, 17 Millionen Menschen leben hier. Genauso viele leben im Delta des Roten Flusses in Nordvietnam. Auch dort liegen die Städte oft nur wenige Zentimeter über dem Meeresspiegel. Und auch sie werden von der Landkarte verschwinden, wenn die IPCC-Prognosen Realität werden.
Nga gibt sich keinen Illusionen hin: "Unter die Klimatologen gelten die 1,40 Meter des IPCC als zu optimistisch. Andere Wissenschafftler sagen: Schmilzt erst das Grönlandeis, könnten es auch bis zu fünf Meter werden." Hat denn Vietnams Regierung das Problem erkannt? "Es geht uns gut", sagt Hga, Mutter eines Kindes. Seit zehn Jahren brumme die Wirtschaft, und wenn die Politik sich so weiter entwickelt – hin zu mehr Privatwirtschaft – werde sie "sicherlich auch noch zehn weitere Jahre brummen". Natürlich sei Vietnam ein sozialistisches Land, und sie hoffe, das das auch so bleibt. "Hier bei uns kommt der Wohlstand tatsächlich auch bei den Menschen an."
Der Sozialismus siegt also. Auch gegen den Klimawandel? "Entschuldigung", sagt Nga: Zu politischen Fragen will sie sich lieber nicht äußern.

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Nick Reimer, Chefredakteur von Klimaretter.info hat das ausprobiert. Er ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Berlin aus bis nach Indonesien gereist. In diesem Blog erzählt er, was passiert. Den gesamten Blog lesen Sie HIER:
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