Werbung

Preise .info-Award 2010 Gewinner des Deutschen Solarpreises 2009 Umwelt-Medienpreis 2008
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

"Afrikas Protest ist nur ein Vorgeschmack"

von-broock.jpgBei den UN-Verhandlungen in Barcelona haben die afrikanischen Staaten am Montag und Dienstag die  letzten Verhandlungschancen vor dem entscheidenden Weltklimagipfel in Kopenhagen lahm gelegt. wir-klimaretter.de hat Antje von Broock, Leiterin Internationale Umweltpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gefragt, warum die afrikanischen Staaten aufgebracht sind, woran es bei den Verhandlungen hakt und was bis zur COP15 in Dänemark noch passieren muss

wir-klimaretter.de: Frau von Broock, Sie beobachten die UN-Verhandlungen in Barcelona für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland: Worum geht es auf der letzten Vorbereitungskonferenz vor Kopenhagen?

Antje von Broock: Mittlerweile geht es um das letzte Feilen am Verhandlungstext für Kopenhagen: Darin sind immer noch zahlreiche Textvorschläge mit diversen Optionen enthalten. Bis zur COP 15 muss der Text konkreter und die möglichen Variationen reduziert werden.

Bei den Reduktionsverpflichtungen der Industrienationen fehlt es noch immer an ambitionierten Zahlen. Wieso sind diese wichtigen Stellen im Vertragstext so kurz vor Kopenhagen immer noch offen?

Tatsächlich liegen eine Menge Zahlen auf dem Verhandlungstisch. Die Reduktionsziele entsprechen nur leider nicht den wissenschaftlichen Erkenntnissen: Nach den Erhebungen des Weltklimarats müssten die Kohlendioxid-Emissionen der Industrieländer bis 2020 um 25 bis 40 Prozent unter das Niveau von 1990 gedrückt werden. Und das sind noch konservative Prognosen. Rechnet man die bisher eingebrachten Angebote zusammen, kommt man dagegen auf lediglich 16 bis 23 Prozent: Das ist natürlich zu wenig.

Die Afrikanischen Staaten haben die Verhandlungen am Montag vorläufig unterbrochen...

Damit setzten sie ein wichtiges Zeichen. Die afrikanischen Länder sagen: Ohne ambitionierte Reduktionsziele brauchen wir hier gar nicht weiterzureden. Alle Sitzungen zu anderen Verhandlungsfragen, zum Beispiel zur Zukunft des Emissionshandels oder zur Berücksichtigung von Emissionen aus Land- und Forstwirtschaft, mussten deshalb abgesagt werden. Der Protest der Afrikaner ist wahrscheinlich erst ein Vorgeschmack von dem, was uns in Kopenhagen erwarten könnte, wenn es nicht wirklich vorwärts geht.

afrik-del-adoptanegotiator.jpg
Pressekonferenz der afrikanischen Länder zu ihrem zwischenzeitlichen Ausstieg aus den Verhandlungen

Woran liegt es, dass es bei den Reduktionszielen so wenig Bewegung gibt? Wer sind die großen Bremser?

Das ist schwer auszumachen. In gewisser Weise gehören die Industriestaaten allesamt in Generalhaft. Es gibt einige Länder wie Russland, Weißrussland und Kroatien, die eine Zunahme ihres Kohlendioxid-Ausstoßes festschreiben wollen. Andere versprechen Reduktionen, bleiben aber weit hinter dem notwendigen zurück. Annährend positiv fällt eigentlich nur Norwegen auf, das mit einem Versprechen von 40 Prozent Reduktionen als einziges Land Zahlen des Weltklimarates erfüllt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die USA am Dienstag in Washington aufgerufen , konkrete Angebote für Kopenhagen zu machen. Wo stehen die Vereinigten Staaten derzeit in den Verhandlungen?

Die USA spielen eine Sonderrolle. Sie haben das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert und wollen das auch in Kopenhagen nicht nachholen. Dazu kommt der nationale Gesetzgebungsprozess, der parallel zu den Klimagesprächen geführt wird. Der Präsident will dem Kongress aber nichts vorweg nehmen und hält daher seine Delegation in Barcelona zurück. Ob im Senat noch vor Kopenhagen eine positive Entscheidung auf den Weg gebracht wird, ist noch nicht absehbar. Das wäre allerdings ein großer positiver Impuls für den Verhandlungsprozess.

Auch bei den Finanzhilfen für die Länder des Südens gibt es noch viele Unklarheiten. Wie ist das Ergebnis des EU-Gipfels der vergangenen Woche in Barcelona aufgenommen worden?

Die EU hat sich auf eine gemeinsame Position für Kopenhagen geeinigt und dabei einen Finanzbedarf der Entwicklungsländer von 100 Milliarde Euro offiziell anerkannt. Das ist wenn man so will schon ein Fortschritt. Wenig hilfreich ist dagegen, dass zum Beispiel der Anteil der von den reichen Ländern zu zahlenden Gelder auf gerade einmal 22 bis 50 Millionen Euro angelegt wurde. Die Entwicklungsländer haben zum Klimawandel nicht maßgeblich beigetragen: Von ihnen zu erwarten, einen Teil der nötigen Gelder zur Bewältigung der Klimafolgen selbst aufzubringen ist absurd. Wieviel Geld die Europäische Union geben will, soll zudem erst in Kopenhagen entschieden werden.

climatejusticenownetw-pozn.jpg
Droht dem Klimaipfel in Kopenhagen: massiver Protest
. (Fotos: BUND, adoptanegotiator, climatejusticenow)

Ob Merkel, Obama und Co. persönlich am Kopenhagen-Gipfel teilnehmen werden ist noch offen: Wann wird die Kyoto-Nachfolge zur Chefsache?

Hoffentlich bald. Damit im Dezember über die Finanzhilfen von Seite der EU überhaupt entschieden werden kann, ist ein persönlicher Auftritt von Merkel, Sarkozy und Co. zum Beispiel unerlässlich. Die Verhandlungsunterbrechung durch die afrikanischen Staaten könnte auch einiges bewirken, um die Dringlichkeit der Sache noch stärker ins Bewusstsein zu rücken. Auch das UN-Klimasekretariat muss die Staats- und Regierungschefs entschieden zur Teilnahme an der COP15 aufrufen. Dieser Appell steht bislang noch aus.

Zum Abschluss: Gibt es auch positive Nachrichten aus Barcelona?

Ja. Eine Vertagung der Entscheidung zum neuen Klimaabkommen auf 2010 ist in Barcelona eine klare Absage erteilt worden. Und zwar direkt zur Eröffnung der Konferenz durch Yvo de Boer und Dänemarks Klimaministerin Connie Hedegaard. Klimaschutz duldet keinen Aufschub mehr: Kopenhagen muss zu einem verbindlichen Abschluss gebracht werden.

INTERVIEW: SARAH MESSINA

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Werbung

Meinungen: Etscheits Alltagsstress

Danke, lieber Fritz Vahrenholt!

etscheid Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]

mehr...

Werbung

Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde

Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]


Aktion des Monats

US-Waldgesetz retten

In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr]

Durban 2011

Klimakonferenz Durban

Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen.  [mehr]

Neue Klimaretter-Serie 
Die Gesetze der Energiewende

Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit  Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

In eigener Sache

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Werbung

Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge

Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Politik


Kanzlerin auf Rohstoffsuche

Angela Merkel (CDU) trifft sich heute mit dem Präsidenten von Kasachstan, um über die Lieferung von seltenen Erden zu verhandeln [mehr...]
Protest


Facebook: Sonne gegen Rösler

Wegen Solarkürzungen: Facebook-Nutzer wetten gegen Wirtschaftsminister [mehr...]
Mobilität


Kalifornien erzwingt mehr saubere Autos

Neue Abgasregeln sollen CO2-Ausstoß im Verkehr bis 2025 um 52 Millionen Tonnen senken [mehr...]
Forschung

mann3_cr
Rechtshilfefonds für US-Klimaforscher

Organisation will Wissenschaftler wie Michael Mann beim Kampf gegen juristische Angriffe von "Klimaskeptikern" unterstützen [mehr...]
Wohnen


Heizkosten kosten nach Verbrauch

Urteil des Bundesgerichtshof: Eine pauschale Abrechnung ist "ungerecht" - und deshalb verboten [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Keine Blackout-Angst

Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.
Ein Kommentar von Joachim Wille
[mehr...]
Standpunkte


Biogas: unverzichtbar für die Energiewende

Die pauschale Kritik an der "Vermaisung" der Landschaft ist falsch, meint der Geschäftsführer des Fachverband Biogas, Claudius da Costa Gomez, in einem Gastbeitrag. Zukünftig würden auch alternative Energiepflanzen wie Rüben für die Stromerzeugung verwendet werden. Auch auf den Humus-Haushalt habe der Biomasseanbau keine negativen Auswirkungen. Teil fünf unserer Debattenserie zu den Folgen des Atomausstiegs.
Von Claudius da Costa Gomez
[mehr...]
Rezension


Ruht der Wind sich jemals aus?

Warum sind die Wolken flauschig? Wieso ist die Erde nicht tiefgefroren? Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf präsentiert Wetter und Klima als Abenteuer für Kinder.
Eine Rezension
von Toralf Staud
[mehr...]
Kolumnen

nick3
Wie die FDP Ihr Geld klaut

Der Wirtschaftsminister will 250 Großkunden die EEG-Umlage von deren Strompreis abziehen. Das kostet Sie vielmehr Geld als der Ausbau der erneuerbaren Energien! [mehr...]
Überraschung der Woche


Transparenz, EEG und die Ananas des Herrn Großmann

Kalenderwoche 5: Was steckt hinter dem Solarbashing des Wirtschaftsministers?, fragt sich Matthias Willenbacher, Gründer des Unternehmens juwi und Mit-Herausgeber von klimaretter.info [mehr...]