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UN-Verhandlungen: Plus 3,7 Grad bis 2100

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VON SARAH MESSINA

"Die Erkenntnisse des Weltklimarats sind nach wie vor gültig", warnt Rajendra Pachauri. Der Chef des IPCC kritisierte am Mittwoch in Barcelona per Videobotschaft den Stand der Verhandlungen zum neuen Klimaabkommen. Es sei an der Zeit, zur Wissenschaft zurück zu kehren.

Die Beschwerde Pachauris kommt nicht von ungefähr: In Barcelona liegen für den Textentwurf des Kyoto-Nachfolge-Protokolls viel zu schlechte Zahlen auf dem Tisch. Das US-amerikanische Sustainability Institute hat in Barcelona ein "Scoreboard" für den schnellen Überblick vorgestellt. Diese Anzeigetafel soll während der UN-Verhandlungen regelmäßig aktualisiert und dem neuesten Stand angepasst werden.  Damit können Entscheidungsträger derzeit auf den ersten Blick sehen, Um den Klimawandel aufzuhalten, reichen die vorgebrachten Angebote noch lange nicht aus.

Schwellenländer wie China, Brasilien oder Indien wollen auf freiwilliger Basis Reduktionsverpflichtungen in Kopenhagen eingehen: China etwa will die Kohlendioxid-Intensität im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt bis 2010 um 20 Prozent reduzieren, Brasilien seine Entwaldungsrate bis 2018 deutlich drücken und Indien seinen Pro-Kopf-Ausstoß unter dem Niveau der Industrieländer halten. Letzteres ist natürlich Augenwischerei: Mit derzeit 1,5 Tonnen pro Kopf liegen die Inder fast zehnmal unter dem industriellen Durchschnitt.

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Aber es gibt auch engagierte Reduktionsverpflichtungen kleinerer Länder wie der Malediven oder Costa Rica: Sie wollen sich etwa verpflichten, bis 2019 beziehungsweise 2021 komplett Kohlendioxid-neutral zu sein.

Die Höhe vieler Reduktionsangebote der Länder des Nordens hängt dagegen oft vom weiteren Verhandlungsverlauf ab: Die Europäische Union hat sich etwa bereits darauf festgelegt, ihren Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Beteiligen sich in Kopenhagen auch die anderen Industrieländer an einer ambitionierten Vereinbarung ist die EU aber bereit ihr Angebot auf 30 Prozent zu erhöhen.

Australien hat neben einem offiziellen Reduktionsziel von 5 Prozent bis 2020 gegenüber 2000 zum Beispiel auch die Reduktion um bis zu 25 Prozent (gegenüber 2000) ins Spiel gebracht. Und von den USA, dem größten Kohlendioxid-Verschmutzer unter den reichen Ländern, kann noch gar kein Reduktionsziel als offiziell mit einberechnet werden. Dafür aber ein dem Scoreboard zufolge mögliches Angebot von bis zu 28 Prozent Senkung gegenüber dem Stand von 2005 bis 2020.

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Der Weltklimarat hat in seinem jüngsten Sachstandsbericht von 2007 ausgerechnet, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2100 auf maximal zwei Grad (das heißt maximal 450 ppm) ansteigen darf, um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Um das zu erreichen, müssen die Industrieländer ihre Kohlendioxid-Emissionen um 25 bis 40 Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 senken.

Auf den Climate Scorecards des Sustainability Institutes kann man sehen, was die bisherigen Verpflichtungen wert sind: Mit ihnen würde die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,7 Grad Celsius ansteigen. Der Anteil von Kohlendioxid in der Atmosphäre läge dann bei 770 parts per million (ppm). Im Vergleich zu einem Business-as-Usual-Szenario mit einer Durchschnittstemperatur von 4,6 Grad und einem Kohlendioxid-Gehalt von 955 ppm in der Atmosphäre ist das vielleicht schon ein Fortschritt. Von der angepeilten Zwei-Grad-Grenze ist dieses Ergebnis allerdings weit entfernt. 

Das Scoreboard finden Sie HIER
Und eine Tabelle mit den derzeitigen offiziellen wie inoffiziellen Angeboten zur Treibhausgas-Reduktion finden Sie HIER

(Fotos: UNFCCC, Sustainability Institute, Stop Climate Chaos) 

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