Werbung

Votet jetzt!
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

"Spazieren im Park statt zu rennen"

 usa1.jpg
United States is speeking, hier in der so genannten "Ad Hoc Working Group on long term cooperative action under the Convention".

Aus Bangkok NICK REIMER

So "konstruktiv", wie seit zwei Jahren nicht mehr - mit diesen Worten beschrieb UN-Klimasekretär Yvo de Boer am Mittwoch die Verhandlungen zum neuen Klimaschutzabkommen.

Im Diplomatensprech heißt dies, dass es heftig zur Sache ging. Die Beratungen zum Kyoto-Folge-Abkommen spitzen sich am Rande der Bangkok-Verhandlungen immer weiter zu. Was immerhin dazu geführt hat, dass sich der rhetorische Nebel verzogen hat und die Interessenlagen der Tagungsteilnehmer klarer sichtbar werden:

Da ist zunächst die USA, die ein Kyoto-Folgeabkommen keinesfalls unterzeichnen wollen. "Für nichts, wo Kyoto drauf-, dran-, oder drinsteht, wird es jemals die notwendige Zweidrittel-Mehrheit im US-Repräsentanten-Haus geben", urteilt Christoph Bals, der für die United Nation University die Verhandlungen begleitet. Deshalb musste Präsident Obama erst auf nationaler Ebene den Klimaschutz verankern. Das versucht er jetzt mit dem Klimaschutzgesetz. Mit dieser Sicherheit im Rücken kann Obma dann in die internationalen Verhandlungen starten.

Den Weg, den Präsident Barack Obama begeht, bezeichnet Bals deshalb als "richtig". Zuerst ein nationales Klimagesetz zu Hause mit der Mehrheit des Repräsentanten-Hauses verabschieden und dann dieses in den internationalen Verhandlungsprozess einbringen. "Mit dem umgekehrten Weg sind die USA beim Kyoto-Protokoll gescheitert", erläutert Bals: Damals hatte Präsident Bill Clinton den internationalen Vertrag zwar unterschrieben, konnte dann zu Hause aber dafür nicht die notwendige Mehrheit organisieren. Seitdem war der Kyoto-Prozess in den USA tot.

Doch auch der neue Weg von Obama hat eine Schwachstelle: Im jetzigen nationalen US-Klimagesetzes ist das Basisjahr nicht 1990, sondern 2005. Wenn die Vereinigten Staaten aber den Kyoto-II-Vertrag unterzeichnen, müssen sie auch ihre Verflichtungen aus dem aktuellen Kyoto-Protokoll anerkennen. Demnach aber hätten die USA ihre Emissionen bis 2012 um 7 Prozent gegenüber 1990 senken müssen - aktuell jedoch liegt der Ausstoß 15 Prozent darüber.

Falls Kopenhagen einen Kyoto-II-Vertrag verabschiedet, stehen den USA im Falle einer Unterschrift also Schulden aus dem Kyoto-I-Vertrag ins Haus. Das aber will Obama tunlichst vermeiden - nicht umsonst sieht das Reduktionsziel seines Klimagesetzes ja das Bezugsjahr 2005 vor. 

bkk_un.jpg
Ein hochgeklapptes Schild bedeutet "Redebarf": Hier China

Die Entwicklungsländer, organisiert in der Gruppe G 77/China, wollen dagegen kein anderes Abkommen unterzeichnen, dass nicht auf der Basis einer Fortschreibung des Kyoto-Protokolls entwickelt wird. Gemäß Kyoto-Protokoll müssen nur die so genannten Annex 1 Staaten Reduktionsverpflichtungen erfüllen. Würde ein neues - "nicht-Kyoto-basiertes" - Protokoll geschaffen, fürchten sie, selbst Verpflichtungen übernehmen zu müssen. Was beispielsweise die USA ja auch tatsächlich von Ländern wie Indien und China fordern.

Am Montag hatte das zu einem Eklat auf dem Parkett geführt: Der chinesische Delegationssprecher Yu Qingtai warf den Industriestaaten "Sabotage" vor. "Ich habe hier noch kein einziges Industrieland erlebt, das deutlich gemacht hat, dass es nicht hier ist, um das Kyoto-Protokoll zu killen", sagte Yu.

Die Staaten der "Ersten Welt" hatten diesen Grunddissens tatsächlich außer Acht gelassen: Der EU etwa ist eigentlich ziemlich egal, ob auf dem Deckblatt des zu beschließenden Textes "Kyoto II" steht oder "Kopenhagen I". Ihnen geht es in aller erster Linie darum, dass die USA mit an Bord sind. Einigermaßen erschrocken von der diplomatischen Grobschlächtigkeit, beeilten sich die Europäer auf Druck der deutschen Delegation, jene Schlüsselemente des Kyoto-Protokolls zu identifizieren, die im Folge-Abkommen unbedingt enthalten sein müssen, damit es einerseits funktioniert - und andererseits die Entwicklungsländer an Bord bleiben.

usa.jpg
Ein Platz, der für die Verhandlungen bedeutend bleibt
Fotos: Reimer/ UN

Ohne die US-Amerikaner, das habe die anderen Industrienationen immer wieder klar gemacht, werden sie sich selbst keine ambitionierten Klimaziele setzen. Was wiederum einigen Entwicklungs- und Schwellenländern entgegenkommt: Saudi-Arabien etwa macht klar, dass es über eigene Reduktionsbemühungen überhaupt erst nachzudenken beginnt, wenn die Industriestaaten eine ihrer historischen Klimaschuld angemessene Reduktionsverpflichtung auf den Tisch gelegt haben. Die Delegationsleiterin Australiens, Louise Hand, sagte:"Es ist als würden wir im Park spazieren, obwohl wir doch eigentlich rennen müssten."

Derweil geht natürlich die Arbeit am Verhandlungstext weiter. Am Mittwoch sollte noch die Schwelle von 100 Seiten unterschritten werden. Nur ob dieser Text nun ein Post-Kyoto-Protokoll oder ein neuer Weltklimaschutz-Vertrag wird, das ist umstrittener denn je. 

 

Zurück zu den Bangkok-Sonderseiten geht es HIER

Zur Startseite geht es HIER

 

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Guter Journalismus kostet

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Empfänger
Klimawissen e. V.
Kontonummer
1136852100
Bankleitzahl (BLZ)
430 609 67
 
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN
DE63 4306 0967 1136 8521 00
BIC
GENO DE M 1 GLS
 

Werbung

Werbung

Meinungen: Reimers kleine Zahlenkunde

930 Euro für Angela Merkel

nick3 Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]

Meinungen: Kommentar

Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]

mehr...

Jahrestag
Das Fukushima-Dossier

11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab.  [mehr]


Aktion des Monats

Europa ohne Atomkraft

Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr]

Zu Ihrem Vorteil

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende

Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende   Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

Klimaretter-Beichtstuhl

Erleichtern Sie sich!

Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...]

Werbung

Vattenfall: Einfach schlecht vorbereitet

Es gibt Werbekampagnen, die so schlecht sind, dass man sich fragt, wie sie jemals zustande kommen konnten. Ist die Agentur zu blöd? Wollen die Chefs, die die Kampagne abnehmen, ihre Firma bewußt schädigen? Ist das Produkt so miserabel, dass es[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Politik


Regierung will die Länder kaufen

Solarförderung: Bundesumweltministerium bietet für Länderzustimmung 30 Millionen für die Forschung [mehr...]
Energie


Ein Speicher am Walchensee

Der SPD-Landtagsabgeordnete Ludwig Wörner will ein Wasserkraftwerk zum Pumpspeicher umbauen - Betreiber Eon sträubt sich [mehr...]
Protest


Anti-Kohle-Camp in Schottland

Britische Klimaschützer mobilisieren gegen den Kohlebergbau in Douglas Valley [mehr...]
Wirtschaft


Strompreisanstieg um 70 Prozent

Ein Gutachten im Auftrag der IHK Baden-Württemberg prognostiziert starken Preisanstieg - Vorschlag zeitlich angepasster Preise [mehr...]
Mobilität


Bahn will mehr Güter auf die Schiene holen

Vorstandsmitglied hält Anteil vom 20 Prozent am Transportmarkt für machbar, zur Zeit sind es 18 Prozent [mehr...]
Forschung


Eisschmelze im Weddell-Meer

Ein Schmelzen des Filchner-Ronne-Schelfeises der Antarktis könnte zu einer Kettenreaktion führen [mehr...]
Umwelt


Total versucht Gasleck zu schließen

Seit acht Wochen strömt Gas aus einer Tiefseebohrung in der Nordsee in die Atmosphäre - Total versucht das Leck nun mit Schlamm zu schließen [mehr...]
Konsum


LED statt 100 Watt

General Electric Lighting liefert die erste LED-Leuchte mit der Stärke einer 100-Watt-Glübirne [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]
Standpunkte


"Wissen ohne Handeln"

Nach dem Bericht des Club of Rome: Michael Müller (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär a. D. und Mitherausgeber von klimaretter.info fordert in seinem Standpunkt 25 Milliarden Euro für ein Sofort-Programm der ökologischen Modernisierung. [mehr...]
Rezension


Die Radio-Aktivisten

Seit über 30 Jahren gab es in Japan keine solchen Demonstrationen: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat auch das politische Bewusstsein der Bevölkerung geändert. Der Dokumentarfilm "Radioactivists" versucht die neue Anti-AKW-Bewegung zu verstehen.
Eine Rezension von Felix Werdermann
[mehr...]
Kolumnen


Den Bärlauch ins Strafgesetzbuch!

Das gewerbsmäßige Sammeln und Inverkehrbringen von Bärlauch oder dessen Zubereitungen sollte der Staat mit drastischen Strafen belegen. Idealerweise orientiert sich der Gesetzgeber dabei am Strafrahmen für weiche Drogen. Die kulinarische Frühlings-Kolumne von Georg Etscheit, Autor und Journalist aus München.
Georg Etscheits Alltagsstress
[mehr...]
Überraschung der Woche


Der Hamburger SPD-Senat im Bett mit Vattenfall

Kalenderwoche 19: Die Hamburger Bürgerschaft hat der Übernahme des Stromnetzes zu 25 Prozent zugestimmt. Dieser Deal dient vor allem Vattenfall, findet Gero Lücking, Vorstand des Ökostrom-Anbieters Lichtblick und Herausgeber von klimaretter.info.
[mehr...]